Titel: Ueber die Entfernung des Ammoniaks aus dem Gase und dessen Nutzbarmachung; von G. Anderson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 11 (S. 268–269)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi03_11

Ueber die Entfernung des Ammoniaks aus dem Gase und dessen Nutzbarmachung; von G. Anderson.

Das zu beschreibende Verfahren stammt eigentlich von Lowe und ist nur von mir verbessert worden. Das Gas wird zuerst durch die gewöhnliche Condensation geführt und von da zu einem Wascher. Dieser Wascher ist ein längliches Gefäß mit verschiedenen falschen Böden oder Trögen, deren jeder einige Zoll tief mit Ammoniakwasser gefüllt ist. Querscheidewände mit sägenförmig gezahnten Rändern tauchen in jedes Fach des Troges in das Ammoniakwasser, so daß das Gas in kleine Bläschen zertheilt wird und mit dem Wasser in innige Berührung kommt; kleine Röhrenvorrichtungen, die am Apparat angebracht sind, dienen dazu, den Druck in allen Abtheilungen während des Betriebes constant zu erhalten. Das Ammoniakwasser läuft oben in den Apparat ein, fällt von einer Abtheilung in die andere und fließt am Boden ab; das Gas dagegen strömt von unten nach oben. Vom Wascher aus gelangt das Gas in einen verticalen Scrubber; dieser Scrubber ist wie die meisten gegenwärtigen Scrubber construirt und enthält mehrere offene Tröge, aber die Construction ist insofern neu, als das Wasser, welches oben gleichmäßig vertheilt eintritt, sich immer an einer Stelle des Bodens sammelt und durch einen Canal abfließt, während das Gas durch einen anderen Canal aufsteigt. Durch diese Construction wird das Wasser so oft als man diese Abflußröhren wieder anbringt, wieder gleichmäßig vertheilt. Den Scrubber speise ich entweder mit gewöhnlichem Ammoniakwasser oder mit reinem Wasser; wenn ich gewöhnliche Newcastle-Kohle benutze, so ziehe ich reines Wasser vor, im Verhältniß von 8 bis 12 Gallons für jede Tonne destillirte Kohle. Ich habe das Gas regelmäßig auf Ammoniak geprüft, indem ich untersucht habe, wie viel Kubikfuß nöthig waren, um eine gegebene Quantität Schwefelsäure zu neutralisiren. 49 Gran Schwefelsäure mit destillirtem Wasser verdünnt und mit Lackmus geröthet, wurden in eine Woulff'sche Flasche gebracht, die mit kleinen Kieseln gefüllt war, und das Gas strömte im Verhältniß von nicht mehr als 1 Kubikfuß per Stunde durch, bis die Neutralisation eintrat; ein Stück geröthetes Lackmuspapier wurde überdieß an der Ausgangsöffnung angebracht, um zu verhindern, daß Ammoniak unabsorbirt durchgehe. Die Anzahl Kubikfuß Gas, welche nöthig waren, die obengenannte Quantität Säure zu neutralisiren, war im Anfang des Waschers 12 1/2 Kubikfuß, am Ausgang des ersten Troges 15 1/2, am Ausgang des zweiten 25 Kubikfuß, am Ausgang des dritten 28 Kubikfuß, am Ausgang des Scrubbers, wenn dieser mit Ammoniakwasser von 3 Unzen Gehalt83) gespeist wurde, 28 Kubikfuß und wenn derselbe mit reinem Wasser gespeist wurde, 73 Kubikfuß. Die Leuchtkraft des Gases am Ausgang des Scrubbers, verglichen mit der am Eingang des Scrubbers, stand im Verhältniß von 6,5 zu 7,2. Bei reinem Wasser war die Leuchtkraft gerade so gut als bei Anwendung von Ammoniakwasser, woraus sich also ergibt, daß die Anwendung von Wasser in diesem Verhältniß keine nachtheilige Wirkung ausübt. Wenn der Scrubber sammt dem Wascher in Thätigkeit war, so hielt der Kalk im Reiniger bedeutend länger vor, und wenn der Kasten geöffnet wurde, so war der Geruch ein weit stärkerer. Die Untersuchungen auf Schwefelkohlenstoff wurden in der Art gemacht, daß das Gas durch eine Lösung von 5 Tropfen essigsaurem Bleioxyd und 60 Tropfen Ammoniakalkohol durchgeleitet wurde, bis die Lösung eine orangegelbe Farbe annahm und sich ein dunkelbrauner Niederschlag bildete. Wenn das Gas im Scrubber mit Ammoniakwasser von 2 Unzen Gehalt gewaschen wurde, so trat die Reaction schon ein, nachdem |269| 1,5 Kubikfuß Gas durchgegangen waren; wenn aber reines Wasser angewendet wurde, so waren 4 Kubikfuß dazu nöthig.

Zur Darstellung von schwefelsaurem Ammoniak aus dem Ammoniakwasser wurde folgender Apparat angewandt. Mittelst einer Pumpe wurde das Ammoniakwasser in ein hochstehendes Reservoir geschafft, von welchem aus es in einen Destillirkolben abläuft. Hier wird es durch Erwärmung verflüchtigt und gelangt durch eine Bleiröhre in ein mit Blei gefüttertes Gefäß, welches die Säure enthält. Die Salzkrystalle, die sich am Boden des Gefäßes bilden, werden herausgefischt und auf einem schiefen Tisch getrocknet. Sobald das Wasser auf einen Gehalt von 1/2 Unze abgetrieben ist, läuft es in ein Reservoir, dessen Boden 1 bis 2 Fuß höher liegt als die Wasserkästen der Retortenöfen; durch Röhren mit Wechseln versehen, wird es in diese Wasserkästen eingeleitet und verdampft. Während der Abdampfung des Wassers geht eine bedeutende Quantität Dampf mit dem Wasser über und es ist wichtig, daß der Säurebehälter nur wenige Fuß vom Destillirkolben angebracht wird, sonst condensirt sich der Dampf, bildet Wasser und verhindert die Bildung des Salzes. Um den Dampf los zu werden, umschließen wir den Behälter mit einem Kasten, dessen Thüren wir bloß öffnen, wenn das Salz herausgenommen werden soll. Vom oberen Theil des Holzkastens zweigt ein Rohr ab, welches mit dem Feuercanal in Verbindung steht, es kann kein Dampf entweichen und wenn man 10 Fuß vom Apparat entfernt steht, so ist es unmöglich, durch den Geruch zu entdecken, was in demselben vorgenommen wird. (Journal für Gasbeleuchtung, 1867 S. 436.)

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Das will sagen: 1 Gallon Wasser wird durch drei Unzen Säure neutralisirt.

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