Titel: Der Morphintrockenproceß für Photographen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 8 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi02_8

Der Morphintrockenproceß für Photographen.

Simpson sagt von dem neuen Morphintrockenproceß: Es ist das einfachste Trockenverfahren, welches wir kennen, dazu empfindlich und zuverlässig in seinen Resultaten, wie kein zweites. Die Haltbarkeit der Platten kann freilich erst durch längere Erfahrung festgestellt werden, wir haben Morphinplatten 14 Tage aufbewahrt und keine andere Veränderung bemerkt als einen geringen Verlust an Empfindlichkeit.

Für den Proceß ist jedes Collodium und Bad brauchbar, welches im nassen Verfahren gute Dienste leistet. Die Morphinplatten können mit reiner, alkalischer oder saurer Pyrogalluslösung, ebenso mit Eisen entwickelt werden, reißen nicht leicht und geben weiche Negative.

Ueberziehen der Platten mit Gelatine oder etwas Aehnlichem ist nicht nöthig. Man überzieht Glasplatten mit einem guten bromreichen Collodium, sensibilisirt in einem ganz schwach sauren Bade 1 : 12, wäscht etwas mit destillirtem, dann tüchtig mit gewöhnlichem Wasser, nachher überzieht man sie mit Morphin.

Man löst 1 Gran essigsaures Morphin in 1 Unze Wasser und übergießt damit 3 bis 4mal die Platte. Die überflüssige Lösung läßt man in die Flasche zurücklaufen. Die Platte trocknet bald und ist dann fertig.

Man sieht hieraus, daß die Sache ziemlich einfach ist.

Eine frische Platte erfordert' nur eine sehr wenig längere Exposition als eine nasse Platte, höchstens das Doppelte. Bartolomew, der Erfinder des Processes, empfiehlt Gelatine-Eisenlösung als Entwickler, Simpson nahm dazu folgende Lösung;

20 Gran Eisenvitriol.
30 „ Candiszucker,
1 Unze Wasser.

Dieser Entwickler wird auf die Platte gegossen, er bringt nach wenigen Minuten ein schwaches Bild heraus. Man fügt dann etwas Essigsäure und eine zehngränige Silbernitratlösung dazu, und entwickelt weiter. In derselben Weise wird das Bild verstärkt.

Etwas abweichend von dieser Operationsmanier Simpson's ist die von Prof. Towler. Dieser empfiehlt folgende Recepte:

1. Ammoniaklösung.

Kohlensaures Ammon 1 Drachme,
destillirtes Wasser 1 Unze.

In diese Lösung wird die exponirte Platte kurze Zeit getaucht.

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2. Entwickler.

Man fügt zu je einer Drachme der Lösung Nr. 1 zwei Tropfen einer Lösung von einem Theil Pyrogallussäure in zehn Theilen Alkohol. Diesen Entwickler gießt man über die Platte. Das Bild erscheint sofort. Es ist nicht nöthig den Entwickler lange auf der Platte zu lassen. Man lasse ihn abtropfen und wasche, dann kann man sofort verstärken.

Hr. Towler empfiehlt dazu einen Nitrogelatineentwickler, doch ist jedenfalls ein anderer für Trockenplatten geeigneter Verstärker ebenso gut zu gebrauchen. (Berliner photographische Mittheilungen, September 1867, S. 153.)

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