Titel: Ueber die Nachtheile, denen die Gesundheit der Arbeiter in Stearinfabriken ausgesetzt ist; von L. Danckwerth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 6 (S. 86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi01_6

Ueber die Nachtheile, denen die Gesundheit der Arbeiter in Stearinfabriken ausgesetzt ist; von L. Danckwerth.

Während meines langjährigen Betriebes von Stearinfabriken habe ich die Beobachtung gemacht, daß die in den Räumen der Stearinsäureschmelzerei beschäftigten Arbeiter, so wie auch diejenigen, welche in den Localen wo die Verseifung mittelst Kalk und die nachherige Zersetzung durch Schwefelsäure vorgenommen wird, beschäftigt sind, trotz guter Gesundheit bald ein bleiches und kränkelndes Aeußere zeigen, während die in anderen Räumen derselben Fabrik, z.B. in der Lichtgießerei und Seifensiederei beschäftigten Arbeiter ihre Frische bewahren.

Bei näherer Nachforschung ergab sich, daß der Grund dieser Erscheinung die beim Kochen mit Dampf mechanisch fortgerissene, höchst fein zertheilte Stearinsäure ist, welche sich überall auf den mit starkem Hanfbindfaden umwickelten Dampfröhren, so wie auch an den Stellen wo sich in diesen Räumen Balken oder sonst vorspringende Gegenstände befinden, in ziemlich starker Masse ablagert.

Es ist erklärlich, daß die Stearinsäure in diesem höchst fein zertheilten Zustande beim Athmungsproceß in die Lungen der Arbeiter gelangt und so den Hauptgrund der auffallenden Benachtheiligung ihrer Gesundheit bildet.

Da ich nirgends diese, vielleicht schon anderweitig beobachtete Thatsache erwähnt fand, hielt ich es für geeignet dieselbe zu veröffentlichen, um die Fabrikanten zu veranlassen, eine gute Luftventilation in den erwähnten Localitäten mit größerer Gewissenhaftigkeit als bisher zu überwachen.

St. Petersburg, im December 1867.

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