Titel: Der Schaufelwein in Lothringen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 10 (S. 335–336)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi04_10

Der Schaufelwein in Lothringen.

Mit diesem Namen bezeichnet man in Frankreich einen höchst angenehmen und sein schmeckenden Wein, der in Lothringen, namentlich in der Umgegend von Nancy, bereitet wird. Die Bereitung geschieht im Wesentlichen durch eine mechanische Bearbeitung des Mostes mittelst Schaufeln, wodurch man in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit einen reifen und sehr bouquetreichen Wein erzielt. Das Verfahren dabei ist nach Angabe des Hrn. Sommer in Edenkoben (im württembergischen Gewerbeblatt, 1867, Nr. 42) folgendes:

„Nachdem die reifen Trauben wie gewöhnlich vermittelst der bekannten Traubenmühle zerquetscht worden sind, bringt man dieselben in eine große starke Weinbütte und läßt den Most während 48 Stunden mittelst großer eiserner Schaufeln fortwährend tüchtig umrühren oder mit großen Stempeln nach Art des Butterstoßens durcheinander |336| arbeiten, wozu man in der Regel 4 Arbeiter verwendet, welche sich, da die Manipulation sehr ermüdend ist, von Zeit zu Zeit unter einander ablösen. Ist diese Operation beendigt, so läßt man den Most ruhig stehen, wobei sich sofort eine rasche und stürmische Gährung entwickelt, so daß die Treber (Traubenkämme und Hülsen) schon nach ungefähr 12 Stunden auf der Oberfläche des Mostes schwimmen. Sobald dieß erfolgt ist, zapft man den hierdurch geklärten Most durch eine am Boden der Bütte angebrachte Spundöffnung ab und füllt denselben in Fässer, in welchen dann die Gährung sich vollendet, wobei man jedoch die Sorgfalt gebraucht, dieselben nur bis zu drei Viertheilen voll zu füllen und hierauf den leer gebliebenen Raum gut auszuschwefeln. Die in der Bütte zurückgebliebenen Treber dagegen werden gekeltert und der ausgepreßte Most besonders aufbewahrt.“

Die Redaction des württembergischen Gewerbeblattes macht bei Besprechung dieses Verfahrens die richtige Bemerkung, daß, was hier die Schaufelbearbeitung binnen 48 Stunden angestrengter Arbeit leiste, eine Centrifugalmaschine in eben so vielen Minuten bewerkstelligen dürfte, wie auch bei schwer gewordenen und anderen des Ablassens bedürftigen kranken Weinen die Centrifuge von entschiedenstem Nutzen seyn wird, weßhalb sie in keiner rationellen Kellerei fehlen sollte.69)

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Man s. Reihlen's Bemerkungen über Weinbereitung mit Centrifugalmaschinen statt mit Pressen, im polytechn. Journal Bd. CLXXI S. 237.

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