Titel: Tucker's Verfahren zum Bronziren von Gußeisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 6 (S. 403–404)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi05_6

Tucker's Verfahren zum Bronziren von Gußeisen.

Die Tucker Manufacturing Company zu Boston in Nordamerika hat in Paris eine interessante Neuigkeit ausgestellt, welche voraussichtlich in Europa sehr bald Verbreitung finden wird. Es ist das von Hiram Tucker erfundene sogenannte bronzirte Eisen, so bezeichnet, weil die Artikel die Farbe und das äußere Ansehen von gegossener Bronze besitzen, obgleich sie weder mit Bronze, noch mit Kupfer, noch mit einem anderen Metalle oder einer Legirung, wie sie gewöhnlich zur Fabrication nachgeahmter Bronze angewendet werden, überzogen sind. Tucker's Erfindung, auf welche er ein Patent genommen, besteht darin, die Gußstücke bei hoher Temperatur mit einem Pflanzenöle (vegetable oil) zu behandeln, so daß sich auf der Metallfläche eine Oxydhaut bildet, welche in Verbindung mit der zersetzten organischen Substanz die gewünschte Farbe und das beabsichtigte Ansehen gibt.

Nachdem die Güsse fertig gemacht und gereinigt worden sind, werden sie auf ihrer ganzen Fläche sorgfältig mit jenem flüssigen Oele überzogen; besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf die Beseitigung alles überschüssigen Oeles verwendet, so daß nur eine außerordentlich dünne Schicht desselben an der Metallfläche haften bleibt. In diesem Zustande ist das Gußstück für den Oxydationsproceß bereit. Zu diesem Zwecke wird |404| es in einen Trockenofen gebracht, welcher bis zu der Temperatur erhitzt ist, bei der das Oel sich zersetzt, jedoch ohne sich zu verkohlen. Diese Temperatur ist dieselbe, bei welcher Gußeisen von blanker metallischer Oberfläche eine blaue Färbung annimmt. Demnach findet bei diesem Hitzegrade eine Oxydation des Eisens und die Zersetzung des Oeles gleichzeitig statt, und die Stücke überziehen sich mit einer braunen Oxydhaut, welche an der Oberfläche des Gußstückes sehr fest haftet und sehr dauerhaft ist, das Eisen vor weiterer Oxydirung schützt und ganz denselben Glanz und das gleiche metallische Ansehen besitzt, wie wirkliche Bronze. Die Dauer dieser „Bronzirung“ soll eine sehr bedeutende seyn.

Selbstverständlich sind die Tucker'schen Bronze-Artikel weit billiger als wirkliche Bronzegegenstände, vermögen auch die Concurrenz mit imitirter Bronze vortheilhaft zu bestehen, indem sie vor der letzteren den Vorzug größerer Haltbarkeit und schönerer Formen voraus haben; denn gutes Gußeisen füllt die Formen auf das Vollkommenste aus und gestattet die treueste Reproduction der feinsten Details. – Der Erfinder hat zu Boston eine Gesellschaft für die Fabrication seiner Bronze gegründet und ist jetzt im Begriffe, diesen Industriezweig auch in Frankreich heimisch zu machen. Die von dieser Gesellschaft in Paris ausgestellten Gegenstände sind sehr schön und sollen sehr rasch Käufer gefunden haben. (Engineering Mai 1867, S. 525.)

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