Titel: Ueber die praktische Wirkung des Leuchtgas-Reinigungsverfahrens mittelst Ammoniakwasser; von G. T. Liversey, Ingenieur der South Metropolitan Gasanstalt in London.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 10 (S. 266–268)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi03_10

Ueber die praktische Wirkung des Leuchtgas-Reinigungsverfahrens mittelst Ammoniakwasser; von G. T. Liversey, Ingenieur der South Metropolitan Gasanstalt in London.

Dieses Reinigungsverfahren gründet sich auf die Thatsache, daß gewöhnliches Ammoniakwasser eine große chemische Verwandtschaft zum Schwefelwasserstoff besitzt. Die Gase, welche sich bei der Verbrennung der Kohks in den Heizungen der Gasöfen bilden, enthalten sehr viel Kohlensäure, und diese Kohlensäure, welche eine größere Verwandtschaft zum Ammoniak besitzt als Schwefelwasserstoff, verdrängt, wenn sie mit |267| dem Gaswasser in Berührung gebracht wird, den Schwefelwasserstoff und bildet ein kohlensaures Ammoniak, welches als Reinigungsmaterial nahezu, wenn auch nicht ganz so wirksam ist, als caustisches Ammoniak. Zur Behandlung des Ammoniakwassers in solcher Weise ist ein 12zölliges Rohr vom Kamin des Retortenhauses abgeleitet, welches einen geringen Theil der Verbrennungsgase zuerst zu einem Condensator hinfuhrt; dieser Condensator besteht aus einer Anzahl 3zölliger Röhren mit Wasserüberlauf, um die Temperatur so viel als möglich zu reduciren. Die abgekühlten Verbrennungsgase gelangen dann zu einem Exhaustor, welcher den alleinigen Zweck hat, sie aus dem Schornstein abzusaugen und sie andererseits durch den Scrubber hindurch zu drücken. Gewöhnlich wird der Beal'sche Exhaustor angewandt, ein Ventilator dürfte aber zweckmäßiger seyn. Die von mir angewandten Scrubber sind aus Mauerwerk, 28 Fuß hoch, im Lichten 17 1/2 Fuß Durchmesser mit 14 Zoll dicken Wandungen; die Innenseite ist mit Portland-Cement verputzt und zweimal mit Theer gestrichen. Zwei solche Scrubber stehen über einem Bassin, welches dazu dient, das entschwefelte Wasser, das von den Scrubbern abläuft, aufzunehmen. Oberhalb der Scrubber steht ein eisernes Reservoir für das rohe Ammoniakwasser mit einem Inhalte von etwa 16,000 Gallons. Eine 5zöllige Pumpe mit 19 Zoll Hub pumpt das rohe Wasser aus den verschiedenen Sammelcisternen der Fabrik in das obenerwähnte Reservoir und drei 4zöllige Pumpen mit 12 Zoll Hub schaffen das gereinigte Ammoniakwasser aus der unteren Cisterne in ein weiteres Reservoir, von welchem aus es zur Speisung der Gasscrubber benutzt wird. Die Kosten der Anlagen sind etwa folgende:

Mauerwerk und Putz für die zwei Scrubber 240 Pfd. Sterl.
oberes Reservoir 140 „ „
hölzerne Deckel für Scrubber und Bassin 25 „ „
fünfzöllige Pumpe mit Zubehör und Exhaustor 45 „ „
Röhrenlegung, Arbeitslöhne und altes Material,
was benutzt worden ist

150 „ „
–––––––––––
600 Pfd. Sterl.

Die Gasscrubber sind nicht für diesen Zweck speciell angelegt worden, sie sind 4 an der Zahl, 24 Fuß hoch und 16 Fuß im Durchmesser, unter jedem ist eine gemauerte Cisterne für's Wasser. Diese Scrubber sollen noch um 4 1/2 Fuß höher gemacht werden, dann werden sie für die gegenwärtige Leistungsfähigkeit der Fabrik, 120,000 Kubikfuß per Stunde, hinreichend seyn. Der Betrieb ist nun folgender: Das obere Reservoir wird mit Gaswasser gefüllt und vollgehalten, der Exhaustor liefert einen Strom von Verbrennungsgasen von ungefähr 30,000 Kubikfuß per Stunde durch einen der gemauerten Scrubber, dieß reicht aus, um etwa 1200 Gallons rohes Ammoniakwasser zu reinigen, das Quantum, welches wirklich über die im Scrubber enthaltenen Kohks fließt. Die Flüssigkeit fließt vom Scrubber in die darunter befindliche Cisterne und wird von da in das zweite hohe Reservoir gepumpt, aus dem sie zur Speisung der Gasscrubber abfließt. Das letztere Reservoir wird immer voll gehalten, so daß selbst für den Fall, wenn die Pumpe eine Zeit lang nicht arbeitet, immer eine Reserve vorhanden ist. Die Verbrennungsgase, welche zur Reinigung des Wassers gedient haben, werden in den Haupt-Feuercanal geführt und dort verbrannt. Das zu reinigende Gas passirt zuerst einen Scrubber, wo es mit einem Strom gewöhnlichen Gaswassers gewaschen wird, dann durch einen oder zwei Scrubber, die per Stunde mit etwa 20 Gallons auf 1000 Kubikfuß Gasproduction mit dem gereinigten Wasser gespeist werden, und zuletzt durch einen anderen, in den ein Strom reinen Wassers hineinfließt. Nach der Waschung passirt das Gas noch die gewöhnlichen Reinigungsapparate mit Eisenoxyd beschickt. Im März wurde das Reinigungs-System mit Ammoniakwasser vollständig in Gang gesetzt. Die Production war damals 70,000 Kubikfuß per Stunde. Es stand nur einer von den gemauerten Scrubbers zur Reinigung des Wassers und dieser lieferte nicht völlig genug, um alles Gas von Schwefelwasserstoff zu reinigen. Es wären 1400 Gallons per Stunde nöthig gewesen und 1100 Gallons wurden nur geliefert. Ein kleiner Theil des Schwefelwasserstoffes gelangte daher in den Eisenoxydreiniger, die Quantität war jedoch so klein, daß seit dem 1. März nur ein einziger Oxydreiniger gewechselt wurde bei einer Gesammtproduction von 98,695,000 Kubikfuß. Die Erfahrung hat mir gezeigt, daß es am vortheilhaftesten ist, 90 bis 95 Proc. des Schwefelwasserstoffes durch Waschung zu entfernen, und den Rest der Eisenreinigung zu überlassen; die Kosten des Verfahrens sind unbedeutend, |268| wenn die erste Anlage einmal gemacht ist, das Schmiermaterial für die Maschine, die Abnutzung derselben und die Triebkraft; die Aufsicht kostet nichts, es muß nur aufgepaßt werden, daß die Pumpen gehen und daß das Wasser gehörig gereinigt abläuft. Eine Verringerung der Leuchtkraft findet nicht statt, dagegen finde ich, daß man den Schwefelkohlenstoff eben so gut mit rohem Gaswasser als mit dem gereinigten Gaswasser auswaschen kann. (Journal für Gasbeleuchtung, 1867 S. 434.)

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