Titel: Der amerikanische Röhrenbrunnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 1 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi02_1

Der amerikanische Röhrenbrunnen.

Kürzlich ist ein in Amerika erfundenes Brunnen-Abteufungssystem in Manchester probirt worden. Der Brunnenschacht wird von einem eisernen, 1 1/4 Zoll im Durchmesser haltenden, etwa 12 Fuß langen, am unteren Ende spitz zulaufenden Rohre gebildet, welches von der Spitze aus bis etwa 16 Zoll hinauf mit Löchern versehen ist. Das Rohr wird von einer beweglichen eisernen Wange umfaßt, auf welche, nach dem Principe des Einrammens von Pfählen, ein 56 Pfund schweres hohles Gewicht hinabfällt; auf diese Weise wird das Rohr in den Boden eingetrieben. Durch die Oeffnungen am unteren Ende tritt zuerst Erde, Sand etc. ein und nachdem diese ausgeräumt sind, bildet der vorhandene, an das Rohr sich andruckende Kies etc. ein natürliches Filter. Ein solcher Brunnen hat den Vorzug, daß atmosphärisches Wasser von der Oberfläche nicht eindringen kann; das in ihm enthaltene Wasser bleibt stets kalt und frisch. Beim Abteufen wird man weder durch Schmand, noch durch schädliche Gase, noch durch Nachfall von den Stößen her belästigt; außerdem zeichnet sich dieses System, neben sehr rascher Ausführbarkeit der Arbeit, durch seine Billigkeit aus, indem das Absinken eines 15 Fuß tiefen Brunnens nicht höher als 5 Pfd. Sterl. (33 1/3 Thlr.) zu stehen kommt. Namentlich dürften solche Brunnen für Landwirthe zu empfehlen seyn. Stößt man auf anstehendes Gestein, so wird die Sache natürlich theurer; es muß dann vor dem Einziehen des Rohres erst ein Bohrloch abgebohrt werden. Bei dem in Manchester abgeführten Versuche wurde binnen fünf Minuten nach dem Beginne der Arbeit Wasser erschroten und nach Verlauf von zweiundzwanzig Minuten war eine Teufe von 10 Fuß erreicht worden; darauf ward die Pumpe aufgesetzt und ein tüchtiger Ausguß Wasser gefördert. Wie wir hören, ist ein solcher 15 Fuß tiefer Brunnen auch in dem (Londoner) botanischen Garten angelegt worden; die ganze Arbeit nahm eine Zeit von nur einer einzigen Stunde in Anspruch und es wurde ein Wasser |153| von vortrefflicher Beschaffenheit erschroten. – Der (in unserer Quelle nicht genannte) Erfinder begleitete im letzten Kriege die amerikanische Nordarmee und war fast überall im Stande, den Soldaten gutes Wasser zu liefern. In den Vereinigten Staaten hat er eine bedeutende Anzahl von solchen Brunnen angelegt; einer derselben, in Ithaka (Staat New-York), soll 120 Fuß tief seyn. (Mechanics' Magazine, September 1867, S. 166.)

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