Titel: Notiz über Darstellung künstlicher Edelsteine; von Dr. L. Elsner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 5 (S. 263–264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi03_5
|264|

Notiz über Darstellung künstlicher Edelsteine; von Dr. L. Elsner.

Die Basis zu allen künstlichen Edelsteinen liefert eine Mischung, welche besteht aus:

reiner Quarzsand, gepulvert – 1 1/2 Unzen,

reines, trockenes kohlensaures Natron – 6 Drachm.,

gebrannter Borax – 2 Drachm.,

Salpeter – 1 Drachme,

reine Mennige – 3 Drachm.

Die innig gemischte Masse wird in einem reinen hessischen Schmelztiegel, welcher mit einer Thonplatte bedeckt worden ist, in Holzkohlenfeuer bei heller Rothgluth geschmolzen. Der erkaltete Glasfluß besitzt ein wasserklares Ansehen von außerordentlichem Glasglanz und kann, künstlich geschliffen, als Ersatz eines künstlichen Edelsteines gelten. Es ist aber durchaus erforderlich, daß die Mischung vollkommen durchgeschmolzen ist; denn ist dieß nicht der Fall gewesen, so zeigt er noch ein etwas trübes Ansehen.

Künstlich gefärbte Edelsteine lassen sich nun sehr leicht dadurch darstellen, daß man obiger Mischung färbende Metalloxyde hinzumischt: so erhält man z.B. einen blauen, saphirähnlichen Glasfluß, wenn man obiger Mischung bis 2 Gran kohlensaures Kobaltoxyd hinzusetzt und die Mischung dann nach obiger Angabe schmilzt.

Einen künstlichen Aquamarin oder Beryll erhält man, wenn man obiger Mischung 10 Gran Eisenoxyd hinzusetzt.

Ein künstlicher Amethyst von schön violettröthlicher Farbe wird erhalten, wenn man obiger Mischung 4–5 Gran kohlensaures Manganoxydul hinzusetzt und die Mischung dann schmilzt.

Einen dem Goldtopas außerordentlich ähnlichen Glasfluß erhält man, wenn man obiger Mischung 30 Gran gelbes Uranoxyd hinzusetzt und die Mischung dann schmilzt.

Einen dem Smaragd ähnlichen Glasfluß erhält man, wenn man obiger Mischung ein inniges Gemisch von 20 Gran Eisenoxyd und 10 Gran kohlensaurem Kupferoxyd hinzusetzt.

Alle die genannten gefärbten, auch die ungefärbten, als Basis der übrigen dienenden Glasflüsse, erhalten noch mehr Aehnlichkeit mit den ächten Edelsteinen, wenn dieselben regelrecht und den ächten Edelsteinen entsprechend geschliffen werden.

Einen schwarzen, dem Hyalith ähnlichen Glasfluß erhält man, wenn man zu obiger Grundmischung eine innige Mischung von 10 Gran Kobaltoxyd, 15 Gran Manganoxyd und 20 – 30 Gran Eisenoxydul hinzusetzt und die Mischung alsdann, wie angegeben, schmilzt.

Bei der Darstellung des farblosen, als Basis für die gefärbten Glasflüsse dienenden Glasflusses sowohl wie bei der Darstellung der gefärbten Glasflüsse insbesondere, ist wohl zu beachten, daß die Mischung vollkommen klar und durch und durch geflossen ist, weil nur dadurch ein schönes, klares, brillant glänzendes Glas erhalten werden kann; auch ist zu beachten, daß nur bei Holzkohlenfeuer und nicht bei Steinkohlenfeuer die Schmelzung stattfinden darf, will man reine und klare Glasflüsse erzeugen.

Der angegebene farblose Glasfluß kann sehr zweckmäßig zu der Darstellung der Imitation de diamant angewendet werden. (Elsner's technisch-chemische Mittheilungen des Jahres 1866–67. Berlin 1867.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: