Titel: Ueber die Verminderung des Glanzrußes in engen Schornsteinröhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 4 (S. 322–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi04_4

Ueber die Verminderung des Glanzrußes in engen Schornsteinröhren.

In einem Circularerlaß des königl. preußischen Handelsministers an sämmtliche Regierungen vom 4. Januar 1867 wird die Frage, ob die feuergefährliche Anhäufung von Glanzruß in engen Schornsteinröhren durch gehörige Aufmerksamkeit des Schornsteinfegers rechtzeitig wahrgenommen und dem Ausbruche von Schornsteinbränden durch Anwendung der üblichen Reinigungsmittel, eventuell des absichtlichen Ausbrennens, vorgebeugt werden könne, bejaht. Der Glanzruß bilde sich in einem gefahrbringenden Maaße nicht in wenigen Tagen, sondern sey das Product eines längeren Zeitraumes von mehreren Wochen. Eine Ansetzung in jenem Umfange lasse sich unter Benutzung der jetzt allgemein gebräuchlichen Reinigungsvorrichtungen, selbst bei mäßig geschleiften Röhren, durch rechtzeitiges, sorgfältiges, je nach der Gebrauchsweise der Feuerung und des verwendeten Brennmaterials in kurzen Perioden zu wiederholendes Fegen vermeiden. Ob und in welchem Grade sich etwa Glanzruß in einem Rohre angesetzt habe, davon trage der Kehricht des letzten Fegens so weit stets Merkmale an sich, daß |323| der mit der Gebrauchsweise und der constructiven Beschaffenheit des Rohres vertraute Schornsteinfeger beurtheilen könne, ob zur Verhütung der Bildung von Glanzruß ein häufigeres Kehren, oder, zur Beseitigung der bereits in größerem Maaße vorhandenen, ein Ausbrennen erforderlich werde. Das Selbstentzünden der engen Schornsteine entstehe erfahrungsmäßig nur dann, wenn sich der Glanzruß bereits in hohem Grade angesetzt habe, und dieser Gefahr könne durch wiederholtes Fegen vorgebeugt werden. Dagegen sey nicht zu verkennen, daß die Construction der Schornsteine, deren Form und Richtung auf das schwächere oder stärkere Ansetzen von Glanzruß und auf die leichtere oder mühsamere Beseitigung desselben von Einfluß sey.

Zur Verminderung des Glanzrußes in engen Schornsteinröhren erscheinen folgende bauliche Einrichtungen geeignet:

1) Quadratische und kreisrunde Querschnitte der Schornsteine müssen auf die ganze Länge der Röhre gleiche Weite haben. Oblonge Querschnitte sind im Allgemeinen auszuschließen. Ausnahmsweise können dieselben gestattet werden, wenn der Hausbesitzer die zu ihrer Reinigung geeigneten Gerüche vorräthig hält.

2) Kreisrunde Querschnitte sind nur mit entsprechenden Formsteinen auszuführen oder mit Röhren von gebranntem Thon auszufüttern. Die Thonröhren dürfen nur in ganz senkrechten Schornsteinen angewendet werden; es empfiehlt sich, dieselben im Inneren mit einer Glasur zu versehen.

3) Geschleifte Röhren, welche nur in ganz massiven Wänden vorkommen dürfen, müssen entweder an den Stellen, wo ihre Richtung sich ändert, mit Reinigungsthüren versehen, oder sie müssen um mindestens 60° gegen den Horizont geneigt seyn. An den Brechpunkten sind die Ecken abzurunden.

4) Röhren in äußeren Wänden müssen an der Außenseite Wangenmauern von wenigstens einem Stein Stärke erhalten.

5) Schornsteine für Küchenherde mit offener Feuerung müssen besteigbar seyn.

6) In Küchen mit geschlossener Feuerung und engen Schornsteinen ist ein besonderes Rohr zum Abzug der Wasserdämpfe einzurichten.

Schließlich werden folgende bauliche Einrichtungen, welche zwar nicht vorzuschreiben, aber in geeigneter Weise zu berücksichtigen sind, empfohlen:

a) Anbringung von Luftthüren in den Rauchröhren für Oefen mit luftdichtem Verschluß, um zu verhindern, daß bei zu frühem Verschluß des Ofens Wasserdämpfe im Schornstein sich ansammeln und condensiren;

b) Hinabführung enger Röhren bis in den Keller;

c) Anbringung von Schiebern in den Röhren, um deren Ausbrennen etagenweise, von oben nach unten, ausführen zu können;

d) Vermeidung der Einführung von Feuerungen aus verschiedenen Stockwerken in ein und dasselbe Schornsteinrohr.

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