Titel: Ueber die Wirkung des schwefelsauren Natrons auf die Hornhaut des Auges.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 15 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi03_15

Ueber die Wirkung des schwefelsauren Natrons auf die Hornhaut des Auges.

Die Cornea, die den Augapfel an seiner Vorderseite bedeckende Hornhaut bekommt nicht selten und in Folge verschiedener Ursachen, weiße oder gelblichweiße undurchsichtige Flecken, welche sich, wenn sie vernachlässigt werden, vergrößern und die Sehkraft mehr oder weniger beeinträchtigen, ja zuweilen gänzliche Blindheit herbeiführen. Gegen dieses Uebel sind mancherlei Mittel angerathen worden; so Höllenstein, wenn der Fleck klein ist, ein wesentlicher Umstand, nicht weil die Cornea selbst gefährdet wird, denn diese ist gegen das Aetzmittel durchaus unempfindlich, sondern weil die Bindehaut des Augenlides durch die Berührung mit der geätzten Hornhaut, falls die touchirte Fläche groß, und nicht sogleich Wasser zur Hand ist, leicht leiden kann. Ferner werden Zinkpräparate |248| und verschiedene alkoholische Flüssigkeiten in derartigen Fällen manchmal mit Vortheil angewendet.

Indessen klagt Dr. de Luca in einem an die französische Akademie der Wissenschaften gerichteten Schreiben, daß es ihm in seiner langjährigen Praxis niemals möglich gewesen sey, durch die genannten Mittel derartige Flecken gänzlich zu beseitigen; ja, daß sogar dergleichen durch die Anwendung jener Mittel entstanden seyen, anstatt zu vergehen. Dieß war hauptsächlich der Fall mit Opium und tanninhaltigen Präparaten, indem dieselben die Eigenschaft besitzen, Eiweißsubstanzen zu coaguliren und ihrer Durchsichtigkeit zu berauben. Nach manchen fruchtlosen Versuchen gerieth de Luca auf die Anwendung von schwefelsaurem Natron, welches die Eigenschaft besitzt, das Fibrin des Blutes in Lösung oder in flüssigem Zustande zu erhalten. Demzufolge ließ er eine concentrirte wässerige Lösung dieses Salzes tropfenweise auf den tranken Augapfel fallen und wiederholte dieses Verfahren täglich. Schon nach Verlauf mehrerer Tage wurden die Flecken kleiner; doch schien dieß Verfahren zu langwierig, weßhalb de Luca das Salz in Form eines äußerst feinen Pulvers anzuwenden beschloß. Zu diesem Zwecke wurde der Kopf des Kranken in horizontale Lage gebracht und eine geringe Menge des Pulvers auf den Augapfel gestreut, so daß es von den Augenflüssigkeiten selbst gelöst wurde. Dieses Verfahren bewährte sich durchaus; Patienten, die vor Anwendung des Pulvers gar nicht sehen konnten, vermochten nach mehrtägigem Gebrauche desselben Gegenstände unbestimmt zu unterscheiden und waren nach einiger Zeit gänzlich wieder hergestellt. (Mechanics' Magazine, Juli 1867, S. 39.)

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