Titel: Wollenvließgewebe für Teppiche und Schuhe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 12 (S. 326–327)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi04_12

Wollenvließgewebe für Teppiche und Schuhe.

Die Wollenvließgewebe, welche von Gebrüder Imbs hergestellt werden, bestehen aus einem mehr oder weniger dicken Gewebe und einer Anzahl Streichgarnvließe.

Die Vereinigung des Gewebes und der Vließe geschieht durch eine Naht, welche rechtwinklig gegen die beiden Stoffrichtungen liegt, so daß die hierzu dienenden Wollenfäden gewissermaßen die Functionen der Kette und des Einschusses in einem gewöhnlichen Stoffe erfüllen. Das. so erzeugte Product hat so viel Consistenz, daß es in einer Walke der Filzbildung unterworfen werden kann. Durch Walken entsteht ein Stoff, welcher bedruckt werden kann und sich vorzugsweise zu Teppichen und Schuhen eignet; er erlangt dadurch Eigenschaften, welche weder dem Filz, noch den gewöhnlichen Geweben zukommen. Der erstere kann die wünschenswerthe Consistenz nur auf Kosten der Haltbarkeit und Biegsamkeit des Stoffes wie der Reinheit und Dauerhaftigkeit des Drucks erhalten, und die letzeren erfordern eine Gleichmäßigkeit und vorzügliche Qualität der Wolle, durch welche der Preis bedeutend erhöht wird. Der Fabricationsproceß der Gebrüder Imbs dagegen gestattet, in das Innere des Stoffes alle möglichen Materialien geringerer Qualität einzuarbeiten. Die ordinärsten und kürzesten Abfälle der Wolle, die zum Verspinnen ganz ungeeignet ist, kurze Haare und Kämmlinge von |327| grober Beschaffenheit können dabei verwendet werden, ohne daß dem Ansehen des Products geschadet wird. Der Werth des Rohmaterials wird auf diese Weise auf den möglich geringsten Kostenbetrag zurückgeführt.

Der Preis des fertigen Stoffes wird aber auch noch durch die Billigkeit der Anfertigung niedrig erhalten, indem die Gebrüder Imbs zur Vereinigung des Gewebes mit den Vließen sich einer mit einer größeren Anzahl von Nadeln versehenen Maschine bedienen, die bereits in 20 Exemplaren in ihren Etablissements zu Brumath und zu Puteaux thätig ist. Das Princip dieser Maschine ist folgendes: Das über dem Wollenvließ liegende Gewebe wird, unter den nöthigen Vorsichtsmaßregeln gegen die Verwirrung der Fasern, über eine Reihe verticaler Nadeln geführt, welche an einer gemeinschaftlichen Traverse befestigt sind, und mit derselben sich auf und nieder bewegen, wobei sie den Stoff durchstechen. Jede Nadel enthält einen Wollenfaden, der ihr von einer Spule zugeführt wird, und ist mit zwei Oehren versehen, von denen das eine an der Spitze, das andere nahe dem entgegengesetzten Ende liegt; zwischen den beiden Oehren ist die Nadel rinnenförmig gebogen. Nachdem die Nadeln den Stoff von unten nach oben durchdrungen haben, bildet jeder Faden eine Schleife über der Fläche des Stoffes und zwischen den sämmtlichen Schleifen wird vermittelst eines selbstthätig bewegten Stabes ein Querfaden durchgezogen, welcher als Schlußfaden dient. Bei dem Rückgang der Nadeln von oben nach unten befestigen die Nadelfäden den Querfaden, indem die Schleifen zusammengezogen werden.

Die Maschinen zu Puteaux stellen auf diese Weise mit 300 Nadeln Stoffe von 2,1 Met. Breite her, und was den Preis betrifft, so ist derselbe erheblich niedriger, als der der gewöhnlichen Stoffe dieser Art.

Der durchschnittliche Preis 0,7 Met. breiter Teppiche, wie sie gewöhnlich im Handel vorkommen, ist für Filzteppiche 3,9 Frcs. der Meter, für Brüsseler Teppiche 4,6 Frcs. und für Plüschteppiche 7 Frcs. Der Preis der neuen Teppiche von Imbs dagegen schwankt bei gleicher Breite des Stoffes zwischen 2,9 und 3,23 Frcs., je nach der Zusammensetzung und dem Reichthum der Zeichnung, und das Gewicht beträgt durchschnittlich 1 Kilogramm per Meter, ist also bedeutend größer als das der gewöhnlichen Teppiche. Auch hat man bei der Fabrication der neuen Teppiche den Vortheil, daß man sie in den größten vorkommenden Breiten herstellen kann. Was die Production anlangt, so ist dieselbe von 1000 Paar Schuhen mit einem Werthe von 2750 Frcs. im Jahre 1856 bis auf 313,000 Paar Schuhe mit einem Werthe von 234,000 Frcs. im Jahre 1865 gestiegen. Von Teppichen, deren Fabrication erst seit drei Jahren betrieben wird, sind im vorigen Jahre 61,000 Met. im Werthe von 219,000 Frcs. hergestellt worden.

Die erste Idee zu diesem Fabricationszweige hat F. Durand im Jahre 1856 gegeben, indem er durch Zusammennähen vereinigte wollene Vließe durch Walken in Filz umwandelte. Gebrüder Imbs erwarben Durand's Patent und stellten Versuche mit seinem Verfahren an, erkannten aber die Nothwendigkeit, einen dünnen Stoff mit den Vließen zu verbinden und eine Maschine einzuführen, durch welche das Zusammennähen möglichst billig bewirkt wird. (Musterzeitung für Färberei, Druckerei u.s.w.)

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