Titel: Inglis und Spencer, verbesserte Steuerung der Corliß-Maschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186, Nr. XVIII. (S. 82–84)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/ar186018

XVIII. Verbesserte Steuerung der Corliß-Maschine, von Inglis und Spencer.

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Die ursprüngliche Steuerung der Corliß-Maschine7) besteht bekanntlich aus folgenden Theilen: An beiden Enden des Dampfcylindersbefinden sich rechtwinklig gegen denselben gerichtete cylindrische Kammern, in welchen die die Vertheilung und die Absperrung bewirkenden Kreisschieber liegen, oben für den Eintritt, unten für den Austritt. Die Dampfwege bestehen in langen Schlitzen der Kammern, von denen die für den Eintritt unterhalb und die für den Austritt oberhalb ihrer Kreisschieber liegen, und die letzteren erhalten so viel schwingende Bewegung, daß sie die Schlitze abwechselnd verdecken und blos legen. Der hauptsächlichste Vortheil dieser Steuerung besteht darin, daß die Absperrung plötzlich erfolgt, sobald die erforderliche Menge Dampf in den Cylinder eingetreten ist, und daher der den gewöhnlichen Schiebern anhängende Uebelstand der allmählichen Verengung der Dampfwege beseitigt wird. Auch kann der Beginn der Expansionswirkung leicht vom Regulatorspiel |83| abhängig gemacht und so die Veränderlichkeit der Expansion in ein geeignetes Verhältniß zum Arbeitsaufwand gebracht werden.

An einer auf der Pariser Ausstellung befindlichen Maschine von Hick, Hargreaves und Comp. in Bolton ist diese Steuerung nach einem verbesserten System von Inglis und Spencer auf folgende Weise ausgeführt:

Seitlich über dem Dampfcylinder ist ein kleiner horizontaler Cylinder, dessen Achse parallel zur Achse des Dampfcylinders liegt und von dessen beiden Enden kleine, hohle Messingkolben ausgehen. Eine im Inneren dieses Cylinders liegende Schraubenfeder sucht die beiden Kolben im Cylinder zurückzuhalten. Die Stangen der Kolben sind nach beiden Richtungen hin durch Bleuelstangen mit den Hebeln a, b, c, Fig. 8, verbunden, deren Drehachse b zugleich die Drehachse des Kreisschiebers ist. Durch die Warze c ist das untere Ende des Hebels mit einer Stange verbunden, deren anderes Ende, ebenfalls wieder durch eine Warze d, mit der Steuerscheibe e verbunden ist; letztere empfängt durch die Warze f von dem Excentric und der Excentricstange eine in einem mäßigen Bogen schwingende Bewegung. Die Wirkung des Excentrics allein würde die Kreisschieber mit gleichmäßiger Bewegung abwechselnd schließen und öffnen, indem die Drehachsen derselben vermittelst der beschriebenen Mechanismen in eine schwingende Bewegung versetzt werden; die Kurbelstangen zwischen der Steuerscheibe und den Schieberhebeln enthalten aber, wie aus der Zeichnung deutlich hervorgeht, eine Auslösvorrichtung, durch welche der aus einer federnden Stahlgabel bestehende Theil der Stange bei einer gewissen Stelle des Kolbenhubes aus der Verbindung mit dem an den Schieberhebel sich anschließenden Theil der Stange ausgelöst wird. Die Stelle des Kolbenhubes, bei welcher die Auslösung vor sich geht, ist genau dieselbe, bei welcher die Expansionswirkung des Dampfes beginnen soll. Durch die Auslösung wird das untere Ende des Schieberhebels frei, daher das obere, welches mit dem unter der Einwirkung einer Schraubenfeder stehenden hohlen Kolben in Verbindung steht, durch die frei werdende Schraubenfeder zurückgezogen. Die Zeit der Auslösung wird durch den Regulator bestimmt, dessen Stange auf zwei kleine, unmittelbar über der Steuerscheibe liegende Hebel wirkt; diese Hebel, welche durch Zahnsectoren unter einander verbunden sind, wirken auf Daumenscheiben, welche die Stahlgabeln der Kurbelstangen zwischen den Schieberhebeln und der Steuerscheibe zur rechten Zeit öffnen.

Die Wirkung des Regulators besteht hiernach darin, die Entfernung der Daumenscheibenachse von der geometrischen Achse des Dampfcylinders zu verkleinern oder zu vergrößern und so die Zeitdauer, während welcher |84| das Excentric auf den Kreisschieberhebel wirkt und das Oeffnen des Schiebers fortsetzt, abkürzt oder verlängert In dem Augenblick, in welchem die Daumenscheibe in Thätigkeit tritt und die Schenkel der Gabel aus einander treibt, hört die Einwirkung des Excentrics auf den Schieber auf und derselbe folgt sofort der Einwirkung der Schraubenfeder, welche seinen Verschluß hervorbringt. Um den Stoß der hohlen Kolben, auf welche die Schraubenfeder wirkt, beim Rückgang zu schwächen, ist hinter ihnen eine Luftschicht gelassen, welche während des Kolbenrückganges durch eine sehr kleine Oeffnung ausgetrieben wird. Eine ähnliche Anordnung verhindert auch das plötzliche Zusammenfallen der Regulatorkugeln. Das Gewicht dieser Kugeln wird von dem einen Arme eines Hebels aufgenommen, dessen anderer Arm mit einem in einem Oelgefäße beweglichen Kolben in Verbindung steht; dieser Kolben enthält eine sehr kleine Oeffnung, durch welche das Oel nur in ganz geringer Menge über die obere Fläche des Kolbens treten kann, und senkt sich mithin sehr langsam, wodurch auch das Zusammenfallen der Kugeln verlangsamt wird. (Engineer, Mai 1867, S. 413; polytechnisches Centralblatt, 1867 S. 779.)

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Man s. die Beschreibung der Corliß-Maschine im polytechn. Journal, 1854, Bd. CXXXII S. 321.

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