Titel: Schmidt, über zwei neue Werkzeugformen zur Metallbearbeitung.
Autor: Schmidt, Robert
Fundstelle: 1868, Band 187, Nr. LXV. (S. 285–288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/ar187065

LXV. Ueber zwei zur Metallbearbeitung dienende neue Werkzeugformen; von Dr. Robert Schmidt, Civilingenieur in Berlin.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Die zwei neuen Werkzeugformen, welche wir hier beschreiben wollen, sind dem technischen Publicum zuerst auf der Pariser Weltausstellung von 1867 zur Anschauung gebracht worden. Indem wir uns erlauben, in detaillirter Weise auf dieselben einzugehen, glauben wir sowohl denjenigen |286| zu dienen, welche nicht Gelegenheit hatten solche auf der Ausstellung zu besichtigen, als auch einen nicht unwichtigen Beitrag zur Literatur des Maschinenbaues zu liefern. Die in Rede stehenden Werkzeuge beziehen sich einerseits auf eine neue Stichelform mit Halter zum Gebrauch für Drehbank und Hobelmaschine, und andererseits auf eine neue Bohrform für Maschinengebrauch. Die neue Stichelform war von der Zimmermann'schen Maschinenfabrik in Chemnitz ausgestellt, und ihre Construction rührt unseres Wissens von dieser Fabrik her; die neue Bohrform ist amerikanischen Ursprungs, und waren derartige Bohrer in den verschiedensten Dimensionen von einer englischen Fabrik ausgestellt, werden jetzt aber von einer deutschen Fabrik hergestellt.

1. Die Zimmermann'sche Stichelform.

Die bisher in der Praxis übliche Methode die Stichel für Drehbank und Hobelmaschine aus einem Stück Gußstahl herzustellen, ist nicht nur kostspielig, sondern es ist auch zur Aufbewahrung derselben in größeren Fabriken ein beträchtlicher Raum erforderlich, und wenn man im Allgemeinen die zur Zeit bekannteren Meißelhalter nicht oft eingefühlt findet, so hat dieß wohl seinen Grund darin, daß dieselben bisher von ziemlich complicirter Construction waren.86) Die Zimmerman'sche Stichelconstruction basirt ebenfalls auf der Anwendung eines Meißelhalters, zeichnet sich aber vor allen bisherigen derartigen Constructionen dadurch vortheilhaft aus: daß sowohl der Stichelhalter wie auch der Stichel selbst sehr einfache Formen haben, und auch das Anschleifen des letzteren von einem wenig geübten Arbeiter mit großer Genauigkeit erfolgen kann.

Wir haben in Fig. 8 – 11 eine solche Stichelvorrichtung für eine Dreh- oder Hobelmaschine mittlerer Größe dargestellt, und bemerken sogleich, daß dieselbe für den Gang des Stichels nach links (Fig. 8) dient, wogegen für den Gang desselben nach rechts der Stichelhalter in umgekehrter Weise zu gestalten ist. Fig. 8 ist eine obere Ansicht, Fig. 9 eine Ansicht der rechten Seite, Fig. 10 eine untere Ansicht, und Fig. 11 ein Durchschnitt der Vorrichtung nach der Linie xy der Fig. 10.

A ist der Stichelhalter, welcher bei größeren Sticheln aus Eisen gefertigt seyn kann, und ist derselbe zur Aufnahme des Stichels an seinem vorderen Ende mit einem consolförmigen Theil B versehen. Dieser enthält die cylindrische Bohrung für den Stichel a, der einfach aus einem |287| Stück Rundstahl gebildet ist. Die Richtung dieser Bohrung zur Verticalen läßt die Fig. 10, und die zur Horizontalen die Fig. 11 erkennen; auch zeigt letztere Figur den Winkel, unter dem der Stichel angeschliffen ist, wozu wir übrigens noch bemerken, daß dieser, je nach dem zu bearbeitenden Material, verschiedene Größe hat. Die Schraube C dient zum Einklemmen des Stichels, und sind bei größeren Dimensionen deren zwei anzuordnen.

