Titel: Champonnois, über eine neue Behandlung des Rübenbreies.
Autor: Champonnois,
Fundstelle: 1868, Band 187, Nr. LXXX. (S. 345–346)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/ar187080

LXXX. Ueber eine neue Behandlung des Rübenbreies; von Champonnois.

Aus den Comptes rendus, t. LXV p. 1035; December 1867.

Meine seit längerer Zeit gemachten Beobachtungen haben mir die Ueberzeugung verschafft, daß es möglich seyn müsse, den Rübenpreßlingen wenn nicht sämmtlichen, so doch den größten Theil der gewöhnlich in den Saft übergehenden Extractiv- und stickstoffhaltigen Stoffe, so wie der Salze zu erhalten.

Außer anderen Analogien möge nur die bekannte Thatsache erwähnt werden, daß man in den Rübenbrennereien beim Auslaugen der Rüben mit Wasser niemals dieselbe Ausbeute, wie bei dem darauf folgenden mit Schlempe erzielt und daß diese Ausbeute mit der Dichtigkeit der Schlempen zunimmt.

In dem Laboratorium der HHrn. Possoz und Perier und später in demjenigen des Conservatoriums der Künste und Gewerbe in Paris sind von diesem Standpunkte aus und unter den Augen der HHrn. Payen, Champion und Pellet folgende Versuche wiederholt ausgeführt worden:

Je 2 Kilogramme Rüben wurden zunächst mit 30 Proc. Wasser zerrieben, wie gewöhnlich ausgepreßt und der Saft der Scheidung und doppelten Carbonatation unterworfen. Dem durch Papier filtrirten Safte wurde 1 Proc. Knochenkohlenpulver zugesetzt und dann das Eindicken bis 22° Baumé vorgenommen. Den bei 115° C. gekochten Syrup ließ man schließlich 5–6 Tage im Trockenschranke krystallisiren, dann den Syrup ablaufen.

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Die zweite und alle folgenden Operationen geschahen nun so, daß man diesen Syrup mit etwa 60 Proc. vom Rübengewichte an Wasser mischte, im Wasserbade erhitzte und dann mit dem Brei neuer 2 Kilogramme Rüben mischte und das Gemisch 10–15 Minuten lang auf 70–80° C. erhielt. Dann wurde ausgepreßt und der Saft wie oben behandelt.

Die so in mehreren Reihen von Versuchen, auch nach öfterer Wiederanwendung erhaltenen Syrupe zeichneten sich stets durch reinen Geschmack, große Flüssigkeit und gutes Abtropfen aus. Auch die Krystallisationsfähigkeit war derjenigen der besten gewöhnlichen Syrupe gleich.

Man kann hieraus die Folgerung ziehen, daß eine Fixirung von Salzen in den Fasern der Preßlinge stattgefunden hat, sonst würde ihre Ansammlung nach sieben auf einander folgenden Operationen den gekochten Saft fast unkrystallisirbar gemacht und dem Syrup einen sehr schlechten Geschmack ertheilt haben.

Da eine Wiederholung dieser Versuche unter den verschiedenartigsten Umständen rücksichtlich der Natur und des Zustandes der Rüben, doch stets denselben Erfolg gehabt hat, so ist wohl die Hoffnung auf eine industrielle Anwendung dieser Arbeitsweise gegründet (?).

Die bei derselben zu erhaltenden Preßlinge bewahren das sonst im Safte verloren gehende Eiweiß und die Salze, welche also der Landwirthschaft unvermindert wieder zu Gute kommen, so daß die Fabrik nur den als Nahrungsmittel verhältnißmäßig werthlosen Zucker empfängt.

Zugleich wird die Verarbeitung der Rohproducte auf Null reducirt, mithin eine Menge Unkosten, Geräthe und Maschinen erspart; der einzige Nachtheil würde in der Anwendung einer größeren Wassermenge bestehen, indessen entspricht dieselbe nach angestellten Berechnungen nur einer Mehrausgabe von 1 Franc auf 1000 Kilogramme Rüben. Auch die Saftbehälter würden etwas größer zu nehmen seyn.

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