Titel: Neues Vorkommen von Thallium.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 7 (S. 404)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi05_7

Neues Vorkommen von Thallium.

Bei der immer noch großen Seltenheit dieses Metalles dürfte die Entdeckung eines Minerals, welches über 17 Proc. davon enthält, von großem Interesse seyn. A. E. Nordenskjöld gibt in Nr. 10 der dießjährigen Oefversigt af kongl. Vetenskaps Akademiens Förhandlinger eine Beschreibung dieses neuen von ihm entdeckten Erzes, welches er dem Entdecker des genannten Metalles, W. Crookes (Herausgeber der Chemical News), zu Ehren Crookesit nennt. Die seit langen Jahren auflässige Kupfergrube zu Skrikerum in der schwedischen Provinz Smaland ist den Mineralogen und Chemikern als der Punkt, an welchem die ersten Selenverbindungen entdeckt wurden, bekannt. Der Reichthum des Stockholmer mineralogischen Museums an selenhaltigen Mineralien veranlaßte Nordenskjöld, diese letztere einer Revision zu unterwerfen und nochmals zu untersuchen. Dabei überzeugte er sich, daß Eukairit (Cu²Se + AgSe) und Berzelianit oder Selenkupfer (Cu²Se) geringe Mengen Thallium enthalten; zugleich fand er aber auch in Mosander's Sammlung mehrere Exemplare eines Minerales mit einem bedeutenden Thalliumgehalt, welches für Thallium das ist, was der Eukairit für das Selen.

Der Crookesit bildet kleine, derbe, undurchsichtige, metallglänzende Massen von bleigrauer Farbe, welche so fest sind, daß sie sich von den Eukairitkörnchen und dem Berzelianitpulver ohne Schwierigkeit trennen lassen. Spuren von Krystallisation fand Nordenskjöld nicht. In Bezug auf Härte und Geschmeidigkeit gleicht der Crookesit dem Chalkosin; sein specifisches Gewicht ist = 6,9. Vor dem Löthrohr schmilzt er leicht zu einem schimmernden, grünlichschwarzen Email, indem er die Flamme intensiv grün färbt. In Chlorwasserstoffsäure ist er unlöslich; von Salpetersäure hingegen wird er leicht und vollständig gelöst.

Die Analyse führte zu der Formel: (Cu², Tl, Ag,) Se, und diese erfordert:

Kupfer 45,76
Thallium 17,25
Silber 3,71
Selen 23,28
––––––
100,00.

Der geringe Silbergehalt rührt wohl von beigemengtem Eukairit her.

Bis jetzt haben sich nur wenige Exemplare von Crookesit in den Stockholmer Mineraliensammlungen auffinden lassen; bei genauer Durchsuchung der Skrikerumer Bane dürften aber noch mehrere gefunden weiden. H. H.

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