Titel: Lunge, über Darstellung von Firnissen als Nebenproduct der Gastheer-Destillation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186, Nr. LI. (S. 232–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/ar186051

LI. Darstellung von Firnissen (Eisenlacken) als Nebenproduct der Gastheer-Destillation; von Dr. G. Lunge.26)

Ein ganz natürlich sich darbietendes Nebenproduct der Gastheer-Destillation sind Firnisse (Eisenlacke) gewisser Art, natürlich nur von |233| schwarzer Farbe. Sie werden sämmtlich in sehr einfacher Weise durch Schmelzen von Pech mit verschiedenen Destillationsproducten des Theeres dargestellt, verlangen also keine Zufuhr eines fremden Materiales, und bewegen sich ganz im Kreise der selbst gewonnenen Producte. Für ihre Fabrication braucht man nichts als einen offenen eisernen Kessel, welcher in einem bedeckten Locale aufgestellt ist, aber von außen her geheizt wird. Er kann von Gußeisen oder von Schmiedeeisen seyn, besser von dem letzteren, weil dann kein Springen desselben vorkommen kann, welches sehr feuergefährlich wäre; seine Form ist dann zweckmäßig die eines stehenden Cylinders mit schwach gewölbtem Boden. In dem Kessel wird nun zunächst die ganze zu verarbeitende Portion Pech eingeschmolzen, welche ihn etwa zu drei Vierteln füllen darf, indem man gleichzeitig ein wenig von dem zu verwendenden Oele zusetzt, was die Schmelzung des Peches sehr beschleunigt und sein baldiges Wiedererstarren hindert. Die Hitze wird aber trotzdem meist ziemlich hoch steigen, ehe alles Pech flüssig geworden ist, und es ist darum durchaus räthlich, erst wieder etwas abkühlen zu lassen, damit das zuzusetzende Oel nicht in's Kochen geräth; andererseits muß aber die Mischung noch vollkommen leichtflüssig bleiben. Man setzt also dann den Rest des zu verwendenden Oeles zu, und zwar ganz allmählich, indem jede einzelne Portion vollkommen in die Masse eingerührt wird; von Zeit zu Zeit nimmt man eine kleine Probe, welche man abkühlen läßt, um zu sehen, ob der Firniß schon die nöthige Consistenz erlangt hat.

Die gewöhnliche Sorte stellt man aus Pech und schwerem Oele dar, ganz in der eben angegebenen Weise. Doch kann man in diesem Falle, namentlich wenn man sehr große Quantitäten darstellen will, noch einfacher verfahren; man destillirt Theer (am besten in einer besonderen kleinen Blase, da die eigentlichen Theerblasen wohl immer zu groß für diesen Zweck seyn werden) so lange, bis das leichte Oel in das schwere überzugehen anfängt; dann hält man mit dem Feuern ein, läßt etwas abkühlen, öffnet das Mannloch, setzt noch eine hinreichende Quantität vorräthigen schweren Oeles hinzu, mischt gut durch und läßt noch ganz flüssig ab. Eine genaue Angabe über die nöthige Quantität zuzusetzenden Oeles läßt sich nicht gut machen, weil von verschiedenen Käufern verschiedene Flüssigkeitsgrade beliebt werden; eine leicht anzustellende Probe belehrt in jedem Falle darüber.

Dieser Firniß kommt natürlich ungemein billig zu stehen, in der That nicht theurer als der Theer selbst, da ja bei seiner Fabrication die werthvollsten Theerbestandtheile erst abgeschieden worden sind; aber er kann mit allem Rechte mindestens zu dem einfachen Preise des Theeres |234| verkauft werden, weil er um so viel werthvoller als dieser zu Anstrichen aller Art, auf Stein, Holz und namentlich auf Eisen ist. Er dringt nämlich weit schneller und tiefer in Holz und Stein ein, als roher und selbst gekochter Theer, und trocknet auch bei weitem schneller; diese letztere Eigenschaft gibt ihm selbst noch einen Vorzug vor dem Holztheer (Stockholm-Theer). Auf Eisenwaaren, wo natürlich roher Theer wegen des das Rosten befördernden Ammoniakgehaltes gar nicht anwendbar ist, ist er auch dem gekochten Theer bei weitem vorzuziehen, da er nicht nur unvergleichlich schneller, sondern auch immer ohne Risse eintrocknet und einen schönen glänzenden Ueberzug bildet. Die Zeit, welche er zum vollständigen Trocknen braucht, wechselt je nach der Witterung von 24 Stunden bis zu 2 Tagen. Da der Ueberzug, welchen er bildet, eine gewisse Dicke hat, so ist er nur für grobe Eisenwaaren verwendbar, aber für diese ganz ausgezeichnet.

Eine feinere Sorte erhält man, wenn man das Pech mit leichtem Oele schmilzt, ganz wie es oben im Allgemeinen angegeben worden ist; man nimmt hierzu nicht das leichte Oel von den Theerblasen, sondern die letzten Portionen des aus der Leichtölblase abdestillirenden Oeles, welches mithin seine werthvolleren Theile schon abgegeben hat. Dieser Firniß gibt eine glänzendere und glattere Oberfläche als der vorige und bildet einen viel dünneren Ueberzug; seine Trockenzeit ist vier bis sechs Stunden. Er ist schon für feinere Eisenwaaren verwendbar.

Endlich kann man noch schneller trocknende und dünner liegende Firnisse in allen Graden erhalten, wenn man einen Theil des leichten Oeles durch Naphta ersetzt; man kann dazu die schlechteste Naphta nehmen. Regel ist dabei, zuerst alles zu verwendende leichte Oel in das Pech hineinzuarbeiten, und dann erst die Naphta zuzusetzen, indem man das Gemisch noch so warm bleiben läßt, als es mit der Flüchtigkeit der Naphta verträglich ist. Außerdem ist sehr fleißiges Rühren für längere Zeit nothwendig, da sich die Naphta dem Firniß nicht so leicht einverleiben läßt, wie die schwereren Oele; es kann sonst vorkommen, daß sich der Firniß in einen schweren Bodensatz und darauf schwimmende Naphta trennt. Man kann es mit Hülfe selbst so ordinärer Naphta leicht dahin bringen, einen in einer Stunde, ja selbst in einer Viertelstunde trocknenden Eisenlack herzustellen, welcher für alle Eisenwaaren verwendbar ist, wo seine schwarze Farbe nicht schadet.

Alle drei Sorten haben die angenehme Eigenschaft, ungemein fest am Eisen zu haften und nach dem Trocknen eine ziemliche Härte zu erlangen; auch geben sie, besonders die besseren Sorten, einen Ueberzug von großer Glätte und starkem Glanze.

Aus dem kürzlich erschienenen Werke: „Die Destillation des Steinkohlentheeres und die Verarbeitung der damit zusammenhängenden Nebenproducte; von Dr. Georg Lunge. Braunschweig, Verlag von Friedrich Vieweg u. Sohn, 1867.“

In dieser Schrift behandelt der Verf. eine derartige Verarbeitung des Steinkohlentheeres, daß alle seine Bestandtheile möglichst nutzbringend verwerthet werden, und theilt darin rückhaltlos die Beobachtungen und Erfahrungen mit, welche er während der Leitung einer großen englischen Gastheerdestillation zu machen Gelegenheit hatte. Wir empfehlen diese, die wirkliche Fabrikpraxis beschreibende Monographie dem betreffenden technischen Publicum auf das Wärmste, da die Einzelheiten der jetzt im Großen beobachteten Verfahrungsweisen bei der Verarbeitung des Steinkohlentheeres noch nicht veröffentlicht worden sind.

A. d. Red.

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