Titel: Die Bereitung von wasserdichten Papieren und Tapeten etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 7 (S. 86–87)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi01_7

Die Bereitung von wasserdichten Papieren und Tapeten etc.

Die in technischen Journalen dazu angegebenen Vorschriften, Mischungen von fettsaurer Thonerde mit Leim etc. geben nur höchst unvollkommene Fabricate und verdienen den Ausdruk: „wasserdicht“ nicht. Weit besser bewährt sich ein dünner Wachsüberzug, wovon uns auch die Natur Beispiele in der gereiften Zwetschge, in dem Blatt der Capuciner-Kresse etc. gibt.

Das japanische Pflanzenwachs, welches eigentlich kein Wachs, sondern eine Fettart ist und der Hauptmasse nach aus palmitinsaurem Glyceryloxyd besteht, daher auch zur Lichter- und Nachtlichterfabrication nicht verwendbar ist, eignet sich, weil es in 5–6 Theilen heißen Alkohols löslich ist, welche Eigenschaft das Bienenwachs nicht besitzt, am besten dazu. Man füllt eine Flasche ungefähr bis zur Hälfte mit 1 Theil japanischem Wachs und 6 Theilen Spiritus, und setzt dieselbe in ein Gefäß mit heißem Wasser. Ist das Wachs geschmolzen, so verschließt man die Flasche und schüttelt dieselbe so lange unter kaltem Wasser, bis die Lösung wieder erkaltet ist, wobei sich der größte Theil des gelösten Wachses als ein feines weißes Pulver abscheidet. Mit dieser, einer dicken Milch gleichenden Flüssigkeit überstreiche man mittelst eines Pinsels die zuerst mit Kleister, der aus gleichen Theilen Stärke und Glycerin bereitet ist, und dem man die erforderliche Menge Ruß oder einen anderen Farbkörper zugesetzt hat, grundirten Bögen und reibt dieselben mit einer Bürste, bis ein gleichmäßiger, dünner, glänzender, nicht klebender Wachsüberzug erscheint, was man erforderlichen Falles nochmals wiederholen muß. Der sechste Theil eines Quentchens genügt, um einem gewöhnlichen Bogen Papier einen wasserdichten Ueberzug zu geben.

Für Tapeten hat dieser Wachsüberzug nicht nur den Vortheil, daß er sie glänzend und frischer macht, sondern er schützt auch gewisse Farben vor dem schnellen Bleichen |87| und bindet die giftigen Schweinfurter Farben, wodurch sie nicht abstäuben können, und macht sie dadurch ganz unschädlich. Aber auch zum Ueberziehen von Holzschnitzarbeiten wäre diese alkoholische Wachslösung der Wachslösung in Terpenthinöl vorzuziehen, da sie nicht wie letztere stark klebend und riechend ist. Auch kann sie zum Auffrischen von Parquett-Fußböden dienen. (Hamburger Gewerbeblatt, 1867, Nr. 48.)

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