Titel: Die Minen-Zündapparate des k. k. österreichischen Genie-Comité auf der dießjährigen Pariser Industrie-Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 4 (S. 331–332)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi04_4

Die Minen-Zündapparate des k. k. österreichischen Genie-Comité auf der dießjährigen Pariser Industrie-Ausstellung.

Bekanntlich sind durch die sinnreichen Anordnungen des österreichischen Obersten Frhrn. Ebner von Eschenbach wesentliche Fortschritte für die Anwendung elektrischer Wirkungen zum Zünden von Sprengladungen angebahnt worden, und seinen |332| directen und indirecten Anregungen mögen wohl die weiteren Vervollkommnungen auf diesem Gebiete zum Theile zu verdanken seyn. Auf der Ausstellung sind nach unserer vorliegenden Quelle (Bericht von Pisko im „Officiellen österreichischen Ausstellungsberichte,“ 1. Lieferg. S. 135 und 141) verschiedene der elektrischen Zündapparate vertreten, wie solche (seit dem Jahre 1853) unter der Leitung des Frhrn. v. Ebner zur Anwendung gekommen sind. Von den 5 Elektrisirmaschinen, die zur Ausstellung kamen, ist Nr. 1 nicht zum Transporte bestimmt; sie besteht aus zwei Glasscheiben von 63 Centimet. Durchmesser und einem entsprechend großen Glascondensator. Nr. 2, kleiner als die vorige, mit Glascondensator, ist zum Transport und für's Feld geeignet; jede der Scheiben mißt 26 Centimet. Durchmesser. Bei Nr. 3 und Nr. 4 sind die beiden Scheiben aus Hartkautschuk; statt der Flasche wird hier ein Kautschuk-Condensator verwendet; bei der einen haben die Scheiben einen Durchmesser von 32 Centimet., bei der anderen 26 Centimet. Durchmesser.67) Die Maschine Nr. 5 hat statt der Scheiben einen Cylinder von Hartkautschuk, bei dem die Reibzeuge durch Pelzwerk ersetzt sind, und der ganze Apparat in einem vollkommen lustdicht eingeschlossenen eisernen Cylinder sich befindet, um den Einfluß der Feuchtigkeit auf die Wirksamkeit desselben zu beseitigen.

Seit mehreren Jahren werden von Frhrn. v. Ebner die magneto-elektrischen Apparate für den in Rede stehenden Zweck vorzugsweise verwendet. Es sind 5 Exemplare dieser Art, von Marcus construirt, auf der Ausstellung vertreten. Die Haupteinrichtung der patentirten Apparate ist folgende: „In einem kleinen parallelopipedischen Kasten sind zwei aufsteigende kräftige Stahlplattenmagnete eingeschlossen. Den entgegengesetzten Polen derselben wird durch Auslösung einer Sperre ein zwischen denselben waagrecht liegender, weicher Eisenanker mittelst mächtiger Federkraft rasch genähert. Hierdurch wird in den dem Anker angehörigen Inductionsrollen ein inducirter Strom erweckt, der viel mächtiger ist als bei gewöhnlichen magneto-elektrischen Maschinen. Bei letzteren erreichen nämlich die Eisenkerne wegen der raschen Bewegung nicht ihren Sättigungspunkt, während hier der Anker nahezu magnetisch gesättigt die Bewegung beginnt, indem er vorher nur um ein Weniges verschoben in der Nähe der permanenten Pole ruhte. Ueberdieß wird noch die Wirkung durch eine eigenthümliche, vom Erfinder geheimgehaltene Vorrichtung bedeutend erhöht. Die Spannung und Hemmung der später loszuschnellenden, den Anker und die Inductionsrolle rasch bewegenden Feder geschieht mittelst eines einfachen Griffes und einer Schnappe.“ Zur Füllung der Zünder wird der bekannte Zündsatz, aus gleichen Gewichtstheilen chlorsauren Kalis und Schwefelantimons gemischt, verwendet, jedoch muß dieser Substanz eine andere von größerem Leitungsvermögen in geringer Quantität, z.B. Schwefelblei, Schwefelkupfer, Kohlenpulver u. dgl., zugesetzt werden, wenn zwischen den Enden der Elektroden des Zünders der Funke des Inductionsstromes zu Stande kommen soll. Diese – zum Theile nach den von Abel und Wheatstone aufgefundenen Bedingungen construirten – Patronen werden aus gepreßter Gutta-percha gefertigt, und es ist dabei die wesentliche Anforderung zu erfüllen, daß die Unterbrechungsstelle des Patronendrahtes äußerst klein – kaum so weit als die Dicke eines Messerrückens – sey. Dieser Umstand erfordert daher auch, daß der Draht vorher durch Ausglühen weich gemacht werde, und dürfte übrigens auf die Sicherheit des Zündens wesentlichen Einfluß haben; kommen nämlich durch einen etwa zu starken Druck die Enden der Elektroden zur Berührung, so ist die Patrone unbrauchbar, und wird jene Lücke nur merklich groß, so kann der Inductionsfunke gleichfalls nicht mehr zu Stande kommen. – Der patentirte magnetoelektrische Apparat von Marcus soll übrigens mächtige Wirkungen hervorzubringen geeignet seyn; das Wesen dieser Verbesserungen ist jedoch durch die oben gegebene – unserer Quelle entnommene – Erörterung nicht erklärt, da nur der im Augenblicke des Annäherns des Ankers gegen die Polflächen influencirte und beim Entfernen des Ankers zum Verschwinden kommende Magnetismus die Entstehung der inducirten Ströme veranlassen kann und die Stärke der letzteren unter sonst gleich bleibenden Umständen bedingt.

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Näheres hierüber im polytechn. Journal Bd. CXLV S. 192 u. Bd. CXLVI S. 195 u. 202; ferner in der Allgemeinen Encyklopädie der Physik, Bd. XX Abschn. II.

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