Titel: Die modernen Verkehrsmittel, von E. Behm.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 1 (S. 319–321)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi04_1

Die modernen Verkehrsmittel, von E. Behm.

E. Behm veröffentlicht in dem neunzehnten Heft von Petermann's geographischen Mittheilungen eine geographisch-statistische Uebersicht über die modernen Verkehrsmittel mit historischen und volkswirthschaftlichen Notizen, veranschaulicht durch eine |320| Telegraphen- und Dampfschifffahrtskarte der Erde und durch eine Communicationskarte von Centraleuropa.

„Das vergangene, für die politische Geschichte so bedeutungsvolle Jahr,“ heißt es in der Einleitung „bildet auch in culturgeschichtlicher Beziehung eine wichtige Epoche: in ihm wurde der Gürtel der Postdampfer-Linien um die Erde und die telegraphische Verbindung der alten mit der neuen Welt vollendet.“

1) Dampferlinien für den Weltverkehr. – Die schon länger bestehenden sind: 1) die orientalische, jetzt Peninsular and Oriental Steam Navigation Company genannt, zwischen England und Indien-Australien (Southampton-Bombay 23 Tage; nach Ceylon, Point de Galle 26 Tage), und damit concurrirend die französischen Messageries Impériales; 2) die transatlantischen Linien zwischen Europa und Amerika; England, Deutschland und Frankreich concurriren hier. (Southampton, New-York 12 Tage, nach Panamá 19 Tage.) Von Liverpool giengen im Jahre 1865 308 Dampfer nach Nord- und Mittelamerika. In Panamá (Colon), dem nördlichsten Punkte der Panama-Eisenbahn, concentriren sich die Linien der englischen Royal Mail und der französischen Compagnie transatlantique, die von St. Nazaire aus zweimal monatlich Schifft nach Westindien schickt, sowie einige von New-York und New-Orleans auslaufende Linien.

Eine Reise um die Erde würde, in möglichst kurzer Zeit gemacht, folgende Punkte berühren und die beigesetzte Zeit in Anspruch nehmen: Marseille-Alexandria 6 Tage. (Man kann noch etwas Zeit ersparen, wenn man auf der italienischen Eisenbahn bis Brindisi und von dort in 82 Stunden auf dem italienischen Dampfer nach Alexandria fährt.) Alexandria-Suez 10 Stunden, Aden 6 Tage; Point de Galle auf Ceylon 11 Tage; bis jetzt also 24 Tage. Ceylon-Calcutta 7 Tage. (Von Ceylon aus laufen die Linien: Ceylon-Singapur-Hongkong 15 Tage, Hongkong-Schanghai 5 Tage, Jedo 5 Tage.) Point de Galle-Melbourne 21 Tage, Sydney 3 Tage, Wellington 7 Tage. Bekanntlich befindet man sich in Neuseeland bei unseren Antipoden. Bis hieher also 55 Tage. Seit Juni 1866 unterhält die Panamá Australian Company zweimal monatlich den Verkehr in Amerika. Neuseeland-Panamá 28 Tage, Colon-St. Thomas 5 Tage, Southampton 14 Tage, Marseille 2 Tage. Somit im Ganzen 104 Tage. Auf der Route Ceylon-Schanghai-Jokohama und von da mit der Pacific Company nach St. Francisco (20 Tage), St. Francisco-Panamá (15 Tage) würde man nur 2 Tage länger brauchen als auf der ersten. Eine solche Eilfahrt würde etwa 1850 Thaler kosten.

