Titel: Walkhoff, über Entsalzung der Melasse mittelst Dialyse, nach Dubrunfaut's Verfahren.
Autor: Walkhoff, Louis
Fundstelle: 1867, Band 186, Nr. XIII. (S. 44–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/ar186013

XIII. Zur Kenntniß der Vorgänge bei der Entsalzung der Melasse mittelst Dialyse nach Dubrunfaut's Verfahren; von Louis Walkhoff.

Das – Osmogène genannte – Verfahren von Dubrunfaut, aus der Melasse einen Theil des Zuckers mittelst der Dialyse zu gewinnen,2) beruht darauf, daß die Salze rascher als der Zucker durch das Pergamentpapier dringen, welches als Scheidewand zwischen den Melasse- und Wasserräumen angewandt wird; in Folge hiervon gelingt es einen Theil der Salze abzuscheiden, den Zucker aber größtentheils zurückzubehalten, so daß man ihn dann zur Krystallisation bringen kann.

Aus folgenden von mir angestellten Versuchen, zu denen Hr. Dr. Hugo Schulz in Magdeburg das analytische Material geliefert hat, |45| dürfte der Einfluß erhellen, welchen verschiedene Temperaturen, die Dauer der Einwirkung und die Qualität des Papieres auf den Erfolg ausüben.

Die zu den Versuchen verwendete Melasse hatte folgende Zusammensetzung in 1000 Gewichtstheilen:

Wasser 180,0
Zucker 545,0
organische Nichtzuckerstoffe 163,4
Salze 111,6
–––––
1000,0

Bei gleicher Zeitdauer des Versuches (vier Stunden) und verschiedenen Temperaturen blieben, als durch die Dialyse nicht entfernt, von je 100 Theilen Zucker, organischer Nichtzuckerstoffe und Salze folgende Antheile zurück:.

Zucker. Organische
Nichtzuckerstoffe.
Salze.
Bei 16 bis 18°C. 90 Proc. 87,5 Proc. 82,1 Proc.
„ 38 bis 40°C. 79,3 „ 72,7 „ 66,3 „
„ 44 bis 46°C. 76 „ 71,6 „ 61,8 „
„ 60 bis 62°C 70 „ 48 „ 53 „

Bei verschiedenen Temperaturgraden und gleicher Zeitdauer werden daher abgeschieden von 100 Theilen:

Zucker. organischer
Nichtzuckerstoffe.
Salze.
16 bis 18°C. 8 Proc. 12,2 Proc. 17,9 Proc.
38 bis 40°C. 20,7 „ 26,8 „ 34 „
44 bis 46°C. 23,8 „ 28,2 „ 38,4 „
60 bis 62°C. 29,7 „ 51,3 „ 46,4 „

Aus diesen Versuchen geht unzweifelhaft hervor: 1) daß die Osmose bei der Erhöhung der Temperatur viel energischer wirkt; 2) daß die Dialyse nicht gleichmäßig auf alle Stoffe der Melasse (welche als eine verunreinigte Zuckerlösung zu betrachten ist) wirkt, sondern namentlich die Salze in großer Menge abgeschieden werden, und 3) daß bei den höheren Temperaturgraden (60 bis 62°) die organischen Nichtzuckerstoffe in bedeutender Menge osmogirt sind. Während nämlich bei 44 bis 46° |46| von 100 Th. organischer Nichtzuckerstoffe nur 28,2 Th. abgeschieden wurden, sind bei 60 bis 62° von denselben 51,3 Proc. osmogirt. Wenn diese auffallende Erscheinung nicht vereinzelt bleibt (und ich möchte hierauf die Aufmerksamkeit der Zymotechniker lenken), so würde dieselbe uns Aufklärung geben, weßhalb bei Robert's Diffusion bei 40°C. Temperatur Säfte von geringerem Gehalte an organischen Nichtzuckerstoffen erhalten werden, als bei der Maceration mit Wasser von 60 bis 66° unter sonst gleichen Umständen.

Immerhin ist aber die Salzosmogirung vorherrschend, denn während in der Melasse auf 1 Theil Salze 4,87 Theile Zucker kommen, ist das Verhältniß in der osmogirten Melasse:

bei 16–18°C. auf 1 Theil Salze = 5,6 Theile Zucker
„ 38–40°C. auf 1 Theil Salze = 5,8
„ 44–46°C. auf 1 Theil Salze = 6,0
„ 60–62°C. auf 1 Theil Salze = 6,4

Wenn nun in der Melasse durch 1 Theil Salze 4,87 Theile Zucker praktisch ungewinnbar wären, so wären per 1 Theil Salze nach vollbrachter Operation (6,4 – 4,87 =) 1,53 Theile Zucker frei zum Krystallisiren.

Verschiedene Zeitdauer bei gleichen Temperaturen (44–46°) ergab das folgende Resultat.

In 100 Theilen osmogirter Melasse blieben an Zucker, organischen Nichtzuckerstoffen und Salzen:

Dauer der Operation.

4 Stunden. 8 Stunden.
76,1 Proc. 55,9 Proc. Zucker,
76,1 „ 57,0 „ organische Nichtzuckerstoffe,
61,8 „ 39,4 „ Salze.

Dauer der Operation.

4 Stunden. 8 Stunden.
23,8 Proc. 44,0 Proc. Zucker,
28,2 „ 42,8 „ organische Nichtzuckerstoffe,
58,4 „ 60,8 „ Salze.
|47|

Die verschiedenen Sorten Papier üben ebenfalls einen nicht unbedeutenden Einfluß aus, daher die Fabrikanten eine geeignete Wahl desselben treffen müssen.

In der zu den betreffenden Versuchen verwendeten Melasse waren auf 100 Theile Zucker 20,1 Th. Salze und 30,18 Th. organische Nichtzuckerstoffe enthalten.

Bei gleicher Temperatur (44–46°) und gleicher Zeitdauer (4 Stunden) blieben in der osmogirten Melasse auf 100 Theile Zucker bei neun verschiedenen Papiersorten folgende Mengen von Salzen und organischen Nichtzuckerstoffen zurück:

Papiersorte. Salze. organische
Nichtzuckerstoffe.
1 14,4 26,1
2 14,2 25,2
3 14,1 26
4 14,4 26
5 14,4 26,8
6 14,9 27,3
7 15,8 25
8 15,5 27,12
9 16,5 28,3

Verschiedene Papiersorten liefern also in dem Dubrunfaut'schen Apparate ganz verschiedene Resultate.

Ich bemerke noch, daß in Wien jetzt Pergamentpapier gefertigt wird, welches aus zwei dünnen Blättern zusammengesetzt, eine größere Garantie gegen entstehende Löcher bietet.

|44|

Die Beschreibung dieses Verfahrens, mit beigegebener Zeichnung des Apparates, wurde aus der neuen Auflage von L. Walkhoff's praktischem Rübenzuckerfabrikant und Raffinadeur“ im polytechn. Journal Bd. CLXXXIV S. 149 mitgetheilt.

A. d. Red.

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