Titel: Verfahren, um die Reife der Obstfrüchte für den Genuß zu befördern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 9 (S. 324–325)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi04_9
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Verfahren, um die Reife der Obstfrüchte für den Genuß zu befördern.

Einer meiner Freunde schickte mir voriges Jahr eine Kiste voll Colmarbirnen, welche, jede besonders in Papier eingewickelt, in Papierschnitzel verpackt waren. Die Reise dauert ungefähr acht Tage. Doch konnten diese Früchte nicht ausgepackt werden, weil ich nicht zu Hause war; erst nach weiteren acht Tagen kamen sie wieder an das Tageslicht. Schon beim Auspacken fand ich viele, besonders wurmige, etwas reif von geldlichem Ansehen, so daß ich darüber erstaunte, weil der Absender geschrieben hatte: „erst zu genießen nach Neujahr bis Ostern.“ Nach weiteren 14 Tagen, nachdem sie in einer luftigen Obstkammer gelegen, war der größte Theil genießbar und vollkommen reif, und am 12. November mußte ich schon überreife ausscheiden; bis zum December waren alle passirt! Als ich gegen Fastnacht zu meinem Freunde gekommen, fand ich mit dem größten Erstaunen alle seine Colmarbirnen noch grasgrün und hart auf dem Stroh liegen; es hat sich herausgestellt, daß das Einpacken in Papier diese merkwürdige schnelle Reife bewirkt haben muß.

Diesen Wink durch Erfahrung benutzen wir nun in der ausgedehntesten Weise. Schon im Juli v. J. hatten wir Besuch zu erwarten, und da die Pfirsiche bis dahin noch nicht reif seyn konnten, pflückten wir die größten ab, packten sie in Papier, jede Frucht allein, und legten sie in die Schublade eines Commodes. In der festgesetzten Zeit von zehn Tagen waren alle vollkommen reif, weich und besser als die später am Baume reifgewordenen. – Die St. Germainbirnen werden wir jetzt von November bis Ostern essen, indem wir von vierzehn zu vierzehn Tagen eine Anzahl auf angegebene Weise behandeln.

Dieser Vortheil wird um so größer, weil diese Früchte, wenn sie einmal weich, alle auf einmal verwendet oder genossen werden müssen, was nicht immer mit Vortheil geschehen kann. So dauert die Reife oder der Genuß kaum drei Wochen, während derselbe, wie angegeben, auf zwölf und mehr Wochen verlängert werden kann. (Nach der Monatsschrift für Pomologie.)

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