Titel: Ueber die zum Decoriren von Glas, Fayence und Porzellan dienenden, vom Decorateur Brianchon in Paris erfundenen Metalllüstres oder Irisfarben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 5 (S. 85–86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi01_5

Ueber die zum Decoriren von Glas, Fayence und Porzellan dienenden, vom Decorateur Brianchon in Paris erfundenen Metalllüstres oder Irisfarben.

Bereits vor acht Jahren32) machte Salvetat auf die perlmutterglänzenden oder irisirenden Farben (Metalllüstres) aufmerksam, welche Brianchon in Paris (rue Lafayette, No. 222) zwei Jahre früher erfunden33) und auf die er damals ein Patent genommen hatte. Im Jahre 1860 wurde der Erfinder dieser Art von Decoration seitens der Société d'Encouragement durch eine silberne Medaille belohnt und ihm für die Zukunft ein größerer Beweis von Anerkennung zugesichert, sobald seine Producte in Frankreich, wie im Auslande, eine größere Verbreitung gefunden haben würden.

In einem der genannten Gesellschaft in ihrer Sitzung vom 2. August 1867 abgestatteten Berichte macht Salvetat darauf aufmerksam, daß die Brianchon'schen Producte sich eines ungewöhnlich bedeutenden Absatzes erfreuen, indem der Verkauf des mit perlmutterartig schillernder (Iris) Glasur versehenen Porzellans über eine Million Francs repräsentirt. Die in der gedachten Versammlung vorgelegten Proben stellen nicht nur die Vollendung dieser Decorationen in Helles Licht, sondern dieselben illustriren auch gleichzeitig ihre ganz neue Verwendungsweise zur Anfertigung irisirender Knöpfe und künstlicher Perlen, welche wir dem bekannten Fabrikanten Bapterosse verdanken.

Die dießjährige Ausstellung auf dem Marsfelde spricht unwiderleglich für die große Gunst, welche diese neuen Producte bei dem Publicum finden. Nicht allein die Hrn. Brianchon von den Zulassungscommissionen bewilligten Räumlichkeiten sind von Gegenständen aus Porzellan mit schillernder oder irisirender Lüftreglasur vollständig ausgefüllt: man findet dieselben auch in den Glasschränken und auf den Tischen vieler anderer Aussteller, für welche der Erfinder arbeitet. Ja noch mehr: wirft man einen Blick auf die von Ausländern ausgestellten Gegenstände, so bemerkt man jene Producte auch unter diesen, so bei Porzellan und Fayence aus Preußen, Oesterreich, Italien, Spanien, Schweden und Rußland. Zum Nachtheil für den Erfinder gilt sein Patent für diese Länder nicht, so daß ihm dasselbe einen angemessenen Lohn für die in seiner Patentbeschreibung mit so großer Aufrichtigkeit über seine Processe gemachten Mittheilungen zu sichern nicht vermag.

Salvetat schließt seinen Bericht mit der Bemerkung, daß diese Verwendungsweile des Wismuths zur Erzeugung der perlmutterartigen Lüstres rein französischen Ursprunges und daß es zu bedauern sey, daß nach dem Ermessen des Comité's ein |86| großer Theil des Vortheils, den der von der Gesellschaft bereits im Anfange seiner Arbeiten belohnte Erfinder von denselben ziehen könnte, seiner höchst anerkennungswerthen Thätigkeit aus dem Grunde niemals zu Gute kommen wild, weil die bereits bedeutend vorgeschrittene Industrie des Auslandes den Export dieser Erzeugnisse sehr beschränkt. (Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, August 1867, S. 490.)

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Polytechn. Journal Bd. CLVII S. 65.

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Polytechn. Journal Bd. CL S. 216.

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