Titel: Verfahren zur Abrindung von Baumstämmen, von Jos. Maitre in Chatillons sur Seine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 6 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi01_6

Verfahren zur Abrindung von Baumstämmen, von Jos. Maitre in Chatillons sur Seine.

Seit längerer Zeit benutzt Jos. Maitre in Chatillons sur Seine, um Baumstämme, namentlich Eichen, zum Abrinden vorzubereiten, ein Verfahren, das auf die Einwirkung von Dampf auf die Rinde gegründet und in Frankreich, England, verschiedenen deutschen Staaten etc. patentirt ist. Dasselbe hat stets die besten Resultate ergeben, wenn nur das Holz sich in dem Alter und den Vegetationsverhältnissen befand, welche verkäufliche Rinde liefern; es läßt sich auf Holz anwenden, das außer der Saftzeit geschlagen ist, auch auf solches, das schon seit längerer Zeit geschlagen ist. Die Versuche ergaben, daß seine Verwendbarkeit erst bei Holz aufhörte, das bereits über 1/4 Jahr geschlagen war. Wie vorauszusehen war und wie die Erfahrung auf das Vollständigste bestätigt hat, leidet die Qualität der Rinde in keiner Beziehung durch Einwirkung des Dampfes.

Der angewendete Apparat besteht in seiner einfachsten Form aus einem verticalen Blechcylinder, in dem sich unten die Feuerung und darüber der Wasserbehälter, der eigentliche Kessel, befindet; von dem Deckel des Cylinders gehen zwei Rohre aus, durch welche der Dampf in zwei Behälter gelangt, in denen sich das zu entrindende Holz befindet. Wenn der Apparat in voller Thätigkeit ist, so genügen höchstens 40–50 Minuten, um die Entrindung von 1/2 Kubikmeter Brennholz vorzubereiten. Mit zwei solchen Apparaten arbeitet z.B. Amyot in Grancey jeden Winter seit zwei Jahren und liefert jährlich 1000–1200 Ctr. Rinde.

Vollkommener, aber nach gleichem Princip construirt, ist ein während der Pariser Ausstellung in Billancourt ausgestellter Apparat, der von Gagey, Seguin und Comp. in Dijon ausgeführt worden ist. Im unteren Theil desselben befindet sich die Feuerung mit rückkehrender Flamme, darüber der Wasserbehälter und darüber endlich ein hölzerner, mit Blech gefütterter Kasten mit 2 Abtheilungen, deren jede 1/2 Kubikmeter Holz faßt. Der Kasten ist von dem Wasserbehälter nur durch einen durchbrochenen Rahmen getrennt; doch ist im unteren Theil des Kastens ein Schieber von verzinktem Eisenblech angebracht, durch den die Verbindung zwischen dem Kessel und der einen oder andern Kammer beliebig unterbrochen werden kann. Das Speisewasser gelangt zuerst in einen Hohlcylinder, der den Schornstein umgibt, und wird hier vorgewärmt.

Maitre selbst hat in Billancourt einen Apparat aufgestellt, bei dem er den Dampf aus einer 8pferd. Locomobile entnimmt; aus dem Kessel derselben wird der Dampf durch 6 Röhren in 3 Kästen geleitet, deren jeder in 2 Abtheilungen geschieden ist. Zwei dieser Kästen sind von Holz und mit Blech ausgefüttert, und jede Abtheilung faßt 1/2 Kubikmeter; das Holz wird darin durch Dampf von 4–5 Atmosphären binnen |78| 15 Minuten zum Entrinden zubereitet und würde sich die Operation noch in weit weniger Zeit ausführen lassen. Ein dritter Kasten, ebenfalls von Holz und mit Blech ausgefüttert, ist 4,2 Met. lang, 0,5 Met. hoch und 0,6 breit; er wird mit gleich langen Ruthen von Linden-, Buchen- und Eichenholz und einigen Scheiten Kastanienholz gefüllt. Nachdem 17 Minuten lang durch ein Rohr von 20 Millimet. Durchmesser Dampf eingeleitet worden ist, läßt sich die Rinde von sämmtlichem Holz ganz leicht abschälen. In 15 Minuten entrinden 3 Arbeiter mit größter Leichtigkeit sämmtliches Holz, das in einer Kastenabtheilung von 1/2 Kubikmeter Inhalt zubereitet worden ist. Die Zubereitung läßt sich mit Niederdruckdampf ganz gut in 15 Minuten, mit Hochdruckdampf in der halben Zeit ausführen. Das Abrinden scheint am vortheilhaftesten während der ersten 8–10 Minuten, nachdem das Holz aus dem Kasten genommen worden ist, ausgeführt werden zu können.

Das Verfahren dürfte sich am besten für gewöhnliches Brennholz eignen, das am häufigsten außer der Saftzeit geschlagen wird und in der größten Menge in den Handel kommt. Wir erwähnen schließlich, daß sämmtliche Patente Maitre's, außer dem französischen, von einer französisch-belgischen Gesellschaft angekauft worden sind, an welche sich u.a. bereits sächsische Papierfabrikanten wegen Benutzung des Verfahrens gewendet haben sollen. (Deutsche Industriezeitung, 1867, Nr, 37.)

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