Titel: Neues Verfahren zur Stahlfabrication von Heaton.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 3 (S. 488–489)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi06_3
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Neues Verfahren zur Stahlfabrication von Heaton.

Die Aufmerksamkeit der südstaffordshirer Eisenwerksbesitzer hat sich neuerlich allgemein auf ein von Heaton (auf den Langley-Mills zu Nottingham) erfundenes Verfahren zum Feinen von Roheisen und zur Umwandlung desselben in Stahl gerichtet.

Das Nachstehende enthält eine kurze Beschreibung des Verfahrens. „Sieben bis neun Pfund Natronsalpeter werden in einen beweglichen eisernen Boden gebracht, der mit einer durchlöcherten Eisenplatte bedeckt und dann durch Verbolzung mit einem cylindrischen, mit feuerfestem Thone ausgefütterten Umwandlungsgefäße (statt der gewöhnlichen Birne) verbunden wird. In letzteres wird aus einem Kupolofen eine Charge von ungefähr vierzehn Centner Eisen abgestochen, worauf etwa dritthalb Minuten lang ein rasch verlaufender Verbrennungsproceß stattfindet. Zuerst entwickeln sich in Folge der Zersetzung des Salpetersäuresalzes rothe Dämpfe; dann wird die Flamme bläulich und zuletzt färbt sie sich dunkel; darauf tritt in rascher Folge eine Reihe von scharfen Explosionen auf und glänzende Funken fliegen umher, eine Erscheinung, welche dem beim Bessemern zu beobachtenden Funkensprühen einigermaßen ähnlich ist. Wenn die Reaction aufgehört hat, wird das Metall in Zaine abgestochen oder gegossen.“ – Mittelst dieses Verfahrens soll ein ganz stahlähnliches Product erzeugt werden; allein allem Anscheine nach sind die Versuche bis jetzt noch nicht mit der Gründlichkeit abgeführt worden, welche erforderlich ist um Vertrauen auf die Resultate zu erwecken. Jedenfalls werden die Fachmänner die beabsichtigte Fortsetzung der Versuche mit großem Interesse verfolgen und mit Spannung der Veröffentlichung der auszuführenden Analysen entgegensehen, welche über die Natur der durch diesen chemischen Proceß erzeugten Producte Aufschluß geben sollen. Schon haben sich mehrere bedeutende staffordshirer Häuser der Sache angenommen und diese sollen sich auch von dem reellen Werthe des Verfahrens überzeugt haben. Sie beabsichtigen, dasselbe hauptsächlich zum Feinen des in dieser Grafschaft in großen Mengen producirten sogen. „Cindereisens“ anzuwenden. Die von Tag zu Tag sich mehr geltend machende Nothwendigkeit, sehr bedeutende Mengen von Stahl zu produciren, welche jetzt zu Zwecken verwendet werden, für die man früher Schmiedeeisen benutzte, hat ein Verfahren zur Stahlfabrication höchst wünschenswerth gemacht, dessen Ausführung nicht mit so bedeutenden Kosten verbunden ist, wie die Einführung des Bessemerprocesses.

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