Titel: Anweisung über Aufbewahrung und Anwendung des Nobel'schen Sprengöls (Nitroglycerins).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 12 (S. 269–271)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi03_12

Anweisung über Aufbewahrung und Anwendung des Nobel'schen Sprengöls (Nitroglycerins).

Das königl. preußische Oberbergamt zu Dortmund hat eine Anweisung über Aufbewahrung und Behandlung des Nobel'schen Sprengöls redigirt und durch die kgl. Revierbeamten aus den Gruben des Districts vertheilen lassen.

Das Sprengöl (Nitroglycerin) ist im Allgemeinen mit noch größerer Vorsicht als das Schießpulver zu behandeln. Namentlich muß man sich hüten, weder gefrorenes, noch flüssiges Sprengöl mit Hammer- oder Beilschlägen zu behandeln; die Gefäße, welche dasselbe enthalten, einer Erschütterung auszusetzen oder sich demselben mit offenem Lichte zu nähern. Das Sprengöl ist sehr giftig und wirkt nicht nur innerlich, sondern auch schon durch bloße Berührung mit der Haut schädlich. – Die üblen Folgen der unvollkommenen Verbrennungsproducte des Nitroglycerins werden durch lebhaften Wetterzug beseitigt.

Die Aufbewahrung desselben geschieht, wo nicht vielleicht verlassene Stollen oder Tagesstrecken zu Gebote stehen, welche namentlich in dem Falle geeignet erscheinen, wo dieselben mit den übrigen Grubenbauen nicht in Verbindung stehen, am besten über Tage und zwar unter Beobachtung der für die Aufbewahrung von Schießpulver und überhaupt leicht explodirbaren Stoffen als zweckmäßig erkannten Sicherheitsmaßregeln. Sollten gut verschlossene, feuerfeste Räume fehlen, so werden die Packflaschen mit Nitroglycerin am besten unter Wasser aufbewahrt. Dieselben sind unter allen Umständen so aufzustellen, daß die Oeffnung nach oben gekehrt ist, und daß sie weder selbst fallen, noch durch herabfallende Gegenstände beschädigt werden können.

Zum Verschluß der Gefäße sind Korkstöpsel – nicht Glasstöpsel – anzuwenden und empfiehlt es sich, dieselben in den Hals nur lose einzusetzen. Beim Oeffnen der Flasche sind die Pfropfen vorsichtig und unter Vermeidung jeder Erschütterung herauszuheben.

Das Ueberfüllen des Sprengöls aus einem Gefäße in das andere muß behutsam erfolgen. Man bedient sich hierzu eines Trichters, eines durchbohrten, mit Ausgußrohr versehenen Korkstopfens, eines Hebers oder eines Krahnes am Boden der zu leerenden Flasche. – Jedes Vorbeigießen und Ueberlaufen der Flüssigkeit ist hierbei zu vermeiden. – Hat ein solches dennoch stattgefunden, so ist das vergossene Sprengöl mit einem Lappen, Schwamm, Werg etc. sorgfältig und vorsichtig aufzuwischen und letztere Gegenstände sind demnächst zu vergraben.

Um gefrorenes Sprengöl aufzuthauen, wird das dasselbe enthaltende Gefäß, nachdem der Kork gelockert worden, in lauwarmes Wasser getaucht und hierin so |270| lange stehen gelassen, bis sämmtliches Sprengöl in den flüssigen Zustand übergegangen ist. Es ist mit der größten Gefahr verbunden, Sprengöl aus einer Flasche zu gießen, in welcher sich dasselbe theilweise noch in gefrorenen Stücken befindet.

Die Verwandlung des methylisirten (inexplosiven) Sprengöls in explosives geschieht durch Behandlung mit Wasser und reicht das zwei- bis dreifache Volumen Wasser hin, um fast alles Nitroglycerin am Boden des Gefäßes unverändert abzuscheiden. – Man bedient sich hierzu einer sogen. Abscheidungsflasche, wie sie von Nobel geliefert werden, oder einer Flasche, welche unten mit einem Abschlußkrahn versehen ist. – Es ist zweckmäßig, nicht mehr Sprengöl als den Bedarf für eine Schicht umzuwandeln. Die große Leichtentzündlichkeit des Holzgeistes und seiner Dämpfe verbietet die Vornahme dieser Manipulation bei offenem Lichte.

Die Flaschen, in welchen das Sprengöl den Arbeitern übergeben wird, bestehen aus Blech oder Glas und sind in letzterem Falle mit einer schützenden Umhüllung zu umgeben, in welcher an diametral gegenüberliegenden Seiten ein längslaufender Schlitz ausgespart seyn kann. Behufs des bequemen Transports werden die Flaschen mit einem den Boden umfassenden Tragriemen versehen.

Das Sprengöl darf nur in dichten Patronen in die Bohrlöcher gebracht, keinenfalls in die letzteren hineingegossen werden. – Die Patronen werden aus Glas, Blech, Gummi, Gutta-percha angefertigt. – Will man Papier benutzen, so empfiehlt sich für diesen Zweck das Actendeckelpapier; Patronen aus Schreibpapier erhalten so viele mit Leim oder Kleister übereinander geklebte Lagen, daß sie mit den Fingern nicht leicht zusammengedrückt werden können. Den Durchmesser der Patronen macht man etwa 3/4 Zoll kleiner als den tiefsten Theil des Bohrloches. – Bevor die Patronen gefüllt werden, hat man sich durch Hineinblasen von ihrer Dichtheit zu überzeugen. Beim Füllen der Patronen ist vorsichtig zu verfahren und etwa übergegossenes Sprengöl sorgfältig aufzuwischen.

