Titel: Empfehlenswerthe Combinationen Volta'scher Elemente; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 1 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi01_1

Empfehlenswerthe Combinationen Volta'scher Elemente; von Prof. Böttger.

Folgende, schon vor längerer Zeit von mir construirte Batterie ohne Thonzellen, zum Betriebe von elektrischen Hausschellen, von elektromagnetischen Schlittenapparaten für physiologische Zwecke u.s.w., überhaupt für alle diejenigen Zwecke geeignet, bei welchen es nicht darauf ankommt, die Batterie perpetuirlich geschlossen zu halten, vereinigt alle Vorzüge, die man von einem möglichst lange constant bleibenden Apparate der Art nur verlangen kann. Zu dem Ende stelle man in Glas- oder Steingutgefäße dicke cylindrisch gebogene amalgamirte Zinkbleche, in's Centrum dieser Zinkbleche senkrecht einen massiven 1 bis 2 Zoll dicken Stab gut leitender Retorten- oder sogenannter Gaskohle, fülle hierauf den ganzen Zwischenraum zwischen Retortenkohle und Zinkblechcylinder, die sich nirgends berühren dürfen, mit einem Gemisch von gleichen Raumtheilen fein gepulverten Kochsalzes und schwefelsaurer Magnesia (Bittersalz) an, befeuchte das etwas fest gestampfte Salzgemisch mit einer concentrirten Lösung der genannten Salze und verbinde dann auf bekannte Weise die Retortenkohle des einen Elementes mit dem Zinkbleche des nächstfolgenden. Besonders lasse man sich hierbei die sorgfältigste Verbindung des als Leiter dienenden Kupferdrahtes mit der Retortenkohle angelegen seyn. Eine so construirte, aus nur wenigen Elementen bestehende Batterie erweist sich zu den vorhin genannten Zwecken außerordentlich lange vollkommen wirksam, vorausgesetzt, daß das Salzgemisch erforderlichen Falles von Zeit zu Zeit angefeuchtet wird.

Zu Vorlesungsversuchen, sey es in Hörsälen auf Universitäten oder in Schulen, empfehle ich folgende von mir vielfach erprobte außerordentlich kräftig wirkende Batterie, die sich durch ihre große Einfachheit, durch leichte Instandsetzung, durch Unzerbrechlichkeit ihrer einzelnen Theile, und besonders dadurch auszeichnet, daß sich selbst bei ihrem Geschlossensein, resp. während ihres Gebrauches, kein Gas entwickelt, bei der man ferner der zerbrechlichen Thonzellen überhoben ist und man außerdem mit keinem Säuregemisch dabei zu thun hat. Man lasse sich zu dem Ende aus guter, nicht zu poröser Retortenkohle cylinderförmige dickwandige Gefäße (Becher) drehen von circa 8 Zoll Höhe, 1/2 Zoll Wandstärke und 2 l/2 bis 3 Zoll innerer Weite, die an ihrem oberen Ende rings herum mit einer circa. 1 Linie tiefen Rinne versehen sind, um welche ein starker Kupferdraht als Leiter fest geschlungen wird. Diese Kohlenbecher (welche ich an der Außenseite mit einem aus Asphalt und Benzol bereiteten Firniß anzustreichen Pflege) füllt man bis etwa zu 3/4 mit einem gleichen Volumen schwefelsaurem Eisenoxyd und gewöhnlichem Wasser, rührt beides ein wenig durcheinander und verschließt die Becher dann mittelst eines gewöhnlichen, im Centrum durchbohrten Korkes, durch dessen Oeffnung man einen gut amalgamirten massiven, circa 1 Zoll dicken, oben mit einer Klemmschraube versehenen Zinkcylinder möglichst tief in den Becher hinabschiebt, jedoch so, daß er weder mit dem Boden, noch mit den Seitenwänden des Kohlenbechers in Berührung kommt, was sehr leicht dadurch erzielt wird, daß man den Zinkblock an seinem oberen Ende mit Siegellack ein für allemal im Centrum des Korkes passend festkittet. Eine concentrirte wässerige Lösung |75| von schwefelsaurem Eisenoxyd hat sich mir als eine so außerordentlich wirksame stromerregende Flüssigkeit zu erkennen gegeben, daß 3 damit gefüllte Becher von der angegebenen Größe und mit je einem Zinkblock von nur 6 Quadratzoll wirksamer Oberfläche hinreichen, einen Ruhmkorff'schen Inductionsapparat mittlerer Größe kräftig zu erregen. Die Wirksamkeit dieser Elemente dauert so lange an, bis das Oxydsalz zersetzt, resp. in schwefelsaures Eisenoxydul verwandelt ist. Man hat, um eine derartige Batterie stets zur Disposition, zu haben, nur nöthig, nach jedesmaligem Collegienversuche die massiven Zinkblöcke aus den Kohlenbechern herauszuheben, mit Wasser abzuspülen und aufzubewahren, während die Kohlenbecher mit der Salzsolution stets gefüllt bleiben.

Füllt man die Kohlenbecher statt mit dem genannten Eisenoxydsalze, vielmehr mit durch etwas Wasser angerührtem schwefelsaurem Quecksilberoxydul (nicht schwefelsaurem Quecksilberoxyd) an, so erhält man Elemente, zwar von etwas schwächerer – aber von weit andauernderer Wirksamkeit.6) Bei Elementen dieser letzteren Art braucht der Zinkblock selbstverständlich nicht amalgamirt und auch niemals aus dem Quecksilberoxydulsalze entfernt zu werden, indem nur beim jedesmaligen Geschlossenwerden, dagegen niemals im geöffneten Zustande eine Kette der Art an Erregungsmaterial einbüßt. Aus diesem Grunde dürften solche Elemente besonders zur Inbetriebsetzung von elektrischen Hausschellen und von elektrischen Läutewerken aller Art sehr zu empfehlen und wohl geeignet seyn, alle seither zu solchen Zwecken in Anwendung gebrachten Elemente zu verdrängen. (Jahresbericht des physikalischen Vereins in Frankfurt a. M. für 1865–1866)

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Diese Combination ist die gegenwärtig häufig in Gebrauch stehende Marié-Davy'sche (s. polytechn. Journal Bd. CLXXXI S. 170).

A. d. Red.

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