Titel: Ziegler's Surrogat für thierische Kohle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 185/Miszelle 8 (S. 481–482)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj185/mi185mi06_8

Ziegler's Surrogat für thierische Kohle.

Ein Surrogat für thierische Kohle stellt Ernst Ziegler, Oekonom in Heilbronn, nach einem ihm in Bayern patentirten Verfahren durch eine derartige Vermischung von reinem Thon und Kohle dar, daß der Thon die Kohle einer feinen mechanischen Vertheilung unterwirft und beim Brennen ihre Verdichtung verhütet, während er dem Ganzen zugleich eine gewisse Festigkeit verleiht. Als kohlegebende Substanz können alle organischen Körper dienen, welche beim Glühen in verschlossenen Gefäßen reinen Kohlenstoff liefern und zugleich flüssig sind oder aufgelöst werden können, z.B. Leim, Fette, Oele, Gummi, Harze etc., am vortheilhaftesten aber Steinkohlen- oder Holztheer. Der Thon wird je nach seiner Fettigkeit mit dem dritten bis fünften Theile seines Volumens Theer unter Zusatz von Wasser möglichst innig gemengt, bis das Ganze eine durchaus gleichförmige plastische Masse von brauner Farbe darstellt; bei stärkerem Theerzusatz erhält man eine etwas wirksamere, bei geringerem eine etwas dauerhaftere Substanz. Die ganz gleichmäßig gemischte Masse wird in kleine Stücke, z.B. in hohle Cylinder von 4 bis 5 Zoll Länge und 1 Zoll Durchmesser, geformt, und dabei zugleich etwas zusammengepreßt, um die Festigkeit des Productes zu erhöhen; die |482| Stücke dürfen nicht zu dick seyn, nur etwa 2–4 Linien, um bei dem nachherigen Verkohlen einer gleichmäßigen Hitze ausgesetzt werden zu können. Nach vollständiger Trocknung findet die Verkohlung ganz nach Art der Knochen-Verkohlung in Töpfen oder Röhren unter möglichstem Luftabschluß statt, wobei in Bezug auf das Brennen noch größere Vorsicht als bei der Knochenkohle nöthig ist. Die erhaltene Kohle wird wie gewöhnlich zerkleinert und gesiebt. Verwendet man Blut statt Theer, so muß die fertige Kohle vor der Verwendung zur Entfernung des Eisens mit Wasser und Salzsäure behandelt werden. Die auf die eine oder andere Art erhaltene Kohlensubstanz, die der Knochenkohle sehr ähnlich ist, etwa gleiches specifisches Gewicht, schwarze sammetartige Farbe und gleichmäßig fein poröses Gefügt hat, wird zur Entfernung des anhängenden feinen Staubes mit Wasser tüchtig ausgewaschen; sie besitzt ein gleiches, theilweise sogar stärkeres Entfärbungsvermögen wie Knochenkohle und kann auch ganz wie letztere durch Wiederbelebung wieder brauchbar gemacht werden.

Eine noch wirksamere Kohle als die angegebene erhält man, wenn man dem Theer oder Blut vor der Mischung mit dem Thone 10 bis 20 Proc. seines Gewichtes in Wasser aufgelöstes Kochsalz, Potasche oder Soda beimengt und im Uebrigen ganz wie gewöhnlich verfährt. Nach dem Brennen und Mahlen werden diese Substanzen mit Wasser wieder aus der Kohle extrahirt und dadurch die Porosität sehr vermehrt; solche Kohle lieferte ausgezeichnete Resultate, nur zeigte sie eine etwas geringere Festigkeit als die andere.

Die auf die beschriebene Weise dargestellten Surrogate haben der Knochenkohle gegenüber den Vortheil einer bedeutend größeren Billigkeit, – nach Ziegler's Angaben können sie zu weniger als 2 fl. per Centner dargestellt werden, – sowie den einer größeren Gleichförmigkeit und damit einer größeren Wirkungsfähigkeit. (Bayerisches Kunst- und Gewerbeblatt, 1867 S. 142.)

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