Titel: Die neueste Glocken-Montirung, von J. Potzdech in Pesth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 2 (S. 240–241)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi03_2

Die neueste Glocken-Montirung, von J. Potzdech in Pesth.

Die auf der Pariser Ausstellung befindliche, nach dem neuen Systeme montirte Glocke ist mit einem eisernen Glockenhelm und hohen Helmpratzen versehen. Von den nach der alten Art gegossenen Glocken werden die Kronen oder die sogenannten Glockenohren abgenommen, und anstatt diesen metallene Scheiben-Kronen angebracht. Beim Gießen neuer Glocken wird die Scheibe in einem Stück mit der Glocke gegossen. – Der wesentliche Vortheil dieser Scheibe besteht darin, daß die Glocke 12–24 Mal gedreht werden kann. Wenn nämlich der Schwengel die Glocke an einem Orte abgenutzt hat, kann er an eine andere Stelle anschlagen. Die Glocke wird bei jeder Wendung mit einem Schraubenschuber gesperrt, damit sie die gewonnene Stelle nicht verlassen kann. Es ist klar, daß, da die Glocke 12–24 Mal gedreht, werden kann, dieselbe auch 12–24 Mal länger dauert, und da sie auf allen Seiten einförmig abgenutzt wird, behält sie immer ihren reinen und natürlichen Klang. In einer gewissen Zeit schlägt die Glocke an den Schwengel um 1/5 Theil weniger als nach der alten Methode; z.B. eine 50 Centner-Glocke macht in einer Viertelstunde nach der alten Art 750 Schläge, hingegen nach der neuen in derselben Zeit nur 600. Indem die Zahl der Schläge weniger ist, erzielt man, daß der Ton von der Glocke rein ausströmt. Die Glocke, nach der neuen Methode montirt, benöthigt um 1/8 Theil weniger Raum als nach der alten, und schwingt sich dennoch gehörig aus, weil die hohen Helmpratzen niedriger angebracht sind als bei der alten Art, und so fällt das Gewicht dem oberen Theile mehr zu, wodurch der obere Theil der Glocke beim Läuten zurückgezogen wird.

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Folglich können auch in engen Thürmen größere Glocken angebracht werden als nach der alten Art der Fall war. Beim Läuten der neumontirten Glocken ist nicht das geringste Schwanken an den Thurmmauern bemerkbar. Das Läuten der Glocke ist so leicht, daß nicht einmal 1/6 Theil der Kraft, welche bei der alten Montirung gebraucht wurde, benöthigt wird; z.B. zum Läuten einer 100 Centner schweren Glocke ist eines Mannes Kraft hinlänglich, wobei hingegen bei der alten Montirung 6–7 Mann erforderlich waren. In dem Falle, daß der Schwengelriemen abreißen sollte, fällt der Schwengel, in der Glocke immer senkrecht hängend, auch senkrecht, nicht aber auf die Seite der Läutenden, wie es bisher wohl vorgekommen ist.

Diese neue Glocken-Montirung wurde an folgenden Orten verwendet: in Klausenburg an fünf Glocken, im Großwardeiner Domkirchen-Thurme an vier, und daselbst im Thurme der dem Premontreischen Orden angehörigen Kirche an drei, in Debrezin an sieben, in Kaschau an einer, in Wien an fünf, in Neusohl auf dem Schloßthurme an einer, und dem Domkirchen-Thurme an drei etc. (Neue Gewerbeblätter aus Kurhessen.)

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