Titel: Ueber das Brüchigwerden der Messingdrahtseile zu Blitzableitern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 4 (S. 242)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi03_4

Ueber das Brüchigwerden der Messingdrahtseile zu Blitzableitern.

Hierüber veröffentlichte Professor Schafhäutl im bayerischen Kunst- und Gewerbeblatt, 1867 S. 194, einen Aufsatz, dessen Hauptzweck darin besteht nachzuweisen, daß die Ansicht, es könne der zu Blitzableitern verwandte Messingdraht durch elektrische Ströme, Blitzschläge, Schwingungen etc. des Seiles, brüchig werden, und wäre deßhalb überall durch Kupferdraht zu ersetzen – unrichtig sey. Die Ursache der Brüchigkeit des Messingdrahtes für gedachten Zweck liegt nach den von Schafhäutl deßfalls gemachten Beobachtungen und Versuchen hauptsächlich in der schlechten Beschaffenheit des Messings und dessen mehr oder weniger fehlerhafter Verarbeitung zu Draht. So behauptet Schafhäutl, daß ein Eisengehalt des Messings allein hinreichend sey, dasselbe für seine Verwendung zu Draht unbrauchbar zu machen, indem derartiges unreines Messing durch mechanische Operationen, welche sein Umschaffen zu Blech oder Draht bezwecken, anstatt verdichtet, gelockert und brüchig wird.

Ueberhaupt sucht Schafhäutl in seinem in mehrfacher Hinsicht interessanten Aufsatze die Zerstörung der Drahtseile auf ganz natürlichem Wege zu erklären und lebt der Ueberzeugung, daß, hätte man alle die Beispiele, welche über das Brüchigwerden von Drahtseilen angeblich durch bloße Erschütterungen und Schwingungen veranlaßt, angeführt worden, genauer untersucht, man würde zu dem gleichen Resultate gekommen seyn.

Schließlich gelangt Schafhäutl zu folgender Bemerkung: „Ich weiß wohl, daß es gegenwärtig ein allgemein verbreiteter Glaube ist, daß Messing und andere Metalle die Eigenschaft hätten, durch wiederholte Stöße, ja das Messingdrahtseil durch vom Winde veranlaßte Schwingungen, aus dem dehnbaren in einen krystallinischen Zustand überzugehen. Allein ich besitze gute Gründe, in Hinsicht auf die Lehre von der Umwandlung sehniger oder faseriger Structur gewisser Metallmassen in eine krystallinische durch bloße oft wiederholte Erschütterungen, Stöße, Schwingungen u.a.m. – ganz anderer Meinung zu seyn.“ 74) In Betreff bemerkenswerther mitgetheilten Erfahrungsbeispiele müssen wir auf unsere Quelle verweisen. (Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1867 S. 139.) A. d. Red.

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Man s. W. Wedding's Bemerkungen über die Ursachen und die Natur des Bruches schmiedeeiserner Wellen im polytechn. Journal Bd. CLXXVII S. 326.

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