2) Eisenbahnen. – Die Länge der Eisenbahnen betrug auf der ganzen Erde im Jahre 1866 nur erst 19,639 deutsche Meilen, wovon auf die nordamerikanische Union 7002, England 2882, die deutschen Staaten mit Einschluß von Oesterreich 2864, Frankreich 1955, Indien 733, Italien 697, Spanien 676, Rußland 602, Canada 421, Belgien 346, Schweden 222, Schweiz 170, Niederlande 152 entfallen. Von den 2864 Meilen deutscher Eisenbahnen kommen auf Preußen 1257, Oesterreich 819, Süddeutsche Staaten 551, Norddeutscher Bund 1493 Meilen. Die 2882 Meilen englische Eisenbahnen kosteten bis jetzt 455 Millionen Pfd. Sterl. (übrigens haben die Bahnen und Bahnhöfe in London allein schon 40 Mill. Pfd. Sterl. verschlungen, auch erforderten die Bahnhöfe in Manchester, Liverpool, Leeds, Sheffield und Birmingham sehr große Summen), während die preußischen 1257 Meilen 645 Mill. Thaler, d.h. etwa 96 Mill. Pfd. Sterl. kosteten. Eine leicht anzustellende Berechnung ergibt, daß die englischen Bahnen doppelte Herstellungskosten zu tragen hatten; die französischen 1955 Meilen kosteten etwa 280 Mill. Pfd. Sterl., woraus hervorgeht, daß die französischen Bahnen verhältnißmäßig beinahe ebenso theuer zu stehen kommen wie die englischen. Aus den Bahnen bezieht die französische Staatscasse jährlich 92 Mill. Fr., obgleich der Staat nur 980 Mill. beigesteuert hat; man steht, daß sich der Staatsaufwand dort etwa zu 9 bis 10 Proc. verzinst.

Die Bedeutung der Eisenbahnen für den Handel ergibt sich daraus, daß (nach Baxter's statistischen Nachweisungen) z.B. das Wachsthum der Ein- und Ausfuhr in Belgien von 1842 bis 1860 nicht weniger als 272 Procent, in den Vereinigten Staaten 247, in England 237, in Frankreich 169 betragen hat.

3) Telegraphenlinien. – Von diesen gibt es jetzt etwa 45,000 deutsche Meilen mit der dreifachen Länge von Drahtleitungen. Es haben z.B. das deutschösterreichische Vereinsnetz (Anfang 1866) 6062,5 deutsche Meilen Linien und 15,378,8 |321| Meilen Drahtleitungen; Rußland (Anfang 1866) 4916,7 Meilen Linien und 9517,4 M. Drahtleitungen; Frankreich (Anfang 1866) 3998,3 Meilen Linien und 13,418,9 M. Drahtleitungen; Großbritannien und Irland (Anfang 1866) 3484 Meilen Linien und 16,795 Meilen Drahtleitungen; das türkische Reich 1853 M. Linien; Italien (1863) 1757 Meilen; Schweden (1865) 750 Meilen; Belgien (1861) 233 M.; die Schweiz (1866) 462,5 Meilen; die Vereinigten Staaten (1865) 11,325 M.; Canada (1865) 1080 M. etc. Außerdem haben die beiden atlantischen Telegraphen zusammen eine Länge von 890 und die anderen submarinen Telegraphen eine solche von 1235 deutschen Meilen.

Haben die Eisenbahnen in 37 Jahren eine Ausdehnung erlangt, die gleich 3 1/2 mal dem Umfange der Erde ist, so wurden sie doch von dem Telegraphen weit überholt, der vermöge seiner viel leichteren und billigeren Herstellung binnen 27 Jahren so gewachsen ist, daß die Linien an einander gesetzt 8 1/2 mal, die Drahtleitungen wohl 20mal die Erde umspannen würden. Angesichts solcher Resultate darf man schon vor dem Unternehmungsgeist und der Energie unserer Zeit den Hut abziehen.

Von den 6062,5 deutschen Meilen des deutsch österreichischen Telegraphenvereins besitzen Oesterreich (aber incl. Venetien) 2573,4, Preußen 1846,5 (jetzt 2300), Bayern 423,6, Württemberg 251,6 (mit 392,9 Leitungsdraht), Sachsen 167,4, Baden 212,1 (mit 504,7 Leitungsdraht), die Niederlande 268,5 (mit 750,8 deutschen Meilen Draht).

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