Die gefüllte Patrone wird mittelst hölzerner Ladestöcke langsam und ohne Gewalt zu gebrauchen in das Bohrloch hineingeschoben.

Ebenso wird der Besatz mit einem hölzernen Stampfer sanft angedrückt, jedes Feststampfen aber vermieden.

Als Besatzmaterial ist nur Wasser, lose aufgeschütteter Sand oder Lettennudeln zu verwenden.

Zum Entzünden der Schüsse werden Sicherheitszünder mit am unteren Ende aufgesteckten Zündhütchen oder kleine mit Jagdpulver gefüllte Patronen von Holz oder geleimtem Papier verwendet, welche mittelst einer Zündschnur oder eines Zündhalmes in Brand gesetzt werden. Das Zündhütchen oder die Patrone ist an die Zündschnur mit einem Stoffe zu kleben, zu dessen Erweichung kein Feuer erforderlich ist, z.B. Wachs, Pech. Je liefer das Zündhütchen in das Sprengöl hineinreicht, desto vollständiger ist die Verbrennung. Das obere Ende der Zündschnur wird im Bohrloche mittelst eines Lettenpfropfens festgehalten.

Hat ein Schuß versagt, oder eine langsame, durch leises Zischen und Kochen sich kundgebende Verbrennung des Sprengöls stattgefunden, so müssen die Arbeiter sich mindestens eine Viertelstunde nach dem Anzünden des Schusses von dem Orte fernhalten. Ist der Schuß nicht losgegangen oder eine Pfeife stehen geblieben, so ist das nächste Bohrloch, namentlich bei rissigem oder klüftigem Gestein, nicht unter 8 Zoll davon anzusetzen; auf keinen Fall auf einem Schnitt, welcher nach dem alten Bohrloche führt.

Hinsichtlich der Vertheilung der an den einzelnen Arbeitspunkten erforderlichen Quantitäten wird es sich empfehlen, das Sprengöl den Arbeitern beim Beginne der Schicht in wohlverwahrten Gefäßen oder in zugekorkten Patronen zu verabfolgen und darf die einer Kameradschaft übergebene Menge den voraussichtlichen Bedarf einer Schicht, jedenfalls aber 2 Pfund nicht überschreiten.

Die Aufbewahrung der Patronen oder Flaschen während der Arbeit geschieht am besten in einem verschlossenen, unverrückbaren Holzkasten, der in einer Entfernung von nicht unter 15 Lachtern vom Arbeitspunkte so angebracht ist, daß dieselben bei einer Erschütterung des Kastens nicht umfallen können.

Für den Patronenkasten ist folgende Einrichtung sehr geeignet: derselbe ist 6–8'' lang, 5–6'' breit und 6'' hoch und hat auf dem Boden einen 2'' hohen Blecheinsatz, in welchem ein zweiter durchlöcherter mit halb Zoll hohen Füßen versehener Blechboden |271| befindlich ist, auf welchem die Patronen auf einer elastischen, weichen Unterlage stehen. Oben in dem Kasten ist ein durchlöchertes Bretchen angebracht, so daß in jedes Loch eine Patrone paßt. Der verschließbare Deckel trägt einen Handgriff. Aeußerlich wird der Kasten mit dem Worte „Sprengöl,“ einem Todtenkopfe und drei Kreuzen in leicht wahrnehmbarer Weise bezeichnet.

Wenn die Sprengöl enthaltenden Flaschen oder Patronenkästen auf der Förderschale oder in einem Fördergefäße ein- oder ausgehangen werden, so müssen dieselben in einem mit Sägespänen, Stroh, Heu etc. gefüllten, wo möglich mit einer elastischen Bodenfütterung versehenen und oben durch einen Deckel verschlossenen Holzkasten verpackt seyn, welcher ebenfalls mit den oben erwähnten Aufschriften und Zeichen versehen ist. Wird Sprengöl gefördert, so muß der Maschinenwärter hiervon in Kenntniß gesetzt werden und hat dieser auf ein langsames Einhängen, besonders auf ein sanftes Aufsetzen der Förderschale auf die Schachtsohle zu achten. – Sehr zweckmäßig ist es, den Kasten auf eine federnde Unterlage zu stellen.

Flaschen und mit Sprengöl behaftete sonstige Gegenstände, welche unschädlich gemacht werden sollen, können in einem offenen Feuer verbrannt oder in der Erde, etwa 2 bis 3 Fuß tief, vergraben werden; Letzteres ist vorzuziehen.

Zersetztes Sprengöl darf zum Sprengen nicht benutzt, auch nicht weiter aufbewahrt, sondern muß vergraben werden. Dasselbe ist kenntlich an der grünen Farbe und Entwickelung von rothbraunen Dämpfen. Man macht es unschädlich, indem man es in eine tiefe Grube auslaufen läßt und mit Erde bedeckt. (Berggeist, 1868, Nr. 1.)

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