Titel: Ueber Dampferzeugung durch Gas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 2 (S. 321–322)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi04_2

Ueber Dampferzeugung durch Gas.

Bekanntlich sind bisher alle Versuche fehlgeschlagen, die Dampfmaschinen selbst auch nur für kleinere Betriebskräfte zu verdrängen. Die verschiedenen Luft- und Gasmaschinen haben zwar theilweise Erfolge gehabt, und werden wohl mit dem Fortschritte der Technik eine dauernde Einführung erreichen, aber vorläufig und für lange Zeit hinaus scheint doch die Oberherrschaft der Dampfmaschine gesichert. Es handelt sich also darum, die mit ihrer Anwendung verknüpften Nachtheile zu beseitigen oder zu vermindern, namentlich da, wo sie ihrer Einführung überhaupt im Wege stehen würden. Die Hauptunannehmlichkeit bleibt die Nothwendigkeit eines Kessels mit Feuerung, Schornstein und Heizer. Aus diesem Grunde, um ein Beispiel aus unendlich vielen hervorzuheben, werden die Waarenballen, Fässer u. dgl. in den Londoner Güterspeichern auch allgemein durch von Menschenkraft bewegte Winden gehoben, trotz der in England ganz allgemeinen Anwendung von Dampfkrahnen bei Bauten aller Art. Aber der Einführung von Dampfmaschinen in den Speichern stand theils der mit der Kohlenfeuerung verbundene Schmutz, theils die Kostspieligkeit und Umständlichkeit des oft zu wiederholenden Anheizens entgegen.

Diese Uebelstände scheinen jedoch durch eine Gasfeuerung beseitigt zu seyn, welche von Artur Jackson für England patentirt ist, und in einem der größten Speicher in Cannon-Street (Hrn. Cowan's) schon seit einiger Zeit mit bestem Erfolge praktisch angewendet wird. Dort ist ein stehender Röhrenkessel von zwei Pferdekräften in dem obersten Stockwerke errichtet, fundamentirt auf einer Steinplatte. Unter dem Kessel ist eine geschlossene Kammer, in welcher sich die Gasbrenner befinden, welche von außen durch Hähne zu reguliren sind. Auch sind Lufteinlaß-Ventile darin angebracht und eine kleine Thür von Glas oder Glimmer gestattet eine Besichtigung der Flammen. Ueber jedem Brenner ist eine Scheibe von feuerfestem Thon angebracht, deren Zweck es ist, die Hitze der Flamme auszubreiten, und vermuthlich auch den Kessel vor der directen Wirkung der Stichflammen zu schützen, da die Brenner bis dicht unter den Kesselboden reichen. Die erhitzten Ofengase werden durch einen vermuthlich eisernen Schornstein entfernt, dessen innerer Theil mit einem Mantel umgeben ist, in welchem das Speisewasser für den Kessel vorgewärmt wird. Bei dieser Feuerung gibt es also weder Heizer, noch Mauerwerk noch Kamin (im gewöhnlichen Sinne), noch Roste und selbstverständlich keinen Rauch. Der Dampf wird auf 50 Pfund Ueberdruck gebracht, wobei natürlich, während die Maschine steht, sehr wenig Gas verbraucht wird; bei voller Arbeit beträgt die Consumtion von Gas 200 Kubikfuß per Stunde. Das Anzünden des Feuers dauert nur einige Secunden, das Auslöschen ist augenblicklich. Wenn der Kessel ganz kalt ist, so dauert das Anheizen bis 50 Pfd. Druck eine halbe Stunde, aber nur 25 Minuten, wenn der Kessel Tags zuvor gebraucht war. mit einer Consumtion von 100 Kubikfuß Gas.

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Die Maschine ist (nach Angaben im Mechanics' Magazine) kürzlich von Hrn. Carr, dem Ingenieur des St. Katharine Docks, untersucht und obige Resultate bestätigt worden. Sie hat einen Cylinder von 6 Zoll, und 10 Zoll Hub und 3 Pferdestärken (der Kessel nur zwei); die Anzahl von Hüben ist regelmäßig 150 per Minute. Beim Anfange des Versuches war die Dampfspannung 60 Pfd., und es wurden 1250 Pfd. in 30 Secunden 50 Fuß gehoben; die Hebung, zusammen mit dem Herunterlassen der Kette, wurde achtmal mit derselben Last in 6 Minuten wiederholt, wobei die Spannung auf 40 Pfund zurückgieng, aber in 2 Minuten wieder auf 50 Pferdekräfte stieg. Dann wurden 4 Hebungen und Senkungen in 4 Minuten gemacht; nach jeder Hebung sank die Spannung um 3 Pfund, stieg aber während der (ohne Dampf vor sich gehenden) Senkung immer wieder auf die ursprüngliche Höhe, so daß kein Aufenthalt stattfand. Der Gasverbrauch war 50 Kubikfuß in 15 Minuten. Was Verdampfungsfähigkeit betrifft, so wurden durchschnittlich 8 Gallons ( à 4 preuß. Quart) in 43 Minuten verdampft, mit einer Gasconsumtion von 100 Kubikfuß, einer Spannung von 55 bis 65 Pfund und einer Schornsteintemperatur von etwa 140° C. – G. Lunge. (Breslauer Gewerbeblatt, 1867, Nr. 9.)

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