Titel: Die selbstständige elektromagnetische Uhr von Hipp.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 3 (S. 331)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi04_3

Die selbstständige elektromagnetische Uhr von Hipp.

Bei den selbstständigen elektromagnetischen Uhren, die man zum Unterschiede von den Indicatoren als eigentliche „elektrische Uhren“ zu betrachten hat, wird bekanntlich durch elektromagnetische Wirkungen das Pendel zeitweise in Folge eines ihm beigebrachten Impulses angeregt, ohne daß hierbei ein anderweitiger Motor – Gewicht oder Federkraft – zur Thätigkeit kommt. In eigenthümlicher Weise geschieht nun jene Anregung bei den von Hipp construirten elektromagnetischen Uhren. Das Pendel ist nämlich an einem Fuße (oder unteren Ende) mit einem Anker versehen, der dem daneben befindlichen Elektromagnete angehört. Befindet sich dasselbe in Bewegung, so erlangt es nur dann einen neuen Anstoß, wenn die treibende Kraft ihm zu fehlen beginnt; es schließt nämlich sodann mittelst einer eigenen Vorrichtung eine Volta'sche Batterie, wodurch der Elektromagnet in Thätigkeit versetzt wird und in Folge derselben der Anker einen neuen Impuls erfährt. „Ein an der einen Schließungslippe der Batterie befestigtes Stahlplättchen schlüpft (nach geschehener Anregung) leicht über die Erhöhungen eines mförmigen Ansatzes am Pendel, und dieß geschieht so lange bis dem Pendel wieder die Kraft fehlt. Jetzt stemmt sich jenes Plättchen in den Vertiefungen dieser Vorrichtung fest, wodurch die Schließungslippen der Batterie aneinander gerathen und der unterhalb des Pendels befindliche Elektromagnet wieder thätig wird. In solcher Weise holt sich das Pendel vom Elektromagnet immer wieder neue Kraft und dieß unabhängig von den etwaigen Stromesschwankungen. Denn wenn die Batterie, also auch der Elektromagnet stärker wird, dann wird auch die Wirkung des letzteren länger andauern bis der Schluß der Batterie wieder eintritt; es regelt sich mithin das Pendel selbst.“

Dieser principiellen Erörterung der Anordnung der Hipp'schen elektrischen Uhren, welche wir dem Berichte des Hrn. Prof. Pisko (Officieller Ausstellungs-Bericht, herausgegeben durch das k. k. österreichische Central Comité, 1. Lieferung, Wien 1867, S. 147) verdanken, mag hinzugefügt werden, daß in Folge der schleifenden Bewegung des oben erwähnten innerhalb der Erhöhungen und Vertiefungen einer kammartigen Vorrichtung hin- und hergehenden Stahlplattchens wohl ein wesentlicher Uebelstand der gewöhnlich für jene Zwecke benutzten Stromunterbrecher vom Constructeur beseitigt werden wollte und zwar in der Art, daß in Folge des Schließens und Oeffnens der Batterie der hierfür dienende Stromunterbrecher gleichsam auf automatischem Wege beständig in blankem metallischen Zustande erhalten bleiben müsse. Die von Hipp benutzte Anordnung muß daher allerdings als eine wesentliche Verbesserung angesehen werden, der übrigens eine schon früher von Foucault 66) angegebene zur Seite steht; es können daher allerdings die in Rede stehenden Uhren bedeutende Vervollkommnungen aufweisen, vorausgesetzt, daß in Folge der Einwirkungen, welche das Pendel von den verschiedenen Organen erfährt, keinerlei Aenderungen im Gange der Uhr eintreten können.

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Allgemeine Encyklopädie der Physik, Bd. XX S. 1170.

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