Titel: Galvanische Versilberung von Haken und Oesen aus Eisendraht; von Friedrich Toberer in Nürnberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 4 (S. 263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi03_4

Galvanische Versilberung von Haken und Oesen aus Eisendraht; von Friedrich Toberer in Nürnberg.

Mit der allgemeinen Hebung der Industrie und des Maschinenbaues gelang es auch, Maschinen zur Herstellung von Haken und Oesen zu construiren, während dieselben früher von dem Nadlergewerbe mittelst Handarbeit hergestellt wurden.

Es entstanden in der Folge Fabriken, welche sich ausschließlich mit diesem Artikel beschäftigten, und unter kaufmännischer Leitung ihr Fabricat zu einem bedeutenden Handelsartikel emporhoben, der nicht bloß im Inlande Absatz findet, sondern auch über das Meer und nach allen Weltgegenden versandt wird.

Während man früher lediglich Haken und Oesen aus Eisendraht schwarz lackirte, dann solche aus leonischem Silberdraht kannte, und erstere Sorte selbstverständlich nicht zu allen Arten Kleidungsstücken brauchbar, letztere aber wegen des hierzu verwendeten Rohmaterials zu theuer war, kam man in der Folge auf ein Ersatzmittel für letztere Sorte, welches in Producten aus Messingdraht bestand, die durch unten beschriebene Manipulation einen Silberüberzug erhielten und unter der Bezeichnung galvanisch versilberte Haken und Oesen in den Handel kamen. Das zur Herstellung dieser Fabricate angewendete Verfahren bestand darin, daß dieselben mittelst Säuren gereinigt, beziehungsweise gelb gebeizt, sodann auf nassem Wege in einer Auflösung von salpetersaurem Silber und Cyankalium einen Silberüberzug empfingen, was jedoch ohne Anwendung irgend eines weiteren Apparates herzustellen war. Diese Fabricate waren ein vollständiger Ersatz für die leonischen, und verdrängten wegen ihrer Billigkeit letztere Sorte vollständig aus dem Handel, so daß nur höchst selten noch ein Auftrag für diese gegeben wird.

Ein noch billigeres und dauerhafteres und eben so schönes Fabricat bereitet Toberer auf folgende Weise. Die aus gewöhnlichem Eisendraht angefertigten Haken und Oesen werden in einen kupfernen Kessel, in welchem sich verdünnte Schwefelsäure befindet, mittelst Zink eingehalten bis das Eisen Reinheit und Glanz erhält. Die auf diese Weise präparirte Waare wird sodann in Wasser abgewaschen und derselben hierauf ein gleichtheiliges Bad von schwefelsaurem Zink, schwefelsaurem Kupfer und Cyankalium gegeben. Mit Anwendung von vier Apparaten wird das Präparat so lange galvanisirt bis auf den Haken und Oesen ein reiner Messingüberzug erscheint. Nach dieser Erscheinung wird wieder ein Bad von salpetersaurem Silber, Cyankalium und schwefelsaurem Natron angewendet bis endlich die Waare die nöthige silberweiße Farbe erhält. Das neue Fabricat entspricht allen Anforderungen. Es ist nicht nur die Waare eine viel dauerhaftere, weil der zu derselben verwendete Eisendraht viel stärker ist als Messingdraht, sondern auch die Versilberung wird weit weniger leicht abgenutzt als bei den aus Messingdraht gefertigten und galvanisch versilberten Sorten. Ueberdieß stellen sich die neuen Fabricate sowohl des billigen Rohmaterials, als auch wegen der geringeren Herstellungskosten als beachtenswerther Handelsartikel dar. – Patentirt in Bayern am 16. Juni 1866. (Bayerisches Kunst- und Gewerbeblatt, 1867 S. 649.)

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