Titel: Notiz über die Gewinnung von Thallium, von Professor Wöhler in Göttingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 6 (S. 243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi03_6

Notiz über die Gewinnung von Thallium, von Professor Wöhler in Göttingen.

Von dem Hrn. Dr. Guckelberger, Director der Sodafabrik Ringenkuhl am Meißner, erhielt der Verf. eine Quantität eines Flugstaubes, worin ersterer eine verhältnißmäßig große Menge Thallium entdeckt hat. Dieser Flugstaub bildet sich bei der Schwefelsäurefabrication beim Rösten von Schwefelkiesen, die in der dortigen Gegend vorkommen. Er ist röthlich gefärbt durch Eisenoxyd und enthält sehr viel arsenige Säure. Für die Darstellung von Thallium daraus hat sich das folgende Verfahren als zweckmäßig erwiesen: Die Masse wird mit Wasser,76) welches mit Schwefelsäure schwach sauer gemacht ist, wiederholt ausgekocht, und aus der filtrirten Lösung das Thallium durch Salzsäure als Chlorür gefällt. Es ist nicht rathsam, die Flüssigkeit vorher zu concentriren, weil sich sonst arsenige Säure mit ausscheidet. Das abfiltrirte Chlorür wird mit kaltem Wasser gewaschen und dann durch Erhitzen mit concentrirter Schwefelsäure in schwefelsaures Salz verwandelt, so daß keine oder nur wenig überschüssige Säure bleibt. Das Salz wird in Wasser gelöst und das Thallium durch Zink reducirt. Da aber das gewöhnliche Zink Blei enthält, so ist es zur Vermeidung dieser Verunreinigung am zweckmäßigsten, das Thallium durch ein einfaches elektrisches Element zu reduciren. Man hängt in die Thalliumlösung ein unten mit Blase überbundenes, kurzes weites Glasrohr, gefüllt bis zum Niveau der äußeren Lösung mit angesäuertem Wasser; in dieses taucht eine Zinkplatte, oben in innigen Contact gebracht mit einem gebogenen Platin- oder Kupferdraht, der auswendig in die Thalliumlösung taucht. Die Reduction beginnt sogleich, und der Draht umgibt sich nach und nach mit einer sehr schönen Krystallisation von Thallium, von dem man nach einigen Tagen keine Spur mehr in der Lösung findet. Man wäscht es möglichst ohne Luftzutritt ab, preßt es zwischen Papier, läßt es rasch trocknen und schmilzt es in einem Porzellantiegel mit Cyankalium zu einem Regulus zusammen.

Auf dieselbe Weise, am besten mit Anwendung von Thonzellen, lassen sich sehr schöne Krystallisationen von Blei. Silber und namentlich von Zinn erhalten. (Annalen der Chemie und Pharmacie, 1867, Bd. CXLII S. 263.)

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Nimmt man bloß Wasser, so scheidet sich zuweilen aus der erkaltenden Flüssigkeit ein rothes Pulver ab. Dieses ist Jodthallium, dessen Jod wahrscheinlich von dem Jodgehalt des bei der Schwefelsäurefabrication angewendeten Chilisalpeters herrührt.

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