Titel: Die Anfertigung einer fünfzehnzölligen Panzerplatte zu Sheffield.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 3 (S. 83–84)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi01_3

Die Anfertigung einer fünfzehnzölligen Panzerplatte zu Sheffield.

Vor Kurzem wurde auf den unter Sir John Brown's Leitung stehenden Hüttenwerken (den Atlas Works zu Sheffield) die größte und dickste Panzerplatte angefertigt, welche bis jetzt existirt. Dieses Anfangs September 1867 vollendete Riesenstück hatte im Ofen 20 Fuß Länge und 4 Fuß Breite bei 21 Zoll Stärke oder Dicke, und einem Gewichte von 21 Tonnen. Nach dem Fertigwalzen war diese Platte noch 15 Zoll stark. Bereits im Jahre 1862 wurden auf den Atlas Works 4 1/2 zöllige Platten fabricirt; später erreichte man daselbst die Stärke von 5, 7, 8 und zuletzt von 12 Zoll. Diese letztere Stärke ist nunmehr noch um 3 Zoll übertroffen und eine Platte von bisher noch unerreichter Dicke mit Leichtigkeit hergestellt worden. Einige von den 12 zölligen Platten sind allerdings wirklich benutzt; allein die Anfertigung von 15 zölligen Platten wurde erst dann angestrebt, als man sich zur Einführung des Systems der eisengepanzerten Forts entschloß. Diese Forts sollen mit 5 Zoll starken Panzerplatten belegt werden, welche ein Futter von einer Lage 5 Zoll starker, horizontal liegender und von einer zweiten Lage oder Schicht 5 Zoll starker vertical stehender Balken erhalten. |84| Dieses Constructionssystem steht, wie allgemein anerkannt worden, dem Systeme der massiven Platten weit nach, insofern 8 Zoll starke, aus einzelnen schwächeren Platten zusammengesetzte Panzer eine viel geringere Widerstandsfähigkeit zeigen als 4 1/2 zöllige massive Platten. Jener Beschluß ist indessen der bisherigen Annahme zuzuschreiben, daß es unmöglich sey Platten zu fabriciren, welche eine Stärke von 15 Zoll haben.

Das auf den Atlas Works zur Herstellung der fünfzehnzölligen Platten befolgte Verfahren ist sehr interessant. Ein eigenthümlicher Charakter der von John Brown und Comp. fabricirten Panzerplatten besteht darin, daß dieselben die Härte des Eisens mit der Zähigkeit des Kupfers vereinigen und in Folge dieser Eigenschaft haben sie einen weltberühmten Ruf gewonnen. Die zur Darstellung eines Metalles von dieser Qualität angewendeten Rohmaterialien werden geheim gehalten, doch ist soviel bekannt geworden, daß die Grundlage der Composition das beste kalt erblasene Roheisen von verschiedenen Districten ist, welches in bestimmten Verhältnissen gemischt wird. Zunächst werden diese verschiedenen Roheisensorten zu Luppen von je drei bis vier Centner gepuddelt, dann unter dem Dampfhammer gezängt, geschweißt und daraus zwischen kleinen Walzen ausgewalzt. Drei oder mehr von den auf diese Weise erhaltenen Platten werden hernach zusammengeschweißt und zwischen stärkeren Kalibern bearbeitet; diese Platten bilden nun das Material für die schließliche Anfertigung der Panzerplatte, indem die Anzahl der zu diesem Zwecke zusammenzuschweißenden Platten durch die verlangte Stärke der fertigen Panzerplatte bedingt wird. In dem hier vorliegenden Falle wurden eine sechszöllige und fünf dreizöllige Platten verwendet.

Bei der Darstellung solcher starken Platten zeigt sich eine Schwierigkeit bei dem Schweißprocesse, insofern es durchaus nöthig ist, die ganze Metallmasse durch und durch gleichförmig zu erhitzen, so daß die in der Mitte liegenden Theile oder der Kern genügende Hitze erhalten, ohne daß die äußeren Schichten überhitzt werden. Diese Schwierigkeit wird auf den Atlas Works in sehr sinnreicher Weise dadurch vermieden, daß man zwischen jede Plattenschicht Würfel von stark gekohltem Eisen bringt, so daß die einzelnen Platten durch freie Räume von einander getrennt werden, in denen die Flamme und die heißen Gase ungehindert circuliren können, wodurch jede Platte fast zu derselben Zeit auf denselben Hitzegrad gebracht wird. Dieses Verfahren entspricht auch noch einem anderen Zwecke; die Eisenwürfel geben, sobald sie schmelzen, dem Platteneisen eine gewisse Kohlenstoffmenge zurück, welche letzteres bei den vorhergehenden Processen verloren hatte. Die Platten fallen allmählich auf einander zusammen und das geschmolzene Würfeleisen bildet einen Kitt zwischen ihnen, der das möglichst vollständige Schweißen in hohem Grade befördert.

Die auf diese Weise fabricirte Riesenplatte wurde aus dem Ofen entfernt und zu der Walzenstraße transportirt, durch, welche sie zu wiederholten Malen hindurchgeführt ward, indem die Walzen immer enger gestellt wurden, bis nach Verlauf einer Viertelstunde eine fertige Panzerplatte von 15 Zoll Stärke vollendet war. Während des Auswalzens wurde die Platte mit Sand bestreut, so daß sich eine Decke von Kieselsäure oder Schlacke auf ihr bildete; ebenso wurde nach dem Sande Wasser aufgegossen, und ihre Oberfläche auf diese Weise von allen Oxydtheilchen befreit. Zur Erzeugung dieses gewaltigen Eisenstückes war die Arbeit von beinahe zweihundert Mann und ein Kohlenaufwand von ungefähr 250 Tonnen erforderlich.

Wenn die Productionskosten einer einzelnen Platte von den angegebenen Dimensionen natürlicher Weise weit bedeutender sind, als die Kosten der Anfertigung von schwächeren Stücken, so glauben wir doch, daß, wenn so starke Panzer in größeren Quantitäten erzeugt werden, dieselben beinahe ebenso billig zu stehen kommen werden wie gewöhnliche Panzerplatten. Wenn demnach die vom Kriegsministerium und der Admiralität anzustellenden Proben zu günstigen Resultaten führen, so dürfte für die Nichteinführung derartiger dicker Panzerplatten bei unseren zukünftigen Fortificationen keine Entschuldigung übrig bleiben. (Mechanics' Magazine, September 1867, S. 193.)

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