Titel: Das englische System der Zurichtung der Kalbfelle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 12 (S. 483–484)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi06_12

Das englische System der Zurichtung der Kalbfelle.

Nachdem die gegerbten Felle aus der Grube aufgezogen worden, läßt man dieselben aufhängen und etwas abtrocknen, um sie zu krispeln; dieß geschieht mit einem Armkrispelholz (marguerite), das bei dieser Behandlung die erste Rolle spielt, weil die Arbeit damit anfängt und man das Vergnügen hat, sie rollen zu hören; wenn die in den Fellen befindlichen Adern und Gruben gut ausgezogen werden, kann man überhaupt später auf eine schöne Narbe Anspruch machen; sodann ist es auch nöthig, die Falten aus den Klauen und Bordagen zu entfernen, um das Windmachen und Falzen zu erleichtern, da die Felle alle nach dem Krispeln ausgefalzt werden. – Nach dem Falzen werden die Felle 10–12 Stück in eine Kufe oder Walkfaß gethan und so lange gewalkt, bis sie gut weich sind, und die darin enthaltene Säure ziemlich heraus ist, dann wird ein Fell nach dem anderen auf der Aasseite mit einem Reckeisen gut ausgereckt und mit einer Wurzelbürste, abgewaschen, um die daran hängenden kleinen Lohkörner und Falzspäne zu entfernen, und dann in eine zweite Kufe mit reinem Wasser geworfen. Nun kommt das Auswaschen mit dem Auswaschsteine (querce), wo die Felle so lange gequerst und gewaschen werden, bis das Fell flach auf der Tafel liegt, und keine Adern und Falten mehr darauf sichtbar sind und das Wasser beim Aussetzen klar herausfließt; dann werden sie noch einmal gut ausgesetzt und auf der Narbenseite mit etwas Talg und hellem Thran geschmiert. So kann man nun die Felle einige Tage liegen lassen bevor man sie in's Fett macht; beim Einschmieren muß man jedoch die Felle nochmals gut auf der Aasseite ausrecken, damit sie die Façon, die man ihnen beim Windmachen gegeben hat, nicht verlieren. Das Fett, das aus einer Mischung von Degras und Talg besteht, wird kalt und mit einer Bürste aufgetragen; Bergerthran wird bei dieser Fabrication nie angewendet, weil, wie die Erfahrung lehrt, derselbe bei längerem Lagern oder bei längerem Transport in heiße Länder die Felle erhitzt und ausschlägt, und dieselben sehr unansehnlich und hart machen würde. Wenn nun die Felle getrocknet sind, was durch Aufhängen an Stöcken geschieht, so werden sie zusammengelegt und an einem kühlen Orte auf einen Haufen gesetzt, damit sich das Fett darin egalisirt und dieselben etwas Feuchtigkeit anziehen, so daß sie sich beim Blanchiren etwas zarter schneiden, da die Waare beim Blanchiren nicht angefeuchtet wird. Wenn nun die Felle auf der Aas- und Narbenseite degraissirt sind, so werden sie in die Länge vorblanchirt (tirer de long), wobei man die Klauen und den Kopf gleich fertig blanchirt und beim Nachblanchiren (traverser) noch einen leichten Span aus dem Kerne nimmt, um die Adern etc. zu entfernen. Jedoch müssen alle Vorarbeiten für Felle, die blanchirt werden sollen, mit der größten Reinlichkeit geschehen und die Felle sehr vor Sand und Kohlasche geschützt werden, was größtentheils nicht sehr berücksichtigt wird, denn Sand ist der größte Feind des Blanchireisens. Sollen nun die Felle braun bleiben (d.h. veaux blancs), so werden sie nach dem Aufpantoffeln, das nach vier Quartieren geschieht, mit etwas Talcum trocken auf der Aasseite abgebürstet und glacirt; wenn dieselben aber zu Wichsfellen (veaux cirés) bestimmt sind, so werden sie nach dem Pantoffeln dutzendweise auf die Tafel übereinander ausgebreitet und mit einer Mischung aus Kienruß, Talg und Oel mit einer Bürste gewichst. Nach dem Wichsen wird Talg und Leim (première colle) kalt durcheinander geknetet und ebenfalls mit einer Bürste aufgetragen. Da nun bei der größten Sorgfalt der letztgenannten Arbeit immer die Narbenseite ein wenig beschmutzt wird, so |484| reinigt man dieselbe mit einem Blanchireisen, und reibt sie mit einem wollenen Lappen und etwas Talg ab. Nun werden die Felle glacirt und zum letzten Male mit einem schwachen Leime (dernière colle), den man nach Wunsch des Käufers stärker oder schwächer machen kann, mittelst eines zarten Schwammes versehen. (Wiener Industrie- und Gewerbezeitung von 1867.)

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