Titel: Verfahren zur Umwandlung der flüssigen Oleinsäure in starre oder feste Palmitinsäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 13 (S. 246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi03_13

Verfahren zur Umwandlung der flüssigen Oleinsäure in starre oder feste Palmitinsäure.

Eine allerdings nicht als neu zu bezeichnende Entdeckung hat kürzlich eine wichtige praktische Verwerthung gefunden. Varrentrapp beobachtete nämlich schon vor mehreren Jahren, daß Oleinsäure, wenn sie mit Aetzkali behandelt wird, sich zum großen Theil in Palmitinsäure, das starre Fett des Palmöls, verwandelt, welches zur Fabrication von harten Kerzen benutzt wird. Das Palmöl enthält ungefähr 40 Proc. starres und 60 Proc. flüssiges Fett, und bei dem weit größeren Handelswerth des ersteren würde eine wohlfeilere Methode zur Umwandlung des flüssigen in das starre Fett von bedeutender Wichtigkeit seyn. Ob das vor Kurzem in Frankreich dem Hrn. Paraf Javal patentirte Verfahren den für einen günstigen commerciellen Erfolg erforderlichen Bedingungen völlig zu entsprechen im Stande ist, darüber vermögen wir nicht zu entscheiden; wir verzeichnen dasselbe jedoch gern als interessante praktische Anwendung einer wissenschaftlichen Entdeckung.

Bei der fabrikmäßigen Ausführung des Varrentrapp'schen Processes erhitzt der Erfinder 1 Th. Oleinsäure mit 2 bis 3 Th. Aetzkali, wobei sich unter Aufschwellen und Aufblähen der Masse eine ziemlich erhebliche Menge Wasserstoffgas entwickelt. Nach einiger Zeit sinkt die aufgeblähte Masse plötzlich wieder zusammen, ein Zeichen, daß die Umwandlung vollständig stattgefunden hat. Bei dieser Umwandlung oder Zersetzung spaltet sich die Oleinsäure in Essigsäure und Palmitinsäure, und somit bildet die erhaltene Masse ein Gemenge von einer Seife (palmitinsaurem Kali) mit essigsaurem Kali und freiem Kali. Da die Seife in einer starken Alkalisolution löslich ist, so wird allmählich Wasser zugesetzt, bis sie sich ausscheidet, worauf sie von der Mutterlauge getrennt werden kann. Um diese Seife frei von überschüssigem Alkali zu erhalten, wird sie in Wasser gelöst und mittelst einer concentrirten Kochsalzlösung niedergeschlagen (ausgesalzen), eine Operation, welche durch die Anwendung von Carré's Refrigerationsapparat befördert wird. Dann wird die Seife zur Abscheidung der Palmitinsäure mittelst einer Mineralsäure zersetzt; die erhaltene Palmitinsäure wird nöthigenfalls durch eine Destillation gereinigt. Die vorhin erwähnte Mutterlauge besteht selbstverständlich aus einer Lösung von essigsaurem Kali und freiem Kali; letzteres, sowie das Kali des Essigsäuresalzes kann durch Eliminirung dieser Säure wiedergewonnen und bei einer neuen Operation benutzt werden. – Schließlich ist noch zu bemerken, daß nach der Angabe des Erfinders anstatt des Kalis auch Natron angewendet werden kann. (Mechanics' Magazine, September 1867, S. 178.)

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