Titel: Die neue Methode zur Darstellung anatomischer Präparate von Prof. Brunetti.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 7 (S. 490–491)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi06_7

Die neue Methode zur Darstellung anatomischer Präparate von Prof. Brunetti.

Die anatomischen Präparate von Dr. Ludwig Brunetti, Professor der pathologischen Anatomie in Padua, erregten auf der Pariser Ausstellung allgemeine Bewunderung, |491| und Brunetti erhielt nicht nur den großen Preis, sondern hat auch von den ersten Vertretern der heutigen Medicin zahlreiche Anerkennungen erhalten, welche einstimmig sind in der Bewunderung der genialen Methode, die nach Liebig's Ausdruck der Wissenschaft neue Wege eröffnet. Auf seiner Durchreise durch München hatte Hr. Brunetti die Güte, den Mitgliedern der dortigen medicinischen Facultät und einem kleineren wissenschaftlichen Kreis einige seiner Präparate vorzuzeigen, wobei es möglich wurde dieselben eingehender zu betrachten als es durch die Verhältnisse auf der Ausstellung gestattet war.

Die Museen von Hyrtl in Wien und Orfila in Paris schienen die höchsten Leistungen der Präparirkunst zu Tage gefördert zu haben, die Petrification durch Segato und die Exsiccationsmethode Gorini's schienen das denkbar Mögliche für die Conservirung der Präparate zu leisten. Es blieb noch übrig eine Methode zu finden, welche zu diesen Vortheilen die Möglichkeit gesellte in gleich vollkommener Weise die pathologischen Erscheinungen zu fixiren, und die primitiven Bestandtheile in solcher Integrität zu bewahren, daß dieselben jeden Augenblick zur mikroskopischen Untersuchung geeignet seyen. Dieses Problem ist durch die Erfindung Brunetti's gelöst.

Das Verfahren, welches Brunetti mit größter Liberalität mitgetheilt hat, ist im Wesentlichen folgendes: der Proceß umfaßt die Operationen des Waschens, der Entfettung, der Behandlung mit Tannin und die Austrocknung.

Um das betreffende Stück zu waschen, läßt Brunetti einen Strom reinen Wassers durch die Blutgefäße und Secretionsleitungen gehen, und vertreibt dann das Wasser durch Alkohol. Zur Entfettung wird in gleicher Weise Aether durch die Gefäße getrieben, welcher bis in die Gewebe vordringt und alle fetten Materien auflöst. Diese Operation dauert ein paar Stunden, und das so vorbereitete Object kann dann in Aether beliebig lang aufbewahrt werden. Das Tannin wird in destillirtem Wasser gelöst, auf die obige Weise in die Gefäße eingebracht und darauf der Aether durch einen Strom reinen Wassers entfernt. Die Austrocknung geht in folgender Weise vor sich: das betreffende Stück wird in ein mit kochendem Wasser gefülltes Gefäß mit doppeltem Boden gebracht, um die früheren Flüssigkeiten durch trockene warme Luft zu ersetzen. In einem Reservoir wird die Luft auf etwa zwei Atmosphären comprimirt; durch eine Hahnvorrichtung und ein Röhrensystem wird dieselbe durch eine Chlorcalciumröhre und ein erwärmtes Gefäß in die Blut- und Secretionscanäle eingeleitet, der Gasstrom vertreibt die Flüssigkeiten, und die Operation ist vollendet.

Das so behandelte anatomische Stück ist leicht, behält sein Volumen, seine normalen Verhältnisse und alle festen histologischen Elemente bei. Es lassen sich nach allen Richtungen die feinsten Schnitte führen, und die feinsten histologischen Untersuchungen mittelst Loupe und Mikroskop ausführen, ja man möchte sagen: diese anatomischen Präparate lassen sich auf den Toilette-Tisch legen. Da die gegenseitige Lage der Organe beibehalten wird, so können keine instructiveren anatomischen und pathologischen Demonstrationen gedacht werden; die Zeit der mangelhaften Weingeistpräparate ist vorüber. Da das Blut entfernt wird, so bleibt nur die pathologische Farbe, aber es bleibt nicht zu bezweifeln, daß die Vervollkommnung der Methode noch jede Art von Injection zulassen wird.

Von der Demonstration im anatomischen Hörsaale zu München waren denn auch sämmtliche medicinische Autoritäten voll Bewunderung für diese Erfindung, welche für die pathologische und vergleichende Anatomie eine neue Epoche bezeichnet.

Bei den vorgezeigten Präparaten erregten die Darstellungen des Herzens, der Nieren, verschiedene pathologische Zustände der Lunge und Leber, sowie die mikroskopischen Präparate die größte Bewunderung. (Allgemeine Zeitung vom 2. Dec. 1867.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: