Titel: Ueber die Darstellung von geschmolzenem, reinem, weichen Eisen aus Roheisen; von Prof. Troost.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 7 (S. 420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi05_7

Ueber die Darstellung von geschmolzenem, reinem, weichen Eisen aus Roheisen; von Prof. Troost.

In der Versammlung der Société d'Encouragement vom 26. Juli d. J. machte Professor Troost auf die Resultate aufmerksam, welche man durch eine zweckentsprechende Behandlung von stark erhitztem Roheisen mit einem Strom von Sauerstoffgas erhält. Dieser zuerst i. J. 1855 von Henri Sainte-Claire Deville abgeführte Fundamentalversuch bildet den Ausgangspunkt für alle seit dieser Zeit angestellten Untersuchungen über den Stahl und gibt das Mittel zur leichten Erzeugung von Bessemerstahl, oder, wenn es beabsichtigt wird, von geschmolzenem, sehr reinem weichem Eisen an die Hand. Der Vortragende wiederholte diesen Versuch vor der Versammlung.

Das in einem Aetzkalktiegel befindliche Roheisen ward mittelst der Knallgasflamme eingeschmolzen; in diesem Zustande wird, bei vermehrtem Zuströmen von Sauerstoff zur Flamme, der Kohlenstoff, das Silicium und der Schwefel verbrannt; in Folge dieses Processes entsteht eine Schlacke, welche von dem Tiegelmateriale nach und nach absorbirt wird; dann verbrennt der Sauerstoff einen Theil des Eisens selbst und die Temperatur steigt so hoch, daß der zurückbleibende Eisenregulus schmilzt. Auf diese Weise erhält man weiches Eisen von sehr großer Reinheit.

Dieser leicht zu wiederholende Versuch ist jetzt Gegenstand einer technischen Untersuchung zum Behufe der Anwendung eines auf denselben zu basirenden Verfahrens im Großen. Der Bessemerproceß läßt sich bereits als eine derartige Anwendung betrachten, allein das Tiegelmaterial gibt Silicium ad, so daß die Operation früher, als es wünschenswerth ist, unterbrochen werden muß. Indessen sind diese Schwierigkeiten nicht unüberwindlich und es liegt aller Grund zu der Annahme vor, daß eine richtige Auffassung und eine zweckmäßige Anwendung dieser Thatsachen für die Metallurgie des Eisens von großem Nutzen seyn werden. (Bulletin de la Société d'Encouragement, August 1867, S. 548.)

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