Titel: Ueber Malz-Extract; von J. v. Liebig.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 11 (S. 423–424)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi05_11

Ueber Malz-Extract; von J. v. Liebig.

Vor einigen Jahren beschäftigte ich mich mit der Darstellung des berühmten alten, unter dem Namen von „Gerstenzucker“ bekannten, aber jetzt außer Gebrauch gekommenen Brustmittels zur Verwendung in meiner Familie.

Man erhält diesen Gerstenzucker, wenn man Malzextract, dessen Darstellung ich sogleich angeben will, im Wasserbade bis zur Consistenz eines dicken Teiges abdampft. Dieser Teig läßt sich, noch warm, auf einem mit gepulvertem Zucker bestreuten Brete zu flachen Kuchen auswalzen, die nach dem Erkalten hart und brüchig werden, dieß ist der echte Gerstenzucker.

Hr. Professor Dr. v. Fehling, welcher dieses Präparat bei mir sah, nahm eine Probe davon nach Stuttgart mit und veranlagte den dortigen Pharmaceuten Hrn. Löfflund, einen Gegenstand des Handels daraus zu machen, wogegen ich selbstverständlich nichts einzuwenden hatte.

Der Gerstenzucker läßt sich, mit Zuckerpulver geschichtet, in München, wo die Luft meistens trocken ist, ziemlich lange aufbewahren, aber an anderen Orten wird er sehr bald durch Anziehen von Feuchtigkeit weich und die Stücke kleben zu einer harten, äußerst zähen Masse zusammen. Dieser Umstand ist offenbar der Grund geworden, daß die Fabrication desselben von Hrn. Löfflund sehr bald wieder aufgegeben wurde; was derselbe unter dem Namen Malzextract verkauft, wird auf folgende Weise dargestellt:

Drei Pfunde frisches geschrotenes Malz werden mit Wasser zu einem Teige angerührt und hierzu unter beständigem Umrühren so viel heißes Wasser zugesetzt, daß die Mischung eine Temperatur von 53° R. (66° C.) erreicht. In dieser Temperatur läßt man das Gefäß so lange stehen, bis eine Probe Flüssigkeit mit Jodtinctur keine Reaction mehr gibt; in der Regel ist nach zwei Stunden die Zuckerbildung vollendet.

Man bringt die Masse auf einen Spitzbeutel, wäscht den Rückstand mehrmals mit Wasser aus, kocht die ablaufende, klare süße Flüssigkeit bis auf die Hälfte ein, colirt nochmals, um sie ganz klar zu erhalten, und dampft sie im Wasserbade bis zur starken Syrup- oder Honigconsistenz ein.

Man erhält in dieser Weise über zwei Pfunde hellbraunen, klaren, fadenziehenden Honigs von mildem, süß schleimigem, angenehmem Malzgeschmack, der nicht bloß dieser Eigenschaften wegen als Brustmittel, sondern überhaupt zum Versüßen von Speisen anstatt Melasse brauchbar ist. Dieser Malzextract enthält noch eiweißartige Substanzen in Lösung, sowie eine gewisse Menge von Phosphaten, er ist natürlich nichts anderes als ungehopfte eingedickte Bierwürze, und mein Antheil an der Erfindung ist so klein, daß er sich auch mit dem besten Vergrößerungsglase schwerlich entdecken läßt.

Ich legte dieser Sache keine Bedeutung bei, allein seit einiger Zeit werde ich von Geheimmittelverkäufern und Schwindlern von halb Deutschland verfolgt, die mir gegen gute Bezahlung vorschlagen, gewissen von ihnen neuerfundenen Mitteln meinen Namen zu leihen, und dieß will ich nicht länger dulden. Ich ersuchte Hrn. Löfflund sehr eindringlich, in Zukunft auf meinen Namen für seine Präparate und in seinen Reclamen zu verzichten, und da er mir erklärte, daß dieß mit seiner Ehre nicht verträglich sey, |424| indem er in Wahrheit die Vorschrift für das Malzextract von mir, wenn auch indirect durch Hrn. v. Fehling erhalten habe, so will ich wenigstens auch Andere in den Stand setzen, dieses an sich gute Mittel anzufertigen. Die Bereitung ist, wie bemerkt, sehr einfach, sie wird in den Häusern von mehreren meiner Freunde von Köchinnen ganz gut ausgeführt. (Buchner's neues Repertorium für Pharmacie, Bd. XVII S. 1.)

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