Titel: Ueber Erzeugung baum- und strauchartiger Metallsalz-Vegetationen; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 5 (S. 479–480)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi06_5
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Ueber Erzeugung baum- und strauchartiger Metallsalz-Vegetationen; von Prof. Böttger.

Bei Fortsetzung meiner Versuche über Glauber's sogenannten „Eisenbaum,“ auf den ich vor einer langen Reihe von Jahren die Aufmerksamkeit meiner Collegen zuerst gelenkt129), gelangte ich zu einigen recht auffallenden Resultaten, die ich in einer der Samstagsversammlungen unseres physikalischen Vereins seiner Zeit ausführlich zur Sprache gebracht und worüber denn auch schon einige Andeutungen durch Andere in die Oeffentlichkeit gelangt seyn mögen, die ich hier etwas eingehender zu besprechen mir vorgenommen. Wirft man, meinen Beobachtungen zufolge, in ein etwas hohes und nicht zu schmales cylinderförmiges, mit einer Natronwasserglaslösung von 22° Baumé angefülltes Glas mit flachem Boden, kleine linsen- bis erbsengroße Fragmente verschiedener in Wasser löslicher Salze, so gewahrt man in ganz kurzer Zeit (oft schon unmittelbar gleich nach dem Eintragen dieser Fragmente in die genannte Lösung) merkwürdig gestaltete und mannichfach gefärbte baum- und strauchartige Gebilde langsam vom Boden des Glasgefäßes (meistens bis zum Niveau der Flüssigkeit) emporwachsen, so daß schließlich, etwa nach Verlauf von einigen Stunden, das Ganze einem Urwalde en miniature gleicht. Der Kenner sieht auf den ersten Blick, daß hier bei dem Zusammentreffen von kieselsaurem Natron (Wasserglaslösung) mit in Wasser löslichen Metallsalzen, eine gegenseitige Zerlegung vor sich geht, daß sich unlösliche kieselsaure Verbindungen bilden, welche Partikelchen für Partikelchen, durch eine gleichzeitig sich zu erkennen gebende schwache Gasentwickelung (in Folge eines nie fehlenden geringen Gehaltes an kohlensaurem Natron im Wasserglase) aus der Flüssigkeit emporgehoben, schließlich zu jenen merkwürdig gestalteten Gebilden heranwachsen. DiegeeignetstenSalze zur Erzeugung dieser Metallsalz-Vegetationen sind: das krystallisirte Eisenchlorür, Eisenchlorid, Kobaltchlorür, salpetersaures Uranoxyd, schwefelsaures Manganoxydul, salpetersaures Kupferoxyd und Kupferchlorid. Wirft man von diesen Salzen kleine Fragmente gleichzeitig oder nacheinander in die erwähnte Wasserglaslösung, so erhält man Silicat-Gebilde in auffallendster Gestalt und in den prachtvollsten Farben. Wenn man dieselben vor Erschütterung schützt, so lassen sie sich unbegrenzt lange in ihrer ursprünglichen Gestalt und Farbe aufbewahren. (Jahresbericht des physikalischen Vereins in Frankfurt a. M. für 1865–1866.)

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Man vergl. meine „Beiträge zur Physik und Chemie,“ Heft 1 S. 1.

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