Titel: Abscheidung der Fette aus dem Seifwasser der Tuchfabriken; von J. A. Burdach in Finsterwalde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 9 (S. 245–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi03_9

Abscheidung der Fette aus dem Seifwasser der Tuchfabriken; von J. A. Burdach in Finsterwalde.

Der polytechnischen Gesellschaft zu Berlin machte der Verf. folgende Mittheilung:

Seit dem Jahre 1857 beschäftige ich mich mit der Abscheidung der Fettstoffe aus den Seifwässern der hiesigen Tuchfabriken.

Ich habe verschiedene Methoden zur Scheidung angewendet, bin aber schließlich zu dem Resultate gelangt, daß die Scheidung mit Säuren, und zwar auf warmem Wege, die billigste und vortheilhafteste ist.

Seifwässer, zu deren Erzeugung nur Brunnenwasser angewendet wird, wie es bei den hiesigen Tuchfabriken der Fall ist, scheiden sich auf kaltem Wege nur ganz unvollständig.

Mein Verfahren ist nun folgendes:

Die aus den Fabriken erhaltenen Seifwässer bringe ich, nachdem sie colirt sind, in große gußeiserne Kessel (Kupfer und Schmiedeeisen werden sehr schnell unbrauchbar) zum Kochens setze alsdann Säure in hinreichender Menge zu und die Scheidung findet sehr bald vollständig statt. Darauf lasse ich den Inhalt der Kessel in hölzerne Bottiche zur vollständigen Klärung ab. Es bildet sich dann an der Oberfläche eine schwammige, bräunliche Masse, die auf der klaren Lauge schwimmt. Sobald ein hinreichender Vorrath von dieser schwammigen Fettmasse entstanden ist, trenne ich wiederum auf warmem Wege und durch späteres Abseihen den größten Theil Fett, der noch in der Lauge enthalten ist.

Es findet jetzt schon eine freiwillige Ausscheidung von flüssigem Fett statt.

Die Fettmasse, welche nun auf vorbeschriebene Weise so viel als möglich von dem noch anhängenden Wasser befreit ist, bringe ich jetzt in den Läuterkessel, läutere wiederum auf warmem Wege und nehme das sich abscheidende hellbraune Fett nach einigen Stunden Ruhe ab.

Das Fett findet Anwendung zu ordinärer Seifen-Wagenschmiere und dem sogenannten Walkextract. Den beim Läutern sich ergebenden schwarzen schwammigen Rückstand verwerthe ich theils bei der hiesigen Gasanstalt, indem er noch ein ganz gutes, sich schnell entwickelndes Gas gibt, theils zu Düngpulver.

Das Fett ist von hellbrauner Farbe. Der Luft und dem Licht ausgesetzt, wird es nach längerer Zeit gelblich. Verschiedenartige Entfärbungsversuche ergaben kein wesentliches Resultat. Am Vortheilhaftesten hat sich dazu die salpetrige Salpetersäure (Untersalpetersäure) bewährt, welche aber das Produkt vertheuert, ohne einen erheblichen Vortheil zu gewähren.

Im Kleinen angestellte Destillationsversuche mit überhitztem Wasserdampf haben ein dem Stearin ähnliches Product ergeben. Die Ausbeute war aber so gering, daß |246| keine weiteren Versuche damit angestellt werden konnten. (Musterzeitung für Färberei etc., 1867, Nr. 13.)

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