Titel: Ueber Luftverschlechterung in Wohnräumen durch künstliche Beleuchtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 5 (S. 242–243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi03_5

Ueber Luftverschlechterung in Wohnräumen durch künstliche Beleuchtung.

Hierüber hat Dr. Branislaw Zoch Versuche angestellt, über welche v. Gorup-Besanez im Journal für Gasbeleuchtung, 1867 S. 401, ausführlich berichtet. Die Versuche erstreckten sich auf Gas-, Petroleum- und Oelbeleuchtung und es wurde beobachtet, um wie viel der Kohlensäuregehalt der Luft in einem Zimmer bei einer gewissen Dauer der Beleuchtung zunahm. Berechnet man, um einen Vergleich zu ermöglichen, die Kohlensäurezunahme bei den drei Beleuchtungsarten auf den Raum von 100 Kubikmeter und eine Lichtstärke von 10 Normalflammen, so ergeben sich folgende Resultate für die absolute Zunahme des Kohlensäuregehaltes in der Luft:

Brenndauer. Kohlensäurezunahme in Procenten.
Für Petroleum. Für Leuchtgas. Für Oel.
1 Stunde 0,0929 0,0708 0,0537
2 „ 0,1456 0,1342 0,1038
3 „ 0,1779 0,1513 0,1190
4 „ 0,1811 0,1562 0,1229

Es entwickelt also bei gleicher Lichtstärke das Petroleum noch mehr Kohlensäure als Leuchtgas und dieses mehr als Oel; bei Petroleumbeleuchtung wurde bei einer Zunahme der Kohlensäure von 0,1779 Proc. die Luft bereits unangenehm und unbehaglich, eine Erscheinung, die bei gleicher Brenndauer des Leuchtgases weniger und bei Oelbeleuchtung gar nicht bemerkbar war. Da man nicht annehmen kann, daß die Kohlensäure allein diese Unbehaglichkeit veranlaßt, so muß man den Grund derselben in den der Luft neben der Kohlensäure sich beimischenden unvollkommenen Verbrennungsproducten suchen. Eine feine Nase riecht übrigens bei der Petroleumbeleuchtung, auch bei guter Lampenconstruction, bald die hier reichlicher auftretenden unvollkommenen Verbrennungsproducte. Weiter machen obige Zahlen sehr anschaulich, daß für alle drei |243| Beleuchtungsarten die Kohlensäurezunahme nach dreistündiger Brenndauer nahezu ein Maximum wird, was natürlich nur für die speciellen Ventilationsverhältnisse Geltung hat, unter denen die Versuche angestellt wurden. Die Versuche setzen die Vorzüge der guten Oelbeleuchtung außer Zweifel, welche die Luft entschieden am wenigsten mit fremdartigen Beimischungen beladet. Daß sich Petroleumbeleuchtung in letzterer Beziehung am ungünstigsten stellt, hat nur eine beschränkte praktische Bedeutung, da diese Art von Beleuchtung bei uns wenigstens nur selten durch Brennvorrichtungen erzielt wird, die eine sehr intensive Lichtstärke und damit auch einen bedeutenden Consum von Leuchtmaterial bedingen. Anders aber verhält es sich mit der Gasbeleuchtung. Die Unbehaglichkeit, welche man bei längerem Aufenthalt in mit Gas stark beleuchteten Räumen empfindet, ist allerdings zum Theil auf Rechnung der unangenehm strahlenden Wärme zu setzen, welche ebenfalls als Attribut der Gasbeleuchtung auftritt. Allein eine zweite Quelle dieser Unbehaglichkeit ist unbedingt die selbst bei guter künstlicher Ventilation kaum zu vermeidende Luftverschlechterung. Für kleine Zimmer mit mangelhafter Ventilation ist Gasbeleuchtung sicherlich wenig geeignet und alle Nachtheile derselben werden sich hier in verstärkter Weise geltend machen. (Deutsche Industriezeitung, 1867, Nr. 41.)

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