Titel: Ueber sogenannte sensitive Flammen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 3 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi01_3

Ueber sogenannte sensitive Flammen.

In England erregt unter dem Namen der sensitiven Flamme folgendes neue Experiment großes Interesse: Eine schmale Gasflamme aus einem gewöhnlichen Stahlbrenner zeigt ein höchst überraschendes Verhalten, wenn sie durch gesteigerten Gasdruck zu einer Höhe von 14 bis 16 Zoll emporgetrieben wird. Sie äußert dann für hohe Töne und scharfe Geräusche eine so subtile Empfindlichkeit, wie man sie bei anderen, Wärme, Elektricität u.s.w. anzeigenden Instrumenten nur immer wünschen könnte. Läßt man in ihrer Nähe oder auch aus ziemlicher Ferne eine schrille Pfeife ertönen, so verkürzt sich die Flamme augenblicklich auf die Hälfte ihrer Länge und steigt, sobald der Ton aufhört, ebenso augenblicklich zur früheren Höhe empor. Ganz in gleicher Weise wirken Hammerschläge, besonders auf eine metallene Unterlage, Glockentöne u.s.w. Die Geige afficirt in der Tief- und Mittellage die Flamme nicht, desto energischer aber durch die Töne der Quinte, bei denen der Strahl urplötzlich zu einer kurzen, buschigen, höchst unruhigen Flamme zusammensinkt. Eine andere Flamme von 20 Zoll Höhe zeigte sich noch weit sensitiver; sie markirte deutlich durch Einschrumpfen bis zur halben Höhe und darunter, in einzelnen Fällen auch nur durch heftige Unruhe, jedes kleine Geräusch, wie das Rauschen eines Seidenkleides, das Knarren von Stiefeln, das Fallen einer kleinen Münze, das Anschlagen eines Regentropfens an das Fenster u.s.w. Von dem Vocal U der menschlichen Stimme nimmt die Flamme keine Notiz, das O bringt sie zum Schwanken, das J zum heftigen Schwanken, vor dem S-Laut aber bricht sie sofort in einen wirr bewegten Feuerklumpen zusammen. (Industrie-Blätter, 1867 S. 92.)

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