Titel: Erkennungsmittel für ächten Kirschbranntwein; von O. Desaga.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 14 (S. 246–247)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi03_14
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Erkennungsmittel für ächten Kirschbranntwein; von O. Desaga.

Von dem im Handel vorkommenden Kirschbranntwein unterscheiden sich gegenwärtig zweierlei Qualitäten, das aus den gegohrenen Waldkirschen dargestellte und das aus den gewöhnlichen Kirschen erhaltene Destillationsproduct. Die erstere Qualität, welche sich durch einen eigenthümlichen köstlichen Geschmack, der evident dem besonderen Einfluß der Bodenbeschaffenheit zugeschrieben werden muß, auszeichnet, wird viel theurer bezahlt als die zweite. Keine Handelssubstanz wird so vielfachen Fälschungen unterworfen, als gerade diese. Es gibt sogenannte Destillateurs, welche das Kirschenwasser durch einfache Maceration zerstoßener Kirschensteine mit Weingeist zubereiten; wieder Andere, die demselben ganz einfach eine alkoholische Lösung von ätherischem Bittermandelöl oder auch Kernöl substituiren; Andere endlich, welche, etwas gewissenhafter, sich damit begnügen, dem ächten Kirschenwasser eine gewisse Quantität gewöhnlichen Weingeistes zuzusetzen.

Es existirt jedoch ein einfaches Mittel, ein unfehlbares Verfahren, um das ächte Kirschwasser von dem unächten augenblicklich zu unterscheiden. Man gibt in ein Liqueurgläschen eine Messerspitze voll geraspeltes Guajakholz, welches in jeder Apotheke zu haben ist, und fügt demselben eine kleine Quantität des zu untersuchenden Kirschbranntweins hinzu. Ist derselbe ächt, so entsteht nach einigem Schütteln beinahe augenblicklich eine schön indigoblaue Färbung, welche erst nach einer Stunde vollkommen verschwindet.

Das mit Weingeist vermischte Kirschwasser nimmt eine schwach hellblaue Färbung an, die von bedeutend kürzerer Dauer ist, als beim reinen Product.

Pseudokirschwasser, welches man vermittelst Bittermandelöl, Kirschlorbeerwasser oder auch durch Maceration von zerstoßenen Kirschkernen mit Alkohol bereitet hat, erzeugt mit Guajakholz eine gelbliche Tinte – von einer blauen Färbung jedoch keine Spur.

Da der mit zerstoßenen Kirschenkernen macerirte Alkohol durch Zusatz von Guajakholz die erwähnte Färbung nicht annimmt, so scheint durch die, bei der Destillation des Kirschbranntweins benöthigte Wärmeanwendung ein neuer oxydirend wirkender Körper zu entstehen, welcher durch seine Einwirkung auf den complexen in dem Guajakholz enthaltenen Harzstoff (Guajakharz, Guajakharzsäure, Guajakonsäure, Guajacilsäure) die blaue Farbe erzeugt.

Will man das Ergebniß der eben bezeichneten und Jedermann zugänglichen chemischen Reaction vermittelst nachträglicher Probe controliren, so vermenge man in einem weithalsigen Fläschchen eine gewisse Quantität Kirschbranntwein mit Olivenöl. Diese Mischung werde während wenigstens 12 Stunden in inniger Berührung gelassen und dabei Sorge getragen, das Ganze von Zeit zu Zeit tüchtig umzuschütteln. Man gießt hierauf vorsichtig das Oel ab, welches noch einigen Minuten ruhigen Stehens obenauf schwimmt; ist es geruchlos, so ist der Kirschgeist rein, denn das wesentlich flüchtige Princip, welches sich durch die Destillation innig mit dem Product verbindet, trennt sich unter keinen Umständen von demselben.

Das unächte Kirschwasser im Gegentheil, welches bloß durch einfache Mischung dargestellt ist, gibt sein riechendes Princip dem Olivenöl ab, wovon man sich nach dem Abgießen leicht überzeugen kann. (Badisches Wochenblatt für Landwirthschaft, 1867 S. 188.)

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