Titel: Die norwegische automatische Küche im Park der Pariser Industrie-Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 6 (S. 490)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi06_6

Die norwegische automatische Küche im Park der Pariser Industrie-Ausstellung.

Die in der Cuisine automatique norvégienne ausgestellten Gegenstände bestehen in viereckigen hölzernen Kästchen, welche mit Filz aus Pferdehaaren innen so ausgefüttert sind, daß nur noch Raum für zwei runde blecherne Töpfe bleibt. Vermittelst dieser Kästchen kann man Fleisch, das man fünf Minuten lang in einem der Töpfe mit Wasser über dem Feuer stehen hatte, ohne weitere Anwendung des Feuers in drei Stunden weich kochen und eine sofort genießbare Fleischbrühe bereiten. Man setzt zu dem Zweck die Speise, welche man gaarbringen will, in einem der mit Deckeln versehenen Töpfe fünf Minuten lang über ein Feuer, hebt dann den Topf in den Kasten ein und schließt den Deckel desselben, worauf man nach drei Stunden bei Suppe und nach mehr oder weniger Zeit bei anderen Speisen den Topf wieder herausnehmen kann, dessen Inhalt nun vollständig gaar ist.

Man wäre geneigt zu glauben, es sey hier auf eine Täuschung des Publicums abgesehen, wenn nicht in dem Pavillon die so eben beschriebene Operation vor den Augen der Anwesenden ausgeführt würde. In den Nachmittagsstunden kann man sich an bereitwilligst abgegebenen, den Töpfen entnommenen, kleinen Portionen von der Zweckmäßigkeit der Apparate durch Selbstversuche überzeugen. Auch für Gemüse und andere Speisen sind die Apparate anzuwenden.

Die Grundsätze, auf denen diese Erfindung beruht, sind nicht schwer zu finden. Die Kästen sind so eingerichtet, daß der Topf, wenn er eingesetzt ist, von einem besonders schlechten Wärmeleiter vollständig umschlossen ist. Man weiß, daß man die Abkühlung eines erwärmten Körpers durch Umgeben desselben mit besonders schlechten Wärmeleitern bedeutend verzögern kann. Ein auf 100° C. erwärmter Gegenstand erleidet dabei in mehreren Stunden einen Wärmeverlust von nur einigen Graden. Eine constante Wärme von 70° C. reicht aber schon aus, um Fleisch und Gemüse weich zu kochen, und es erklärt sich hieraus hinlänglich die Möglichkeit des oben Gesagten. Die Anwendung einer fortwährenden Siedhitze zur nahrhaften und schmackhaften Zubereitung des Fleisches ist bekanntlich nicht einmal rationell, weil dadurch alles Albumin gerinnt und die Fleischfaser hart und zähe wird. Liebig sagt über das zweckmäßigste Verfahren Fleisch zu kochen: „Wird das zur Speise bestimmte Fleisch in den Topf gethan, wenn sich das darin enthaltene Wasser im starken Aufwallen befindet und das Sieden einige Minuten unterhalten, alsdann so viel kaltes Wasser hinzugeschüttet, daß die Temperatur des Wassers dadurch auf 59 oder 56° Reaumur (= 74 oder 70° C.) herabgebracht wird und in dieser Temperatur einige Stunden erhalten, so hat man alle Bedingungen vereinigt um dem Fleischstück die zum Genusse geeignetste Beschaffenheit zu geben.“

Die Vortheile der Anwendung der norwegischen Kochapparate werden außer der enormen Brennmaterialersparniß noch manche andere seyn. Verbrannte Speisen wird es darin wohl nicht geben, ein Ueberlaufen ist nicht zu befürchten, die Speisen sind zur bestimmten Zeit fertig und während des Kochens braucht Niemand anwesend zu seyn.

Apparate dieser Art sind durch J. Sorensen in Paris, 27 Avenue rue d'Antin, Champs Elisées, in verschiedenen Größen zu beziehen und es kosten z.B. Apparate mit zwei Töpfen von 2 und 3 Liter Inhalt 24 Frcs. 30 Cent., und Apparate mit zwei Töpfen à 3 Liter 25 Frcs. 50 Cent. W. Moeser. Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1867, Nr. 43.)

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