Zum bequemen Anschleifen der Stichel hat Zimmermann an seinen Schleifsteinen eine supportartige Vorrichtung angebracht, in welche der Stichel gespannt werden kann.

2. Der amerikanische Bohrer.

In Fig. 12 haben wir zwei Ansichten eines solchen Bohrers, der einen Durchmesser von 9/16 Zoll engl. hat, dargestellt. Er besteht darnach aus einem genau cylindrischen Körper, und der Durchmesser desselben entspricht genau dem des zu bohrenden Loches. In diesem cylindrischen Körper sind zwei Nuthen a und b eingefräst, deren Lauf in stark ansteigenden Schraubenlinien besteht, weßhalb diese Bohrer auch häufig Spiralbohrer (twist drills) genannt werden. Die Steigung eines solchen Schraubenganges, cd, beträgt beiläufig fünf Durchmesser, und jede Nuth setzt sich auf etwa 1 3/4 solcher Steigungen, cf, fort, wodurch die brauchbare Länge des Bohrers bestimmt ist. Die Nuthen, welche beinahe cylindrische Form haben, sind so tief eingefräst, daß etwa 1/8 bis 1/10 des Durchmessers in der Mitte des Bohrers als Metallstärke stehen bleibt, und sie haben eine solche Breite, daß, auf einer Peripherie des Bohrers gemessen, dieselbe gerade 1/4 derselben beträgt. Die zwei Schneiden des Bohrers, on und om, werden dadurch gebildet, daß man die zwei übrig gebliebenen Metalltheile r und s kegelförmig zuschleift.

Beim Gebrauch des Bohrers, bei welchem derselbe in der Richtung des Pfeiles h gedreht wird, werden die Bohrspäne selbstthätig durch die Nuthen nach oben geführt, worin der nächste Vortheil des Bohrers besteht. Weitere Vortheile bestehen darin, daß ein und derselbe Bohrer stets Löcher von derselben Dimension bohrt, wenn derselbe auch immer weiter abgeschliffen wird, was bis zu den letzten Theilen der Nuthen stattfinden kann.

Diese Bohrer werden, wie bereits angedeutet, gegenwärtig auch in Deutschland in allen Dimensionen fabrikmäßig angefertigt, und zwar ist es die durch ihre Schraubenschneid-Werkzeuge bekannte Fabrik von C. H. Bernhardt in Döbeln (Sachsen), welche sich hierauf eingerichtet hat; nach einem uns vorliegenden Exemplar dieser Fabrik haben wir auch |288| unsere Zeichnung hergestellt, und bemerken wir beiläufig gern, daß uns die Arbeit daran exacter als bei den englischen Bohrern erschien. Die Bohrer werden von dieser Fabrik in 36 verschiedenen Dimensionen, von 1/16 bis 1 1/4 Zoll engl. geliefert und variiren den Durchmessern entsprechend in ihren Längen. Der Vollständigkeit wegen theilen wir einige dieser Dimensionen und Preise von Bohrern nachstehend mit:

Durchmesser Länge Preise.
in engl. Zollen. in engl. Zollen. Thlr. Slgr.
1/16 2 1/4 6
1/8 2 5/8 9
1/4 3 5/8 14
3/8 4 3/4 28
1/2 6 1 10
5/8 9 2 15
3/4 10 3 20
1 11 5 25
1 1/4 12 1/2 8 20

Da für die exacte Herstellung jedes Bohrers von bestimmter Dimension eine besondere Fräse nothwendig ist, so zeigt sich dabei wiederum die Anwendung verschiedener Maaßeinheiten in Deutschland in recht ungünstiger Weise, zumal da wegen bekannter Eisenbahnverhältnisse hier auch noch das englische Maaß nothwendig Berichtigung finden muß.

|286|

Man sehe z.B. über einige derartige Constructionen: Prechtl's Encyklopädie, Supplementband II S. 574.

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