Titel: Eine schwarze Pharaoschlange.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 9 (S. 421)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi05_9

Eine schwarze Pharaoschlange.

Hr. G. Vorbringer übersandte mir das unten beschriebene Präparat, welches in der That durch eine ganz ungewöhnliche Aufschwellung beim Anzünden sich auszeichnet, und fügte dazu folgende Notiz:

Bekanntlich verarbeitet man Braunkohlen auf zur Beleuchtung dienende Oele, indem man Theer aus ihnen schwelt, denselben destillirt und die leichteren Partien des dabei erhaltenen Oeles durch successive Behandlung mit starker Lauge, englischer Schwefelsäure und durch verschiedene Destillationen gehörig reinigt. Bei Gelegenheit einiger Untersuchungen, die ich mit der, nach vollbrachter Einwirkung vom Oele getrennten, eine mehr oder weniger dicke und zähe schwarze Masse darstellenden Säure anstellte, bin ich zu folgendem interessanten Resultat gelangt.

Als ich die schwarze Säure mit rauchender Salpetersäure behandelte, erhielt ich ein auf der Flüssigkeit schwimmendes Harz, welches ausgepreßt und getrocknet von gelbbrauner Farbe und ungefähr der Consistenz des geschmolzenen und in Wasser ausgegossenen Schwefels war. Ein Stückchen dieses Harzes, behufs seiner Brennbarkeit geprüft, verbrannte mit leuchtender, etwas rußender Flamme und zeigte in hohem Grade die Eigenschaft des Rhodanquecksilbers, sich hierbei in seinem Volumen bedeutend zu vergrößern. Da ich nur eine kleine Quantität des Harzes besaß, so versuchte ich mir dasselbe noch einmal auf dieselbe Weise darzustellen, es gelang mir aber bis jetzt nicht, es wieder von derselben Consistenz und Farbe zu erhalten. – Eine größere Quantität des Harzes mit käuflicher roher, nicht rauchender Salpetersäure bereitet, zeigte sich nach dem Auspressen und Trocknen schwarzbraun und spröde, wurde aber in der Wärme weich; formt man daraus einen Kegel und zündet denselben an, so zeigt das Harz beim Verbrennen die bekannte Eigenschaft der Pharaoschlangen, nur möchte ich die Volumenvermehrung noch für größer wie bei dem Rhodanquecksilberpräparat halten, da bei meinen Versuchen ein Kegel von 1 Zoll Länge eine Schlange von 4 Fuß lieferte, was für die zurückbleibende Kohle etwa das 50fache Volum der angewendeten Substanz ergibt.

Es unterliegt, nach dem Geruch der Gase des angezündeten Präparats zu schließen, wohl keinem Zweifel, daß dieses Harz eine organische Nitroverbindung ist, vielleicht in seiner Zusammensetzung einer der Nitrophenylsäuren gleichend. Ob Schwefelsäure oder eines ihrer Derivate mit in die Verbindung eingetreten, ist zweifelhaft.

Leider stehen mir hier nicht die Mittel zu Gebote, um eine vollständige organische Analyse dieses Harzes auszuführen, was auch wegen der dem Harze ungemein hartnäckig anhaftenden Säure seine Schwierigkeiten haben dürfte.

Vorstehende Versuche wurden im Laboratorium der Mineralöl- und Paraffinfabrik des Hrn. Dr. Hübner in Rehmsdorf bei Zeitz ausgeführt. (Journal für praktische Chemie, 1867, Bd. CII S. 187.)

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