Titel: Ueber ein im Handel vorkommendes Aetzpulver für Metalle; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 6 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi02_6

Ueber ein im Handel vorkommendes Aetzpulver für Metalle; von Prof. Böttger.

Auf einer der früheren Frankfurter Messen ward ein Pulver zum Netzen verschiedener Metalle feilgeboten, welches dazu dienen sollte, in vertiefter Manier auf Gegenständen von Zink, Stahl und Eisen Namenszüge u. dergl. anzubringen. Zu dem Ende sollte man die betreffenden Gegenstände schwach erwärmen, mit einem dünnen Ueberzuge von Wachs versehen, hierauf mittelst eines zugespitzten Stahl- oder Eisenstiftes die gewünschten Schriftzüge in die Wachsschicht eingraviren, die beschriebenen Stellen dann mit jenem Pulver bedecken und dieses Pulver schließlich mit etwas Wasser oder Essig benetzen. In wenig Minuten finde man dann nach Entfernung der Wachsschicht die Schriftzüge in das Metall eingeätzt.

Fragliches Pulver hat sich nach einer damit angestellten chemischen Untersuchung als ein Gemisch von fein gepulvertem Kupfervitriol und Eisenoxyd zu erkennen gegeben, und zwar bestehend aus 1 Theil Kupfervitriol und 4 Theilen Eisenoxyd. Jeder Kenner sieht auf den ersten Blick, daß das eigentlich Wirksame in diesem Gemisch der Kupfervitriol ist, das Eisenoxyd dagegen als völlig indifferent, nur als Deckmittel functionirt, zum Schütze vor allenfallsiger Nachahmung. Abgesehen davon nun, daß mit diesem Aetzpulver der Zweck des Metallätzens nur in höchst mangelhafter Weise erreicht wird und daß weit wirksamere Mittel dazu längst allgemein bekannt |157| sind, so erscheint der Verkauf dieses unter pomphaften Anpreisungen feil gebotenen Pulvers wieder als ein Beispiel, welches keinen anderen Zweck hat als dem Publicum auf eine scheinbar anständige Weise das Geld abzunehmen. Ein Schächtelchen dieses Aetzpulvers, dem Gewichte nach kaum 2 Loth betragend, ward nämlich mit 12 Kreuzer feil geboten, während sein wahrer Werth, hoch angeschlagen, kaum einen halben Kreuzer beträgt. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1867, Nr. 19.)

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