Titel: Die Philadelphia-Stahlhüttenwerke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 3 (S. 262–263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi03_3

Die Philadelphia-Stahlhüttenwerke.

Bisher wurde stets die Behauptung aufgestellt, daß ein Stahl erster Classe für schneidende Werkzeuge etc. in den Vereinigten Staaten nicht dargestellt werden könne. Diese Behauptung ist indessen unrichtig; ein Besuch des ausgedehnten Etablissements von Baldwin, Banes und Comp., der „Philadelphia-Stahlhüttenwerke,“ wird Jedermann davon überzeugen. Bei seiner kürzlichen Anwesenheit in Philadelphia nahm der Verfasser, nachdem er in allen bedeutenderen Fabriken die vorzüglichen Eigenschaften des von der genannten Firma producirten Stahles rühmen gehört hatte. Anlaß, jenen Werken einen Besuch abzustatten, welcher ihn zu einigen näheren Mittheilungen über das verbesserte Verfahren, mittelst dessen der gedachte, sehr passend als „Nonpareil“ bezeichnete Stahl erzeugt wird, in den Stand setzte.

Die Hüttenwerke nehmen einen Flächenraum von vier englischen Acres ein und sind am Ufer des bis an sein oberes Ende schiffbaren Frankford-Creek, etwa fünf (engl.) Meilen von dem Geschäftsmittelpunkte Philadelphia's, gelegen.

Das Eisen wird, für das genannte Haus eigens angefertigt, aus Schweden und Norwegen in 1 Zoll breiten und 1/2 Zoll starken Stäben eingeführt. Auf der Hütte wird es zunächst einem Processe unterworfen, durch den es von allen (?) chemischen Elementen befreit wird, welche auf die Stahlfabrication nicht von günstigem Einflusse sind; dieser Proceß wird geheim gehalten. Darauf werden die Stäbe zu Stücken von etwa 2 Zoll Länge zerschnitten und in 50 Pfd. haltende Graphittiegel, mit einer kleinen Menge fein zerriebener Holzkohle und etwas schwarzem Manganoxyd (Braunstein) versetzt, eingetragen. Die in dieser Weise beschickten Tiegel kommen in den großen „Schmelzofen,“ in welchem sie drei bis vier Stunden lang einer sehr scharfen Hitze ausgesetzt werden. Sobald der Schmelzer sich überzeugt hat, daß die Beschickung der Tiegel sich innig mit einander verbunden hat, werden sie vom „Austräger“ aus dem Ofen genommen und dem Schmelzer übergeben, welcher ihren Inhalt in eiserne Zainformen gießt und in diesen erkalten läßt. Die Zaine werden nun unter einem etwa 18 Centner schweren Dampfhammer zu den ungefähren Dimensionen ausgereckt, welche die fertigen Stäbe haben sollen; dann kommen sie unter einen zweiten Hammer, mittelst dessen sie fertig gemacht werden, mit Ausnahme der Stücke, welche eine nur sehr geringe Größe erhalten sollen, in welchen Fällen dieselben unter noch einem dritten, weit leichteren Hammer bearbeitet werden. Hierauf werden die Enden der Stäbe abgeschroten |263| und zur Darstellung eines zwei- und dreifach raffinirten Gußstahls benutzt; dann erhalten die Stäbe ihre Marken und sind nun fertige Handelswaare.

Dieß ist der Stahl, welcher überall, wo er eingeführt worden (insbesondere für die Drehstähle, Hobelklingen, überhaupt für alle Instrumente welche eine scharfe, gut stehende Schneide haben müssen), eine außerordentlich gute Aufnahme gefunden und den englischen Stahl in den östlichen und mittleren Staaten vom Markte verdrängt hat.

Die ganze Anlage ist übrigens verhältnißmäßig neu, sie existirt erst seit drei Jahren und der „Nonpareil“ trat vor kaum einem Jahre zuerst auf dem Markte auf. (Aus der Mining and Scientific Press durch das Mechanics' Magazine vom 27. September 1867.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: