Titel: Ueber Toselli's Eisapparate.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 8 (S. 244–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi03_8

Ueber Toselli's Eisapparate.

Ueber diese Eisapparate, von denen wir kürzlich (polytechn. Journal Bd. CLXXXIV S. 406) Erwähnung machten, ist in Les Mondes (t. XIV p. 247; Juni 1867) neuerdings eine Besprechung enthalten, aus welcher wir Nachstehendes wörtlich hier folgen lassen: „Will man im Großen das Eis erzeugen, 10 Kilogr. per Stunde, 100 Kilogr. in 10 Arbeitsstunden, so gibt es nichts Wirksameres und Unschädlicheres als die Eismaschine mit Circulation von Wasserdampf. Erzeugt im Inneren eines an einem Wasserbade erwärmten Generators, geht der Dampf unter relativ geringem Drucke um eine Reihe beweglicher Cylinder, welche mittelst einer von einem Kinde getriebenen Kurbel ohne Mühe gedreht und deplacirt werden können. Das Eis bildet sich sowohl im Inneren der Formen oder Matrizen, welche in den nicht erstarrenden Flüssigkeiten (Wasser und Weingeist) sich befinden, in welchen die Cylinder sich drehen, als auch an der Oberfläche der Cylinder selbst. In diesem Falle ist die an dem Cylinder sich ablagernde Eisschichte besonders merkwürdig; sie hat dieselbe Härte und die gleiche Durchsichtigkeit wie das natürliche Eis, und man kann derartige Gebilde mittelst keines der bekannten Eisapparate erhalten. In Folge der Beschreibung eines vortrefflichen Apparates in Les Mondes (a. a. O. dieses Journals) mußte der Apparat in den Tuillerien in Thätigkeit versetzt werden, und Se. Majestät der Kaiser waren nicht wenig erstaunt über die Quantität, Qualität, Härte und Durchsichtigkeit des mittelst eines kleinen Ofens unmittelbar durch Circulation des Wasserdampfes und dessen Condensation erzeugten Eises. Die große Eismaschine mit Wasserbad (bain-marie) ist das Vortrefflichste für Schlösser, große Apotheken, Gasthäuser, Hospitäler etc.“

Wenn wir von den im vorstehenden Artikel enthaltenen großen Lobeserhebungen – da solche Phrasen dem geehrten Hrn. Redacteur der Les Mondes ein wahres Bedürfniß zu seyn scheinen – ganz und gar absehen, so müssen wir immerhin die Einrichtung des Toselli'schen Eisapparates mit circulirendem Wasserdampf, der aus direct erwärmtem Wasser mittelst eines Ofens etc. erzeugt wird, noch einigermaßen als räthselhaft ansehen. Aus den vom Hrn. Moigno seiner excessiven Beschreibung beigegebenen Abbildungen, die eine „eine Flasche mit Handhabe,“ die andere den Durchschnitt des Apparates darstellend, an welchem bloß die Vorrichtungen, mittelst welchen die dargestellten Eisapparate in Rotation und in translatorische Bewegung versetzt werden können, sichtbar sind, dann die Dampfleitungen und der Kamin noch außerdem gesehen werden können, läßt sich das Wesentliche jener Einrichtung nicht erkennen.

Soll der um die Eiserzeugungs-Apparate circulirende Wasserdampf bei der Eisbildung eine wesentliche Rotte annehmen, so muß die Anordnung getroffen seyn, daß |245| in dem Apparate bedeutend größere Dampfmengen sich entwickeln müssen, als jene, die der herrschenden Temperatur und dem atmosphärischen Drucke entsprechen: es muß nämlich der sich bildende Wasserdampf den größten Theil seiner latenten Wärme aus den zum Eisapparate dienenden Flüssigkeiten entnehmen. Unter den vorliegenden Umständen müßte daher dafür gesorgt seyn, daß die Dampfbildung im luftverdünnten, fast leeren Raume vor sich gehen muß, daß also die Eiserzeugungs-Apparate selbst in einem solchen Recipienten sich befinden, und daß die sich gebildeten Dämpfe unmittelbar nach ihrer Entstehung und Circulation rasch abgeführt, also entweder absorbirt oder condensirt werden, ohne daß die bei der Verdichtung freiwerdende Wärme die Temperatur im Recipienten erhöhen kann. Da aber in unserer Quelle von den hierfür nöthigen pneumatischen Apparaten gar keine Rede ist, da vielmehr nach jenen Angaben der ganze Apparat von einem Kinde gehandhabt werden könne, so müssen wir annehmen, daß die ganze Einrichtung, wenn sie überhaupt so bestehen soll, wie dieß Hr. Moigno angibt, vorläufig ein Geheimniß bleiben soll, und daher abwarten, bis einmal Detaillirtes hierüber bekannt gegeben werden kann.

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