Titel: Neues Anästheticum.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1867, Band 186/Miszelle 8 (S. 491–492)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj186/mi186mi06_8

Neues Anästheticum.

Das von Dr. Richardson entdeckte Anästheticum ist das Methylchlorid (bichlorure de mèrhylene); dasselbe scheint die Schmerzen der chirurgischen Operationen vollständig aufzuheben, ohne eine der Gefahren und Uebelstände darzubieten, welche mit der Anwendung seiner Vorgänger, namentlich des Chloroforms, verbunden sind. Die Medical Times, welche über zwei schwierige, mit Hülfe dieses neuen Agens von Dr. Spencer ausgeführte Operationen berichten, constatiren, daß im ersten Falle |492| eine absolute Unempfindlichkeit in vier Minuten hervorgebracht wurde, und im zweiten Falle in sechs Minuten. Die Kranken verfielen allmählich in den unästhetischen Schlaf, ohne das geringste Anzeichen von Ueberreizung oder innerem Kampfe, gewissermaßen „wie man über einen sanften Abhang hinabgleitet.“ In einem der beiden Fälle, wo die Zimmerluft auf einer ziemlich hohen Temperatur war, verflüchtigte sich die Flüssigkeit so rasch, daß sich Eisstückchen im Einathmungsapparate bildeten. (Les Mondes, t. XV p. 472; November 1867.)

Die Darstellung und daher auch die Anwendung des neuen Anästheticums dürfte das Stadium bloßer Versuche noch nicht überschritten haben. Ueber die Einwirkung von Chlor auf Methyl sind bis jetzt nur von C. Schorlemmer Versuche veröffentlicht worden (Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. CXXXI S. 76). Hiernach verhält sich Methyl gegen Chlor wie Aethylamyl und andere Alkoholradicale. Das durch Zerlegung einer concentrirten Lösung essigsauren Kalis durch den galvanischen Strom dargestellte Methyl bildet, bei 5° C. und im Schatten mit dem gleichen Volum Chlor gemischt, ein leichtflüssiges ölartiges Liquidum (aus 8 Liter Methyl etwa 8 Gramme), welches aus Chloräthyl (Siedepunkt 11 bis 12° C.) und aus einfach-gechlortem Chloräthyl (Siedepunkt 62 bis 65° C.) besteht. Die Redact.

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